Ca. 10 Jahre nach dem "Klassiker" Beutezeit schrieb Ketchum den Nachfolger und gibt in seinem Nachwort mehr oder weniger offen zu, dass der finanzielle Aspekt durchaus eine wichtige Rolle gespielt hat. Um es vorweg zu nehmen: das merkt man den Buch an.
Die Story spielt ebenfalls 10 Jahre nach dem ersten Teil. Der damalige Polizist, der dem Treiben des Kannibalenstammes ein Ende bereitete, ist nunmehr ein alkohlabhängiger, dickbäuchiger Rentner, der mit seinem Leben nicht so recht etwas anzufangen weiß. Plötztlich wird er wieder wieder zu einem Tatort gerufen, der fatal an die damaligen Vorkomnisse erinnert: grausam zugerichtete Leichen ohne Gliedmaßen. Nunmehr beginnt die Jagd, denn damals wurde keineswegs die gesamte Kannibalenfamilie zur Strecke gebracht. Diese haben sich wieder vermehrt und kehren nun zurück.
Ketchum zieht den Stil, den bereits der erste Teil ausgemacht hat, auch hier konsequent durch. Man durchlebt die Geschichte nicht nur aus der Sicht eines Protagonisten sondern erlebt die Gedankengänge aller Beteiligten, inklusive der Mitglieder der Kannibalenfamilie. Exzessive Gewaltbeschreibungen ohne Tabus (Säuglinge als potentielle Opfer)gehören ebenfalls dazu. Der Autor spielt vor alle mit der Frage, wie Menschen mit Extremsituationen umgehen und hebt sich mit dem Ergebnis wohltuhend von dem "Mainstream" ab, wo allzu häufig der strahlende Ritter auf seinem weißen Pferd daherreitet und die holde Prinzessi rettet. Besonders deutlich wird dies bei Ende von "Beutezeit", als die Polizisten die Höhle des Kannibalenstammes stürmen und auf alles schießen was sich bewegt. Damit erledigen sie zwar die Mörder, aber auch die unschuldigen Opfer. Teilweise findet man dieses Stilmittel auch in Beutegier wieder. Und damit habe ich letztlich den Punkt angesprochen, der mich an diesem Buch stört. Es ist fast eine Kopie des ersten Teils. Ob Geschichte, Gedankengänge der Beteiligten oder Beschreibung der Taten: es gibt wirklich kaum einen Unterschied zu Beutezeit. Ein bißchen was Neues hätte ich mir da schon gewünscht. Ketchum selbst schreibt, dass er Forsetzungen normalerweise nicht mag. Falls das den Hintergrund hat, dass diese häufig wenig inspirierte Versuche sind, nochmals auf einfache Art und Weise Erfolg zu haben, muss er sich diesen Vorwurf selbst gefallen lassen.
Mein Fazit deshalb: wem der erste Teil gefallen hat und noch einmal praktisch genau das Gleiche lesen will, kann ich dieses Buch empfehlen. Wer ein Feuerwerk an neuen Ideen erwartet (so wie es damals Beutezeit war) wird möglicherweise enttäuscht sein.