Ich bin normalerweise total ablehnend gegenüber jedem Ballerspiel und habe zuvor noch nie eines gekauft.
Aber dann sah ich die Werbung zu Fallout New Vegas, las ein wenig dazu und plötzlich wollte ich es ausprobieren, weil etwas von "unglaublich vielen Möglichkeiten", und "rollenspielähnlich" gesagt wurde. Also kaufte ich es, nachdem der Preis etwas runtergegangen war.
Für einen Neuling wie mich wirkt es dann wieder am Anfang wie ein typisches Ballerspiel. Das Cover, ein gut gerüsteter Mann mit einer Waffe in kriegerischer Pose.
Groß prangt das FSK Logo auf dem Cover. Als ich dann auch noch die Anfangsszene sah, zweifelte ich an meiner Kaufentscheidung. Ein kaltblütiger Gangster, der mich stilvoll "umbringt".
Aber kurz später, als man aus vielen Fähigkeiten und Fertigkeiten wählen kann, macht es mir wieder Spaß.
Zur Story:
Vom Aufwachen im verschlafenen Goodsprings bis zum Showdown auf dem Hoover-Damm kann man unglaublich viel erleben.
Der Spieler kann sich mehrere Begleiter erwählen, die sich nach Abschluss von bestimmten Herausforderungen und/oder Quests noch auf eine oder zwei Arten verbessern können
und am Storyende noch einmal erwähnt werden. Dabei haben die Verbesserungen nicht nur Auswirkungen auf das Kampfverhalten des Begleiters, sondern ändern auch seine Lebensgeschichte einschneidend. So gibt es schon dabei vieles auszuprobieren.
Dann gibt es im Spiel viele Fraktionen, die man unterstützen oder bekämpfen kann. Und jede scheint ihre Vor- und Nachteile zu geben.
Dabei ist in meinen Augen nicht eine Fraktion als "nur gut" oder "nur böse" dargestellt (naja bis auf eine vielleicht). Das macht das Ganze realistisch in meinen Augen.
Während der Reise durch das Mojave Ödland lernt man unterschiedliche Charaktere und Geschichten kennen, die ich zum Teil sehr fesselnd und manchmal gar berührend finde.
Schlussendlich kann man 4 mir bekannte Hauptendings erreichen, mit unzähligen kleinen Variationen, wobei häufig Kleinigkeiten schon den Unterschied bringen.
Ich habe lange gespielt bis ich glaubte, einen Eindruck von jedem möglichen Ending zu haben.
Während man durch die Mojave reist, lernt man außerdem auch an Computerterminals und Notizen viele Schicksale von verzweifelten Menschen, korrupten Firmen, und den Umgang der Menschen mit dem Krieg und der Zeit danach kennen. Dabei auch viele tragische Schicksale in den Vaults, die, wie man wohl in vorherigen Teilen erfährt, nicht nur als Schutz vor dem Krieg dienten, sondern auch für manchmal völlig unmenschliche Forschung verwendet wurden. Gut nachzulesen im Wiki Projekt "Die Vault"(de.fallout.wikia.com/).
Zum Gameplay:
Das Spiel spielt sich aus meiner Sicht am besten aus der First-Player Ansicht. Es gibt zwar auch eine Third-Player-Ansicht, aber die finde ich schwierig, weil man seinen Charakter von der Seite statt von vorne sieht. Ich persönlich als jemand, der keine Ahnung von "Ballerspielen" hat, finde vor allem den V.A.T.S. Modus sehr hilfreich, in dem man genau auswählen kann, welchen Gegner man wo treffen will und das Ergebnis in Zeitlupe gezeigt wird. Es kam selten eine Stelle, an der ich das Spiel richtig schwer fand. Nun muss ich aber definitiv einräumen, dass ich, weil ich eben unerfahren in diesen Spielen bin, auf einfachem Schwierigkeitsgrad gespielt habe und auch den sogenannten Hardcoremodus, der mit Herausforderungen wie Essens- und Schlafbedürfnis kommt, ausgelassen habe. Davon kann ich also keinen Eindruck liefern.
