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In diesen Erzählstrang verflochten ist der Kampf Judys (Peter Outerbridge), eines Transsexuellen, der sich in Frances (Ann-Marie MacDonald), die Besitzerin des Frauenbuchladens, verliebt hat. Diese befindet sich gerade am Rande eines Nervenzusammenbruchs, weil der Zoll ein Bücherpaket zurückhält, von dem behauptet wird, dass es obszöne Inhalte enthält. Die ineinander fließenden Geschichten sind geschickt verwoben und Persönliches und Politisches sind unwiderstehlich miteinander verbunden. Aber das befriedigendste an der Geschichte ist, dass die Charaktere Probleme haben, die sich nicht so einfach lösen lassen. Eine Anzahl von bonbonfarbenen Musical-Nummern, zu denen die Schauspieler nur die Lippen bewegen, verleihen dem Film einiges an Pep und die Sexszenen fügen die nötige Hitze hinzu. Aber es sind die Elemente von Kummer und Unklarheit, die den Reiz und die Freude an Better than Chocolate ausmachen. --Bret Fetzer
Wenn man jedoch einen netten, amüsanten Abend mit kurzweiliger Unterhaltung wünscht und über die technischen Mängel hinwegsehen kann, dann ist der Film wirklich ein Geheimtipp.
Es fängt ganz klassisch an: Maggie, eine süße Großstadtprinzessin, hat die Uni geschmissen und zieht es vor, sich in den illustren lesbischen Kreisen Vancouvers mit Paradiesvögeln zu umgeben, in einer Gay Bar aufzutreten (und das macht sie soo gut!) und in einem lesbischen Buchladen zu arbeiten. Eigentlich alles prima also, wenn nicht eines Tages ein verzweifelter Anruf von Mutti Lila käme, in dem sie ihrer Tochter unter Tränen gesteht, dass sie ihren aktuellen Lebensabschnittsgefährten verlässt und gedenkt, samt Maggies Bruder Paul zu Maggie zu ziehen. Das Problem dabei ist: Mutti weiß nicht (oder ist blind für die Tatsache), dass Maggie auf Mädels steht. Noch problematischer wird es, als Maggie eines Abends nach einem Auftritt im Club ihren persönlichen Ritter, oder besser gesagt Ritterin kennen lernt: Die toughe, coole, attraktive Kim. Die hat zwar keine Rüstung und ein weißes Pferd, dafür einen schicken Van, mit dem sie durch die Gegend düst und vom Portraitzeichnen lebt. Maggie (und der Zuschauer) sind hin und weg. Als aber alle gerade genannten Charaktere sich einige Tage später unter demselben Dach zusammenfinden, wird es chaotisch und teilweise grotesk, denn es ist so offensichtlich, dass Maggie und Kim ein Paar sind, Mutti weigert sich jedoch hartnäckig, das zu sehen. Der Film konzentriert sich jedoch nicht nur auf diese Thematik: Da sind auch noch Frances, die schrullige Besitzerin des Buchladens. Da ist Judy, die eigentlich Jeremy war, nun aber eine Frau ist und in Frances verknallt. Und die sexbesessene Carla darf natürlich auch nicht fehlen. Die verführt am Liebsten alles, was ihr über den Weg läuft, kennt sich bestens mit Sexspielzeug aus und baggert erst Maggie und später deren Bruder Paul an.
