Kurzbeschreibung
Erstmals werden hier NS-Prozesse gegen Männer und Frauen nach 1945 systematisch und interdisziplinär aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive untersucht. Was wurde Männern, was Frauen in den Nachkriegsprozessen zur Last gelegt? Warum löste es besonderes Entsetzen aus, wenn Frauen Kapitalverbrechen begingen? Hat von Männern ausgeübte Grausamkeit die Phantasie weniger beflügelt? Warum hielten es so viele Männer für Erfolg versprechend, sich als bloße Befehlsempfänger, Bürokraten und "Rädchen im Getriebe" darzustellen? Lassen sich äquivalente Selbststilisierungen bei weiblichen Angeklagten und ihren Verteidigern finden? Und wenn ja, entwickelten sie vor Gericht oder in der Presse Überzeugungskraft? Wie Frauen zu Täterinnen im Nationalsozialismus wurden, ist seit Längerem Thema der Forschung, ihr Auftreten in den Gerichtsprozessen der Nachkriegszeit blieb bislang unbeachtet. Auch das Verhalten der mehrheitlich männlichen Angeklagten ist noch nie aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive analysiert worden. Beides untersuchen die Beiträge dieses Bandes erstmals systematisch und vergleichend - ein wichtiger Beitrag zur nationalsozialistischen Täter- und Täterinnenforschung. Mit Beiträgen von Christine Bartlitz (Potsdam), Christina von Braun (Berlin), Insa Eschebach (Ravensbrück), Michael Greve (Wewelsburg), Sabine Horn (Bremen), Regula Ludi (Bern), Irmela von der Lühe (Göttingen), Katrin Meyer (Berlin), Isabel Richter (Bochum) und Anneke de Rudder (Berlin). Summary An anthology on the function of gender during the trials on Nazi crimes. Die Herausgeber Dr. Ulrike Weckel ist Wissenschaftliche Assistentin am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der Technischen Universität Berlin. PD Dr. Edgar Wolfrum ist DFG-Stipendiat am Historischen Institut der Universität Darmstadt und vertritt eine Professur für Zeitgeschichte an der Universität Mannheim.
Über den Autor
Edgar Wolfrum, geb. 1960, ist Professor für Zeitgeschichte an der Universität Heidelberg. Studium der Geschichte, Politikwissenschaft, Germanistik und des Spanischen. Promotion 1990, 1991 - 1994 Leiter des Förderungsreferats für Geschichte bei der Volkswagen-Stiftung, 1999 Habilitation.