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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sehr schönes Drama von Dürenmatt,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Besuch der alten Dame: Eine tragische Komödie. Neufassung 1980 (Taschenbuch)
Dies ist wohl eines der Lieblingsbücher aller Deutschlehrer und wird sehr häufig in der Kollegstufe gelesen. Es ist eine Parabel auf Recht und Gerechtigkeit, wie auch auf Macht und Ohnmacht. Wie in Dürenmatt's „Die Physiker" geht es auch hier um die Verantwortung des einzelnen und die Verantwortung einer Gruppe. Das Buch, welches auch verfilmt wurde ist ein Welterfolg geworden und handelt von Kläri Wäscher, die als arme Frau aus ihrem kleinen Dörfchen mit Kind abreist und nach einer Heirat und Tod ihres schwerreichen Ehemanns als Multimillionärin Claire Zachanassian in ihr kleines Städtchen zurückkehrt. Das Städtchen, schwer durch Wirtschaftskrise und Geldmangel heruntergekommen ist plötzlich stolz auf ihre neue „Ehrenbürgerin". Diese will jedoch, dass Alfred Ill, der sie vor mehreren Jahrzenten schwanger hat sitzen lassen, getötet wird - im Gegenzug für eine großzügige Geldspende ihrerseits. Sehr spannendes Buch mit viel Hintergrund und Interpreationsmöglichkeiten. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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28 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Opfer rächt sich,
Rezension bezieht sich auf: Der Besuch der alten Dame: Eine tragische Komödie. Neufassung 1980 (Taschenbuch)
Obwohl auch ich das Buch als schulische Zwangslektüre kennengelernt habe, habe ich bis heute noch keine Abneigung dagegen entwickeln können. Denn statt platt moralisierend den Juristen nach dem Mund zu reden, offenbart dieser Text einen nachvollziehbaren Fall von Selbstjustiz. Die "alte Dame" (Claire), die mit ihrem angeheirateten Reichtum ein ganzes Dorf (und sogar dessen Familie) gegen seinen spießigsten Mitbürger aufbringt, ist das Entwicklungsendstadium eines verlassenen, betrogenen, vergewaltigten Mädchens, das in einer schlechten Welt zunächst eine Ausgelieferte, eine Ausgestoßene war. Diese anfängliche gesellschaftliche Randposition hat sie a) zwar teils ihrer eigenen Dummheit zu verdanken (weil sie sich mit dem Spießbürger Ill eingelassen hat), ist b) aber in letzter Konsequenz auf die Charakterschwäche und die konspirativen Unternehmen Ills zurückzuführen, der sich als so wenig vertrauenswürdig und so menschlich-unanständig erwiesen hat, daß man ihm glatt ein halbes Dutzend Ohrfeigen verpassen möchte, als die Geschichte im Buch nach und nach offengelegt wird.Indem die junge, an der Welt gescheiterte Claire sich selbst in deren Schlechtigkeit einfügt und nach und nach zu der Furie mutiert, die sie (hat man den Eindruck) besser von Anfang an gewesen wäre, schafft sie es, gesellschaftlich aufzusteigen. Nicht mit Unschuld, Nettigkeit, Liebe und sonstigen hübschen Konzepten kommt sie voran, sondern nur indem sie zum sich prostituierenden, halb-anorganischen Monster wird, das am Ende seines Lebens die Rache an dem Verräter Ill vollenden will. Dazu benutzt sie das Geld, daß ihre zahlreichen (verstorbenen) Ehemänner ihr hinterlassen haben und einen Panther, der ihrem Heimatdorf die Ausrede liefert, sich zu bewaffnen und auf Raubtierjagd zu gehen - wobei Ill sehr schnell merkt, daß nicht mehr nur die Katze auf der Abschußliste steht, sondern daß seine Mitbürger über seine Untaten informiert sind und darüber nachdenken, ob sie ihm nicht eine Kugel verpassen sollen, um sich Claires unsterblichen Dank und ein beträchtliches inoffizielles Kopfgeld zu sichern... Man fühlt sich im Verlauf der Geschichte regelrecht auf Claires Seite gedrängt. Sie, die zu Anfang gut war (vielleicht etwas naiv und zu neugierig in sexuellen Angelegenheiten, aber das ist ja nicht per se schlecht), konnte nur überleben, indem sie sich der Realität stellte und zu einem ebenso amoralischen, hinterhältigen Menschen wurde, wie es all die Kleinbürger in ihrer Umgebung schon waren. Sie hätte