Gut, das mit den Klischees hab ich ja schon erwähnt. Aber wenn man sieht, wie leichtfüßig und liebevoll die Geschichte erzählt wird, wenn man die cleveren Witze und Wortspielchen hört und genussvoll der weichen Kameraführung folgt, dann kann man über diese Klischees großzügig hinwegsehen und genießen. Denn inmitten des ganzen Chaos ist die Liebesgeschichte zwischen Kim und Maggie der Ruhepol in diesem Film und wird in ruhigen Bildern und leisen Tönen erzählt (die allerdings lauter werden, wenn es um die schönste Nebensache der Welt geht). Und diese Liebesgeschichte hat ihre ganz eigenen Highlights, von denen ich nicht zuviel verraten will. Nur soviel sei gesagt: Viel Farbe und Göttinnen... ;-)
Noch etwas: Obgleich es ein Märchen ist und größtenteils utopisch, hat es doch einige inspirierende Dinge und zeigt Möglichkeiten auf: Möglichkeiten, eines alternativen Lebensstils, Möglichkeiten, aus einer vorgeschriebenen Norm auszubrechen und Möglichkeiten, anders, auf seine eigene Weise zu lieben. Wenn Maggie zum Beispiel ihr Finanzstudium schmeißt und stattdessen den langgehegten Traum erfüllt, Schriftstellerin zu werden. Neben Träumen verleiht dieser Film dem Zuschauer also Hoffnung, und das ist vielleicht seine größte Stärke.
Die Besetzung ist schlichtweg wunderbar und bevor ich eine der Protagonistinnen hervorhebe, möchte ich gern die anderen loben. Eigentlich sind sie alle ein Highlight. Der bis dato ohne Schauspielerfahrung, aber mit viel Elan agierende Paul. Die sexbesessene, sympathische Carla. Die neurotische Frances - Kanadas vielleicht aktuell berühmteste lesbische Schauspielerin und Schriftstellerin Anne Marie McDonald. Die beiden Juwelen in Better than chocolate sind allerdings zwei Nebendarsteller, und zwar renommierte. Wendy Crewson ist einfach göttlich als schusselige, liebenswerte und ahnungslose Mutter mit einem Hang zu Schokolade. Auch unglaublich gut - Peter Outerbridge als Judy. Der Schauspieler ist normalerweise auf jüngere Liebhaber abonniert, aber als Frau ist er einfach atemberaubend schön und elegant - erstaunlicherweise seine erste transsexuelle Rolle, wovon man allerdings nicht anmerkt. So, und nun kommt die Schauspielerin, die mich am Meisten beeindruckt hat: Christina Cox als Kim. Was soll ich sagen: Sie ist heiß, sie ist sexy, dabei aber tough und cool. Sie hätte leicht eine klischeehafte Butch werden können, doch die junge Aktrice schafft es, ihr Charaktertiefe und Eleganz zu verleihen. Mit ihrer Schönheit und ihrem Charisma scheint sie durch den Film und zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Zu schade, dass sie später hauptsächlich Nebenrollen in inhaltlosen Hollywood-Actionfilmen gespielt hat. Die hübsche Karyn Dwyer alias Meggie ist an sich eine ganz Süße und Sympathische, es geht aber irgendwann auf den Keks, dass sie rund um die Uhr grinst und gute Laune verbreitet, als wär sie auf Drogen oder würde 20 Stunden am Tag Sex haben - macht sie irgendwie oberflächlicher als sie es verdient hätte. Da macht es sie ja fast schon menschlich, als sie zum Ende des Films hin in Tränen ausbricht.
Die Musik in dem Film ist das Sahnehäubchen und spiegelt den Charakter der Geschichte wieder - jung, sexy, verträumt und rockig. Ich muss allerdings einen Kritikpunkt an die DVD loswerden - keine Untertitel, ein, zwei Trailer und ein lausiger Kommentar von Regisseurin Anne Wheeler - echt arm! Wo ist das Making of? Die Interviews? Wenn man schon so einen seltenen und guten Film auf DVD kauft, will man auch wissen, was hinter den Kulissen abgegangen ist. Deshalb von mir eine kleine Hintergrundinfo: Den 10%-Shop und Tony's Cafe gibt es wirklich und die sind sogar in derselben Straße zu finden (nur heißen sie in Real wahrscheinlich anders) - aber schaut euch einfach mal einen Reiseführer über Vancouver an und sucht nach dem lesbischen Szeneviertel - dann werdet ihr schnell fündig.
Tja und damit, trotz mangelnder Extras auf der DVD, fünf Daumen nach oben für einen wunderschönen, verträumten Sommerfilm mit ganz viel Witz, Herz und Liebe.
Also: Geiler Film, miserable DVD
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