Between Daylight and Dark ist Mary Gauthiers sechstes Studioalbum. Wer ihre früheren Alben kennt, weiß um ihre rauhe, tiefe Stimme und ihre Art, Gesang und gesprochenen Text zu mischen, und der weiß auch, was sie für eine großartige Texterin ist. Die Bilder, die sie in ihren Liedern heraufbeschwört, sind so plastisch und farbig, dass sie einem direkt vor den Augen erscheinen. Die Lieder sind Meisterwerke; sie haben genug ästhetische Autorität, um wirklich interpretiert, gelebt zu werden.
Ob es das erste Lied, Snakebit, ist, in dem die Erzählerin mit einer Waffe in der Hand von Zweifeln und Reue geplagt wird, ohne dass man erfährt, was genau sie eigentlich getan hat, oder "Can't Find the Way", das die verlorene Situation der Opfer von Hurricane Katrina in New Orleans beschreibt - die Bilder sind eindringlich und faszinierend.
Getragen wird Mary Gauthier's Stimme von einer hervorragenden Band, die die Lieder wunderbar untermalt, ohne je in den Vordergrund zu treten und von der Sängerin abzulenken. Besonders die Percussion gibt dem gesamten Album einen Rhythmus, dem man sich nicht entziehen kann und der sehr dazu beiträgt, das Werk zu einem organischen Ganzen zu machen. Das Album ist hervorragend aufgebaut, ein Lied folgt dem anderen auf scheinbar zwingende Weise. Am Ende hat man beinahe den Eindruck, ein einziges Lied gehört zu haben.
Wer des Englischen nicht so mächtig ist und die Texte nicht versteht, wird dennoch auf seine Kosten kommen, da die Lieder auch melodisch sehr angenehm sind.
Fazit: Wer Mary Gauthier bereits kennt, kommt nicht darum herum, dieses Album zu kaufen. Und wer noch nie von ihr gehört hat, wird fasziniert sein von dieser außergewöhnlichen Sängerin und Songwriterin.