Mit "Between The Buttons" wollten die Stones hörbar etwas Neues machen. Weg vom reinen Blues, der bis dahin die Grundlage ihrer Songs bildete, hin zu mehr Pop. Das Ergebnis ist recht ordentlich.
"Between The Buttons" war aber auch ein Ergebnis der Umstände. Die Stones waren permanent am Touren, was sicherlich Wirkung zeigte, vor allem, weil sie sich zunehmend in Drogen flüchteten, allen voran Brian Jones (Man muss ihn sich nur mal auf dem Cover ansehen. Er wirkt nicht nur zugedröhnt, er war es auch bei dieser Aufnahme). Mit diesem Album begann sein unaufhaltsamer Abstieg, der sich schon vorher angedeutet hatte, erst richtig. Für die Stones wurde er mehr und mehr ein Klotz am Bein. Dazu kam noch, dass auch die Verbindung zu Andrew Loog Oldham nicht mehr funktionierte, weil Mick Jagger und Keith Richards inzwischen eigenständiger geworden waren und Oldhams Vorschläge, Einlassungen, Bevormundungen oder was auch immer, zunehmend als lästig empfanden. Kurz, die Band steckte in ihrer ersten Krise.
Um so erstaunlicher ist es, dass "Between The Buttons" unterm Strich ein gutes Album wurde, wenn auch kein überragendes. Es gibt keinen wirklich schlechten Song auf dieser Platte (wobei man bemerken muss, dass man bis einschließlich "Exile On Main Street" wirklich schlechte Stonessongs mit der Lupe suchen muss - eine bemerkenswerte Leistung), aber ein paar, die nicht ganz so stark waren, z. B. "She Smiled Sweetly" - ganz hübsch, aber eher ein Routineprodukt.
Mick Jagger hat sich immer abfällig über das Album geäußert, nur "Back Street Girl" erzeugt heute noch sein Wohlwollen. Bei einigem Nachdenken kam er noch auf "Connection". Damit tut er dem Album zwar unrecht, nennt aber tatsächlich die beiden besten Songs. Bei "Connection" kann man sich richtig vorstellen, wie sich Keith Richards die Gitarre zwischen die Beine rammt und in bester Chuck Berry Manier abrockt (übrigens ähnlich wie dem ebenfalls sehr starken "Miss Amanda Jones"), einer der wenigen Songs der Stones, die er auch bei Solokonzerten spielt.
DAS As der Platte ist aber "Back Street Girl", ein Song, der zwar leider einen der frauenfeindlichsten Texte hat, den Jagger je abgeliefert hat, aber musikalisch wunderschön (mit Quetschkommode!) und bärenstark ist. Es ist vollkommen unverständlich, warum dieser Song bei der amerikanischen Version unter den Tisch gefallen ist.
Von den anderen Songs muss man noch "Yesterdays Papers" nennen, ein straighter Rocker, dessen Text allerdings ebenfalls Frauenrechtlerinnen die Wände hochtreiben dürfte.
Aus "Between The Buttons" hätte mehr werden können. Wahrscheinlich haben die Stones ganz einfach durch die oben beschriebenen Umstände nicht richtig die Zeit gehabt, das Album zu produzieren. Ein Klassiker ist es dennoch irgendwie.