Ansonsten finde ich es gut, dass man die Begleiter meiner Meinung nach ziemlich gut koordinieren und einstellen kann. Was ich aber etwas "doof" finde, ist, dass die meißten Begleiter beim Schießen etwas übereifrig waren. Als ich mich entschieden habe, ein Kasino mit verbrecherischer Leitung auseinander zu nehmen, schoss mein Begleiter auch auf flüchtende Prostituierte und flüchtende Zivilisten, was ich an dieser Stelle gar nicht wollte. Zudem ballern die meißten auch rum, wenn ich mich eigentlich verstecken will und die Gegner mich gar nicht richtig entdeckt haben, sondern nur vorsichtiger sind. Da hätte ich es mir schon gewünscht, wenn man den Begleitern befehlen kann, GAR NICHT zu kämpfen.
Zur Landschaft:
Während ich durch das Spiel wanderte, ging die Trostlosigkeit und die postapokalyptische Stimmung manchmal direkt auf mich über.
Überall zerstörte Häuser, Atommüll und kaum ein Fleckchen grün sowie nur sehr wenige normalen Tiere. Auch trifft man relativ wenige Zivilisten an.
Wenn man etwas heiles, intaktes finden will, muss man lange suchen. Ich finde an dieser Stelle ist das eine zwiespaltige Angelegenheit.
Die zerstörte, nicht gerade schöne, und nuklear verseuchte Erde zeigt wohl genau das, was die Entwickler erreichen wollten. Die Schreckliche Welt, die Menschen mit ihrer Kriegstreiberei schufen. Doch ich persönlich empfinde das manchmal schon als zuviel. Ohne wirklich schöne Landschaften, die es zu entdecken gilt, war meine Neugierde etwas gebremst. Anfangs hoffte ich noch auf schönere, stärker bevölkerte Städte, bis ich dann begriff, dass dies wohl nur in New Vegas halbwegs der Fall ist. Lange gespielt, hinterlies das Spiel bei mir einen tristen Nachgeschmack und manchmal verließ ich das Spiel nur, um meinen hübschen farbigen Desktophintergrund wiederzusehen.
Fazit:
Insgesamt finde ich, macht das Spiel sehr nachdenklich. Es weißt, wohl bewusst darauf hin, was die Menschen in Selbstsucht und Gier nach Ressourcen alles tun können. Wie schrecklich die Auswirkungen von Umweltverschmutzung und Atomkrieg sein können, wird in vielen Facetten gezeigt. Es ist in meinen Augen nie ZU optimistisch oder ZU pessimistisch und kann auch durchaus Spaß machen, weil man viele Herausforderungen meistert und sich ein Ende, dass einem persönlich am meißten gefällt, aussuchen kann. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, den Menschen zu helfen, und das kann man in Vielfältiger Weise tun. Doch wem es gefällt, der kann auch nach Belieben Morden und stehlen und wenn man will sogar fast alle Menschen auslöschen. Doch ich finde man sieht, dass dieses Spiel nicht auf sinnloses Morden ausgelegt ist. Es ist vielschichtig und hat doch eine durchgehende Botschaft, die es zu entdecken gilt.
Jede Fähigkeit kann Auswirkungen auf Dialoge und dem, was folgt haben. Viele Taten werden auch vom Radiosender "Radio New Vegas" berichtet und insgesamt ist meiner Meinung nach der Spagat zwischen Spannung und Nachdenklichkeit gelungen.
Ich kann nur eine eindeutige Kaufempfehlung aussprechen für Rollenspielfans, Kriegsgegner, aber auch die Fans von "normalen" Ballerspielen sollten meines Eindrucks nach auf ihre Kosten kommen. Und wenn ihr, so wie ich sagt, dass alle Spiele mit Feuerwaffen doof sind, seht einmal genau wie ich über den Tellerrand. Es kann nicht schaden...
Dies ist meine Meinung, Andere könnten das Spiel spielen und zu anderen Schlüssen kommen...