Wer ist Astrid Swan? Schon früh verspürte Astrid das Verlangen, Songs zu schreiben, um der unendlichen landschaftlichen Weite Finnlands sowohl körperlich als auch gedanklich zu entkommen. Als sie 17 war, spielte sie auf den Open Mic Nächten in Iggy Pops Heimatstadt Ann Arbor in Michigan. Mit 19 buchte sie sich ihre eigene Show auf dem SXSW Festival und bewies damit, dass es nur Motivation und Eigeninitiative bedarf, um dort zu spielen. Astrid perfektionierte ihr Songwriting und ihre Performance als Mitglied anderer Bands aus Pop und Klassik und wagte sich schließlich solo in die Welt hinaus. Ihr Debütalbum
Poverina erschien 2005 in ihrer finnischen Heimat. Die amerikanischen Medien geizten Astrid und
Poverina gegenüber nicht mit Lob. Amplifier Mag: "Poverina is a beautifully surreal and intensely imaginative album. Unlike many modern day recordings, Poverina's construction has an old-fashioned class and sophistication that is unrivalled." 2008 erschien das zweite Album
Spartan Picnic in Finnland, Deutschland, Schweden und Norwegen und zeigte eine ganz andere Seite von Astrids musikalischer Spannweite.
Spartan Picnic ist kantig und aggressiv. Es übersetzt beißende Emotion in komplexe Songstruktur. Die meisten Songs des Albums gründen sich auf komplizierte Rhythmen und minimalistische Arrangements. Kein Wunder, dass das Album in einer ganzen Stange von Jahresbestenlisten landete. Die Platte erreichte die Top 20 der finnischen Albumcharts in der ersten Veröffentlichungswoche. Mit
Better Than Wages erscheint nun Astrids drittes Album. Dieses Mal stellte sie ihre eigene Rockband zusammen, wollte mit jungen und hungrigen Musikern spielen, sich mit der Ästhetik und der Form des Pop amüsieren und dem klassischen Rocksound á la
Blondie und
The Pretenders nacheifern. Um diese Vision Realität werden zu lassen, gründete Astrid
The Drunk Lovers: Niko Votkin (Drums), Arvi Hasu (Bass) und Coma Svensson (Guitars). Die Band füllt die neuen Songs auf
Better Than Wages mit aggressiver Aufgeregtheit.
Better Than Wages zitiert Arthur Miller, stellt bei
Misfit Femininität und Maskulinität in den Vordergrund, widmet sich in
Unrelated der Geschwisterliebe, zeigt bei
In November die falsche Interpretation des finnischen Patriotismus auf und seziert Facebook als neues Beziehungsphänomen in
Status Update. Musikalisch schmeckt das Album rauh und vertritt die Ästhetik des Lo-Fi. All das wird unterstrichen von der Stimme Astrids.
Better Than Wages ist ein zugängliches Album, das die stärksten und melodischsten Songs, die Astrid jemals geschrieben hat.
Mit 27 hat die Finnin Astrid Swan schon zehn Jahre Berufserfahrung. Aus anfänglichem Songwriterpop wurde nach zwei Alben und mehreren US-Tourneen ein roher Rock zwischen Spätwave und Neoglam, dessen Gitarren verzerrt klirren, während die Elektronik für Effekte sorgt, wie sie in freier Natur nur Industrieschlote auf Sommerwiesen haben. Swan thront vokal mittendrin wie eine Chrissie Hynde der Gosse. Ihre Songs über Finnland, Geschlechterrollen und Beziehungen unter Facebookbedingungen haben den Furor des New Yorker Undergrounds der frühen 80er, nur dass "Better than Wages" viel besser produziert ist - nämlich oft in bewusst retrohaftem Radikalstereo. Ein Album, das ungeheuer frisch und lebendig klingt, obwohl es lauter Elemente verschmilzt, die längst kanonisiert sind. Aber darum geht es doch immer: das Alte neu zusammenzusetzen. Das gelingt der rockenden Finnin mit ihren besoffenen Liebhabern bravourös - und ziemlich laut. (mw)