Nun ist's so weit:
Die Augsburger Postrockgruppe "Dear John Letter", bislang ein Geheimtipp unter MySpace-Mitgliedern, hat einen Plattenvertrag abgeschlossen und geht mit dem nunmehr also weltweit erhältlichen Debütalbum direkt in die Vollen.
Sein Name "Between Leaves | Forestal", auf Deutsch ungefähr "Zwischen Blättern / Waldbezogen", spiegelt die Musik schon recht gut wieder:
Die Stimmung wechselt zwischen malerisch-lyrischen Momenten und verzweifelter Wut, wird aber nie schwülstig oder brachial. Das Album lebt von der Fortentwicklung des offensichtlich von Genregrößen wie Oceansize beeinflussten, aber dennoch eigenständigen Stils der Gruppe.
Schwermütige, nachdenkliche Musik also, die zu Sommer, Sonne, Strand nicht so recht passen mag, den Hörer jedoch schon nach wenigen Minuten auf eine Reise der Gedanken schickt, die auch in einer Endlosschleife des CD-Spielers nie eintönig wird.
Nun aber das Artwork:
Vorbei ist's mit selbstgekleisterten Buchcollagen, wie sie noch die im Eigenvertrieb produzierte EP "EP2007" zu bieten hatte, nun ist Zeit für Kunst.
In den beiden Seiten des genähten Etuis - "CD-Hülle" wäre untertrieben! - gibt's ein Textblatt, die CD selbst und ein paar aus schwarzer Pappe ausgeschnittene Tierfiguren, die, um ein Teelicht herum aufgestellt, eine träumerische Stimmung im Raum verbreiten.
Die ungefähre Dreiviertelstunde an Musik geht auch wie im Flug vorbei:
Wenngleich Dear John Letter sich nur ungern in ein Genrekorsett zwängen lassen wollen, so ist hier doch der Postrock allgegenwärtig. Gitarrenwände schwillen an und ebben ab, immer wieder setzt der emotional hochwertige Gesang ein und wieder aus. Keine Sekunde wird verschwendet, auch endlos wirkende Schlagzeugsoli werden mit Bedacht eingesetzt. Hier wird nicht gelärmt oder gar gerockt, hier wird musiziert. Die großen Vorbilder Oceansize, aber auch Mogwai lassen in fast jedem Takt grüßen.
Apropos Gesang: Der ist nicht lediglich schmückendes Beiwerk, sondern trägt auch wesentlich zur Stimmung bei. So ist nicht nur die verträumt, aber auch verzweifelt wirkende Stimme des Herrn Fischer ein prägendes Element des Albums, auch die Texte können überzeugen. Nichts mit "I love you baby", hier geht's seelisch-schmerzvoll zur Sache.
Unbedingt (und bald) mehr davon!