untergehen können, ihre Chancen standen denkbar schlecht, doch mit einem aus ihrem Rachedurst entspringenden Lebenswillen hat sie sich nach oben gearbeitet, hat sich in der Tat gegen sich selbst, gegen ihre Persönlichkeit, ihre körperliche und geistige Selbstbestimmtheit gewandt, um am Ende nicht als Verliererin dazustehen. Im selben Maße, in dem man ihre Geschichte nachzuvollziehen beginnt, verliert Ill rapide an Sympathien. Es wird klar, daß seine "Verbrechen", die tatsächlich widerwärtig sind, zutiefst von Feigheit zeugen und eine beachtliche kriminelle Energie offenbaren, in seinem Umfeld unter normalen Umständen nicht bestraft würden. Er lebt als unbescholtener Bürger, hatte ein ruhiges Leben und muß sich nicht davor fürchten, daß irgend jemand ihn vor Gericht zerren könnte. Daher erzeugt es so etwas wie eine tiefempfundene Erleichterung, als ihm durch Claires Aktion nun doch noch die Rechnung für sein Verhalten präsentiert wird. Ihm widerfährt Gerechtigkeit, wie man sie sich manchmal in realen Gerichtssälen wünschen würde, wenn wieder einmal ein mildes Urteil gesprochen wird angesichts eines Verbrechens, das nur als bestialisch zu bezeichnen ist. Eben das hebt dieses Buch deutlich von anderer Schullektüre ab: Dem Leser wird erlaubt, sich dem Konzept der Selbstjustiz hinzugeben, es mit Claire, Ill und der Dorfbevölkerung zu erleben, zu bewerten, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Es führt zu leidenschaftlichen Diskussionen zu einem emotionsgeladenen Thema, das man häufig auch so in den Medien antreffen kann, das also immer über eine gewisse Aktualität verfügt. "Der Besuch der alten Dame" belehrt nicht mit erhobenem Zeigefinger - hier darf man seinem ureigenen Gerechtigkeitssinn einmal die Zügel schießen lassen, sich aufregen, toben, sich als Anwalt des Teufels hinstellen, kühl im Sinne des Gesetzes argumentieren oder hitzig dagegen. Wenn ich an viele andere gelangweilte, mit verhaltenem Gähnen durchlebte Buchbesprechungen denke, glaube ich, daß man über ein solches Buch einfach froh sein muß. Und selbst wenn es nicht zu schulischen Zwecken gelesen wird - die Argumentationslawine, die es im Kopf des Lesers lostritt, läßt sich auch wunderbar allein zu Hause genießen; gegebenenfalls kann man einen plötzlich auftauchenden armen Mitmenschen mit seinen Gedanken dazu bombardieren; auf jeden Fall aber wird man einen Ausbruch geistiger Tätigkeit erleben, der berauschend ist. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Geniale schwarze Komödie,
Von Rolf Dobelli "getAbstract.de" (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (HALL OF FAME REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Der Besuch der alten Dame: Eine tragische Komödie. Neufassung 1980 (Taschenbuch)
Es ist wahrlich keine nette alte Dame, die Friedrich Dürrenmatt in seinem wohl berühmtesten Drama im verlotterten Provinzkaff Güllen aussteigen lässt. Nein, die steinreiche Claire Zachanassian hat es faustdick hinter den Ohren. Den unterwürfigen Speichelleckern des heruntergewirtschafteten Städtchens macht sie ein unmoralisches Angebot: Im Austausch für eine Finanzspritze von einer Milliarde fordert sie den Tod ihres früheren Liebhabers Alfred Ill. Die Entrüstung der Bewohner entpuppt sich rasch als überzogen - sie beginnen Gefallen an der heimtückischen Versuchung zu finden, die sich hinter die biedere, frömmelnde, humanistisch angehauchte Bürgerfassade geschlichen hat. Mehr und mehr verwandeln sich die Straßen von Güllen für Alfred Ill in ein heißes Pflaster. Die Konjunktur rauscht durch Ills Heimatstädtchen, und wie der alles fressende Moloch fordert sie ein Menschenopfer: sein Leben. Der Schweizer Dramatiker Friedrich Dürrenmatt, der in der "tragischen Komödie" seine ideale Ausdrucksform fand, lieferte mit dem Besuch der alten Dame eine groteske, rabenschwarze und beim Publikum höchst erfolgreiche Abrechnung mit der Scheinmoral des Bürgertums und den Verlockungen des Wirtschaftswunders. Amüsant, nachdenklich, genial.
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