Es ist kaum zu glauben, wie schlecht das Buch ist! Karasek bedient sich inhaltlich und stilistisch aus dem großen Topf der Trivialliteratur - und das bis zur Schmerzgrenze: 300 Seiten dümmliche, banale Dialoge, übertroffen nur noch von den Ergüssen seiner Lebensphilosophie. Alles hat man schon einmal gehört, alles schon einmal gelesen - nur oft viel besser, sprich differenzierter und klüger.
Eine Seite will ich herausgreifen, denn da tut es besonders weh: Auf Seite 165 verweist der Autor auf einige Bücher, die im Zimmer der Frau des Protagonisten liegen, darunter den Band, für den Karasek wohl seinen rechten Arm hergeben würde, stünde sein eigener Name auf dem Titel: Wellershoffs Roman ‚Der Liebeswunsch'. Der Leser verweilt kurz in der Erinnerung bei diesem Werk aus einer offensichtlich anderen Welt, wird dann jedoch von Karasek brutal wieder in die aktuelle Lesewirklichkeit zurückgeholt. Der nächste Satz lautet nämlich: „Mein Gott, ich bin umzingelt, ich bin durchschaut ...".
Zum Schluss möchte ich, quasi als Resümee, noch einmal kurz den Protagonisten sprechen lassen. Man kann sich auch an dieser Stelle des fatalen Eindrucks nicht erwehren, Karasek ließe den Leser tief in seine eigene Autorenseele blicken. „Ich will es lieber banal haben, dachte Robert, der sich auf einmal, Marais ‚Die Glut' in den Händen, mitten in einer Tragödie wähnte, wie ein schwacher Schwimmer in einem gefährlichen Strudel. [...] Ich will mich im allerkleinsten Kreise drehen."
Das ist Ihnen gelungen, Herr Karasek!
HWH