Haben Sie schon einmal erlebt, dass ein Schriftsteller in einem Postamt arbeitet?
Im vorliegenden Fall beschreibt der Autor wie es ihn einst als jungen Mann aus seiner Familie herausgezogen hat. Er wollte nicht in das Familienunternehmen einsteigen wie seine beiden Brüder bereits.
Michael Greenberg schreibt keinen zusammenhängenden Roman. Es sind eher Gedankensplitter von drei oder vier Seiten Länge. Er beschreibt seine jüdische Herkunft, verleugnet dabei nichts. Über seinen Vater und seine Brüder denkt er nach, zurück will er nicht.
Irgendwann geht er nach New York. Dort wimmelt es vor Ratten. Er beobachtet sie und schreibt: "Ratten leben in einem Zustand verstärkter Unruhe, die wie eine groteske Variante unserer eigenen erscheint." Michael Greenberg bleibt.
Immer wieder legt er Zwischenstopp ein: Er ist Lohnschreiber, versuchte sich als Kellner und verkaufte Kosmetik auf einem Bügelbrett vor einem Kaufhaus. So als Wandelnder überall und nirgends beobachtet er Menschen und meinte sie kennenzulernen.
Höhepunkt des Buches ist für mich der Gedankensplitter "Betteln, Borgen, Stehlen". Michael Greenberg beschreibt wie es ist über Menschen zu schreiben die man kennt. Einer hat ihm mal gesagt: "Du hast nicht die geringste Ahnung, wer ich bin." Ein Anderer sprach ihn darauf an wie konzentriert er jemandem zuhört. Darauf erwidert Greenberg in seinem Buch: "Konzentriert genug um ihm Stücke seiner Seele zu stehlen."
So ist das also mit dem "Betteln, Borgen, Stehlen" eines Schriftstellers in New York und ganz sicher auch anderswo. Es war sehr interessant mit Michael Greenberg durch sein Leben und seine Gedanken zu streifen.
Schriftsteller müssen Menschenkenner und wohl auch Menschenfreunde sein, sonst würden sie nicht so viel auf sich nehmen. Greenberg lebt noch immer in New York. Er schreibt Kolumnen und manchmal eben auch Bücher, wie ein Schriftsteller dies halt so macht.