Juchhei, 5 Sterne. Warum eigentlich? Trotz meiner Begeisterung eine kleine Warnung, man muss schon wissen, was einen hier erwartet, und wer etwas Falsches erwartet, kann auf die Nase fallen, aber mit Schmackes!
Dieses Buch ist definitiv NICHT hochintellektuelle Meisterkunst der biograpischen Schärfe, eine Kombination aus Akkuratesse und elegantem Stil wird man vergeblich suchen. Das Buch ist auch NICHT besonders umfangreich. Lassen Sie sich durch die Seitenzahl nicht täuschen, das Layout führt dazu, dass die 384 Seiten, oder wieviele das nun genau waren, reichlich gestreckt sind. Eigentlich ist die Carlotte Chandler ein besserer Ghostwriter, fast alles sind Selbstzeugnisse von Bette und Berichte von Weggefährten, Kollegen, Freunden und speziell einer Feindin (...), mit einigen wenigen Chandler-Kommentaren und Inhaltsangeben der Filme. Und das alles ist massivst im Plauderton geschrieben.
So, nach diesem umfangreichen Gemecker: Ich LIEBE es, so wie es ist, das Buch. Zum einen liest es sich eben sehr flüssig und hat mir einen Heidenspaß gemacht. Ohne es genau analysieren zu können, habe ich den Eindruck, es gibt einen Unterschied zwischen gutem und schlechtem Plauderton. Und es ist mir schietegal, ob das nun alles so stimmt, was die Davis erzählt. Denn es verrät dennoch eine ganze Menge über sie, und zwar - das ist bei aller "Flachheit" dann eben doch angenehm doppelbödig - zwischen statt in den Zeilen. Wie ihr Umfeld war, wie sie aufgewachsen war (schwanger durch Küssen?), wie das so war im Studiosystem der Warner-Fließbandfabrik, wie man so empfindet bei der idealisierten Mutter und dem abwesenden Vater, wie das so ist, wenn man megastreng ist mit anderen, vor allem aber mit sich selbst. Auf ganz einfache, beiläufige Weise habe ich dann doch recht viel aus dem Bereich psychologische Menschenkenntnis, Familiendynamik, und eben auch über Hollywood erfahren (z.B. dass eine "Besetzungscouch" nicht ganz das ist, was man sich immer drunter vorstellt). Der gute Reich-Ranicki würde sagen: "Nun gut, aberrr muth ich dath alleth lethen, um dath alleth thu erfahrrren?" Nein, muss man nicht. Aber wie gesagt, einen Heidenspaß macht es. Mir jedenfalls, ich könnte mir aber vorstellen, dass dieses Buch die Geister scheiden wird - daher habe ich versucht, in der Rezension darzustellen, was einen erwartet - und was nicht!