Dieses Buch ist der erschütternder Erfahrungsbericht eines Jugendlichen, der vor der Psychiatriereform in die Fänge einer gnadenlosen Anstaltspsychiatrie gerät, was sein Leben von da an entscheidend bestimmen wird. Mit seiner sensiblen, bildreichen Sprache gelingt es dem Autor, die Gefühlswelt dieses Jungen darzustellen, der ' plötzlich aus seinem Alltag herausgerissen ' sich in einer totalen Institution befindet, die nichts weiter zulässt, als ihn zu einem unmündigen, abhängigen Patienten zu machen. Daran beteiligen sich eigentlich alle, die Ärzte, Pfleger und selbst der 'blondgelockte Zivi'. Der Junge Tomas findet in dieser Anstalt niemanden, der ihn als Menschen wahrnimmt und ihm hilft und muss - und kann sich zum Glück - selbst befreien.
Das Buch ist ein Stück Psychiatriegeschichte und zwar nicht von vor 1945 sondern zu Beginn der Siebziger Jahre und zeigt, wie lange es nach Krieg und Nationalsozialismus noch 'schwarze Psychiatrie' mit Schlafsälen, Einzelzellen und kalten Duschen gegeben hat.
Als Leserin ist man froh über die Befreiung aus eigener Kraft und möchte doch gern wissen, wie das Leben des Jungen Tomas weitergegangen ist.
Ich möchte das Buch allen empfehlen, die beruflich oder privat etwas mit Psychiatrie zu tun haben. Es lohnt sich.
Karin Winter, Zürich