Das Thema Energie ist allgegenwärtig in den aktuellen Schlagzeilen, woran nicht zuletzt die Diskussionen um den Atomausstieg und die geplante Energiewende ihren Anteil haben. Denn viele befürchten, wohl auch nicht ganz unbegründet, dass die Kosten für Energie allgemein und für Strom im Besonderen steigen werden. Auf den Industriesektor fallen dabei knapp 50% des benötigten Stromes, so dass der energetischen Optimierung hier eine besonders große Bedeutung zukommt. Der Klimawandel führt dazu, das auch die CO2 Emissionen eines Betriebes zunehmend an Bedeutung gewinnen, Stichwort: Product Carbon Footprint, und nicht zuletzt werden steuerliche Entlastungen für energieintensive Betriebe sukzessive mit strengeren Auflagen verbunden. Diesen Anforderungen kann man nur noch schwerlich ohne entsprechende Systematik und Organisation begegnen; ein betriebliches Energiemanagementsystem muss implementiert werden.
In seinem Buch zu diesem Thema geht Prof. Dr. Kals auf viele betriebliche Funktionen wie Beschaffung, Facility Management, Produktion und Instandhaltung ein und beleuchtet die energierelevanten Aspekte. Er macht klar, das es sinnvoll ist auf die langfristigen Wirkungen zu achten (Lebenszykluskosten), und das es nicht immer nur die harten, wirtschaftlichen Fakten sind, die für oder gegen eine Energieinvestition sprechen, sondern immer öfter auch ethisch-normative Werte. Es gibt einige praktische Beispiele in dem Buch und ohne Frage auch gute Ideen und Ansätze die es lohnt intensiver analysiert und vor allem, angewendet zu werden. Doch es gibt auch Anlass zu Kritik. Das beste und überzeugendste Kaptitel 7 mit dem Titel: Klimatologische, technologische und wirtschaftspolitische Hintergründe gehört nicht ans Ende des Buches sondern an den Anfang. Hier werden Fakten und Zahlen präsentiert, die geeignet sind Aufmerksamkeit zu erzeugen, während man sich durch andere Passagen mitunter mühsam zwingen muss um am Ball zu bleiben. Der Verteilung des Energieverbrauchs wird hier ebenfalls kaum Rechnung getragen. Die Vielzahl der Betriebe verbraucht den größten Anteil der Energie für elektrische Antriebe. Der Betrachtung der Gebäudehülle dürfte in diesen Betrieben nur eine untergeordnete Bedeutung zukommen. In diesem Zusammenhang ist auch ärgerlich, dass in einem Buch von 2010 die Energieeffizienzklassen für Elektromotoren nach der alten CEMEP Norm erklärt werden (EFF) obwohl seit 2008 die neue IE Kennzeichnung gilt. Der elementare Unterschied: Nach der alten Kennzeichnung war EFF1 der Motor mit der besten Effizienz, nach der neuen Kennzeichnung steigt die Effizienz mit der IE Klasse, somit ist IE1 nur ein Motor mit Standardeffizienz. Aus der Praxis weiß ich dass hier immer noch Unklarheiten bestehen, ein Buch über Energiemanagement sollte das Chaos nicht noch weiter vergrößern. Negativ anmerken möchte ich auch die große Zahl an Druckfehlern. Auf den letzten 50 Seiten sind mir 9 Fehler aufgefallen, eine derartige Häufung wirft kein gutes Licht auf den Lektor. Trotzdem möchte ich dem Buch 3 Sterne geben: Für die praktischen Hinweise, auch wenn sie zahlreicher hätten ausfallen müssen, für die vielen Aspekte, die über den Faktor Wirtschaftlichkeit hinaus gehen und für das exzellente Kapitel 7.