51 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Freud und Gott, 24. Juli 2002
Rezension bezieht sich auf: Der Besucher (Taschenbuch)
Es ist keine gewöhnliche Nacht, die sich „Der Besucher" in Eric-Emmanuel Schmitts gleichnamigen Stück für seine Stippvisite bei Sigmund Freud ausgesucht hat. Freud, vom Krebs ausgemergelt und von den Nazis als Jude verfolgt, musste gerade mit ansehen, wie seine Tochter von SS-Männern festgenommen wurde, als plötzlich ein verrückter in seinem Zimmer auftaucht, der vorgibt, Gott zu sein. Es entwickelt sich ein interessanter Dialog zwischen den beiden, sehr philosophisch, sozialkritisch und dabei unheimlich witzig! Am Ende bleibt die Frage: Ist es nun wirklich nur ein Verrückter oder liegt am Ende doch Gott persönlich auf der berühmten Couch von Sigmund Freud? Genau wie alle anderen Stücke von Eric-Emmanuel Schmitt kann ich dieses hier jedem Leser empfehlen.
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39 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Besucher - in Geist und Herz, 4. März 2004
Rezension bezieht sich auf: Der Besucher (Taschenbuch)
Ich habe selten ein Buch gelesen, welches mit solcher philosphischen Intelligenz geschrieben und doch gleichzeitig so menschlich, so einfühlsam, so emotional ist. Ist doch allein schon die Idee eines Gespräches zwischen Freud und Gott (?) höchst amüsant und spannend, ist die Umsetzung nicht nur einfach hervor-, sondern in jedem Sinne herausragend. Ein Buch, das man immer wieder lesen und mit Sicherheit oft verschenken wird - an jene, die des Nachdenkens und Fühlens mächtig sind.
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Zeitreise in die Welt des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe und des Hochmuts - ein Drama der Meisterklasse, 26. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Besucher (Taschenbuch)
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Aprilabend 1938 in Wien: Freud begegnet Gott. Und um es salopp zu formulieren: Sie liefern sich einen disgruenten verbalen Schlagabtausch; über das Leben, den Glauben und des Hochmuts der Menschen.
Den äußeren Rahmen des Dramas, der Interaktion Freud ./. Gott, bildet Freud's Arbeitszimmer und die angespannte Atmosphäre Wiens während der Besetzung Österreichs durch die Hitlerarmee, die Schmitt realitätsnah nachzeichnet. Ihm gelingt es wie immer fabelhaft, Zeit & Raum für den Leser spürbar zu machen.
Im teilweise kontroversen Dialog unterhalten sich Gott und Freud über den Glauben und die Hoffnung, über den Verstand und den Hochmut, über das Leben und den Tod - der Menschen allgemein und über Freud's verlorenen Glauben im besonderen.
Schmitt spickt den Akt mit einer Brise Situationskomik, denn Freud beginnt stellenweise an sich selbst zu zweifeln, da es ihm zu suspekt erscheint, dass gerade ihm - dem Atheisten vor dem Herrn (welch Wortwitz!) - Gott begegnet. Und das kleine Verwirrspiel, indem ein Patient, ein Mythomane, aus dem Irrenhaus entlaufen ist und sich als Goethe oder Gott ausgibt, macht Freud's Zweifel (an sich selbst und an Gott) perfekt.
Die Nebenhandlung besteht aus der liebevollen Konversation zwischen Anna und ihrem Vater, in der es subliminal um die Liebe und der Angst vor dem Tod geht, da Freud's Mundhöhle zu dem Zeitpunkt bereits vom Krebs zerfressen ist und sie zwischenzeitlich von den Nazis zum Verhör geholt wird.
Ein höchst tiefsinniges, kurzweiliges Stück, das dem Drama alle Ehre macht. Ernsthaftigkeit und Beklemmung wechseln sich darin genauso ab wie Humor und Galgenhumor. Glauben oder Nicht-Glauben, das ist hier die Frage!
Wieder ein klassischer Schmitt! Nur dieser hier regt dazu an, das Gelesene auch unbedingt auf der Bühne sehen zu wollen!
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