Michael Gordons "Bettgeflüster" lauschen durfte man seinerzeit erst "ab 16", heute "ab 6" - die Zeiten haben sich geändert, spritzige Telefongespräche von Wanne zu Wanne wirbeln nicht mehr so viel Schaum auf wie Ende der 50er. Wer heute den Streifen genießen will, sollte sich entspannen und auf die etwas ruhigere Erzählweise der späten 50er einstellen.
Das Oskar-prämierte Drehbuch zeigt die eher im Beruf erfolgreiche, ihre Verklemmung überspielende Innenarchitektin Jan (Doris Day, 37), die sich weniger für die Dauerumwerbung des erbreichen, aber etwas einfach gestrickten Jonathan (Tony Randall, 39) begeistern kann als für die lästig-interessanten Telefon-Anmachen des Mannes, mit dem sie unbekannterweise ihre Rufnummer teilt: Brad (Rock Hudson, 34). Sie ist sauer auf den Schlagerkomponisten, dessen Liebesgeflüster ständig die Leitung blockiert - aber es gelingt ihr auch nicht, wegzuhören, wenn er seinen zahlreichen Musen "You are my Inspiration" vorhaucht.
Doch wie die Komödie so spielt, ist Jans Freier Jonathan gleichzeitig der Auftraggeber und Freund Brads. So erfährt Brad, dass Jonathan ausgerechnet seine zickige "zweite Telefonhälfte" anbetet - eine doppelte Herausforderung für den großen, gut aussehenden Herzensbrecher. Brad gibt sich bei einem zufälligen Zusammentreffen spontan als texanisches Landei Rex Stetson (wie der spießige Filzhut) aus und nimmt die arme Jan in die taktische Zange zwischen superseriösen Dates als Texaner Rex und hämischen Bemerkungen am Telefon als Frauenheld Brad. Dabei liefert er schier unglaubliche Sprüche ab wie den legendären "bullernden Ofen" im Titel.
Die Taktik scheint aufzugehen. Brad kann immer wieder trickreich vor Jan verbergen, dass der aufrechte Cowboy mit dem widerlichen Frauenheld am geteilten Telefon identisch ist. Man landet in Jonathans(!) komfortablen Ferienhaus in Conneticut. Das Kaminfeuer knistert, das Sofa ist kuschelig, Jonathans Champagner schmeckt - da entdeckt Jan ein Notenblatt mit "You are my Inspiration".
Keine Frage: Unser Paar wird wohl noch einige Turbulenzen durchstehen müssen, bis es zum Happy End kommen kann...
Mit "Bettgeflüster" gelang Doris Day der Durchbruch als Hollywoodstar. Wer mehr sehen möchte: Die pausbäckige Küchen-Monroe, der es durch unnachahmliche Mimik und Gestik immer wieder gelingt, ihre objektiven Qualitäten mit der Erotik eines Kaffeewärmers zu kaschieren, der überwältigende Film-Hetero Rock Hudson und der liebenswürdig-tragikkomische Tony Randall haben neben unzähligen Einzel-Erfolgen in fast allen Genres zwei weitere erfolgreiche Komödien zusammen gespielt:
Ein Pyjama für zwei und
Schick mir keine Blumen. Weniger gut könnte ich mir Doris Day dabei vorstellen, als "Mrs. Robinson" den jungen Dustin Hofmann aufzureizen - schien ihr wohl zu Recht zu frivol...
Noch heute findet man selten komödiantische Romanzen, die rundum so gelungen sind. Die scheinbare Leichtigkeit der Szenen und Dialoge verdanken wir der Perfektion von Staff und Regie, vor allem aber dem vorzüglichen Drehbuch von Stanley Shapiro und Maurice Richlin.
Köstliche Szenen liefert der "wankende Gag" Thelma Ritter, die als reichlich betüttelte Putze und Freundin Janes zwischen dem urigen Fahrstuhlführer und der Hausbar herumschwankt, ohne in albernen Klamauk abzusaufen.
Bemerkenswert übrigens die Warnung Rock Hudsons als "Brad", die Zurückhaltung des Texaners Rex (ebenfalls Rod Hudson) könne weniger auf Seriosität, sondern auf eine besondere Ausrichtung zurückzuführen sein - offiziell hat Hudson sich erst kurz vor seinem Tod 1985 geoutet...
Auch Bild (im Original 2.35:1) und Ton überzeugen - natürlich im Stil der Zeit. Heute schon wieder spannend wirken die Dekorationen, die Musik und die Mode der New-Yorker-50er, wobei ich speziell letztere bemerkenswert finde.
Leider liefert die großartige Sängerin Doris Day in diesem Film nur - zusammen mit Perry Blackwell - den eher läppischen Song "Roly Poly" ab - wie üblich aber souverän. Immerhin singt sie im Hintergrund den Titelsong Pillow Talk und - während der Fahrt nach Conneticut - die schöne Ballade "Posess Me".
Im Original läuft der Film im Kinoformat 2.35:1 über 102 Minuten - erstaunlich, wie schnell die Zeit vorübergeht, völlig ohne Klamauk und ohne ein "Feuerwerk von Gags". Meines Erachtens ein absolutes Highlight: Die Szene in der Fernfahrer-Raststätte...
film-jury 4* A0340 7.11.2010eg