Pressestimmen
„In 'Die Bestie' spielt Chattam mit unseren Ängsten - absolut beeindruckend.“ (France Soir )
„Maxime Chattam: Das Gesicht eines Engels und die Fantasie einer Bestie …“ (Jasmin )
„Maxime Chattam ist ein großes schriftstellerisches Talent: nur ihm gelingt ein grausamer Thriller mit literarischer Eleganz.“ (Le Parisien )
„Maxime Chattam: Das Gesicht eines Engels und die Fantasie einer Bestie …“ (Jasmin )
„Maxime Chattam ist ein großes schriftstellerisches Talent: nur ihm gelingt ein grausamer Thriller mit literarischer Eleganz.“ (Le Parisien )
Kurzbeschreibung
Eine Schiffsbesatzung in Angst und Schrecken – ein bestialischer Mörder ist unter ihnen
Auf einem Schiff ereignet sich eine Reihe grausamer Morde, bei denen der Täter seine Opfer bestialisch hinrichtet und den Schauplatz seines Verbrechens mysteriös inszeniert, als würde er ein geheimnisvolles Ritual vollstrecken. Besonders bedrohlich ist, dass kein Mitglied der Mannschaft das Boot in den letzten Tagen verlassen hat – der Mörder muss unter ihnen sein … Lieutenant Craig Frewin gibt sein Bestes, um den Fall aufzuklären, doch als er denkt, dem Täter auf der Spur zu sein, ereignet sich ein neuer Ritualmord. Für Craig ist nur eine Sache klar: Die Besatzung hat es mit einer Bestie zu tun …
Auf einem Schiff ereignet sich eine Reihe grausamer Morde, bei denen der Täter seine Opfer bestialisch hinrichtet und den Schauplatz seines Verbrechens mysteriös inszeniert, als würde er ein geheimnisvolles Ritual vollstrecken. Besonders bedrohlich ist, dass kein Mitglied der Mannschaft das Boot in den letzten Tagen verlassen hat – der Mörder muss unter ihnen sein … Lieutenant Craig Frewin gibt sein Bestes, um den Fall aufzuklären, doch als er denkt, dem Täter auf der Spur zu sein, ereignet sich ein neuer Ritualmord. Für Craig ist nur eine Sache klar: Die Besatzung hat es mit einer Bestie zu tun …
Klappentext
"In 'Die Bestie' spielt Chattam mit unseren Ängsten - absolut beeindruckend."
France Soir
France Soir
"Maxime Chattam: Das Gesicht eines Engels und die Fantasie einer Bestie ..."
Jasmin
"Maxime Chattam ist ein großes schriftstellerisches Talent: nur ihm gelingt ein grausamer Thriller mit literarischer Eleganz."
Le Parisien
Über den Autor
Maxime Chattam wurde 1976 in Montigny-lès-Cormeilles geboren. Er studierte Literaturwissenschaft in Paris und beschäftigte sich lange Zeit intensiv mit dem Theater, doch seine ganze Leidenschaft galt schon immer dem Schreiben. Die Recherchen für sein erstes Romanprojekt führten ihn nach Amerika, wo auch ein Teil seiner Familie lebt. Aufgrund seines Interesses für Thriller durchlief er ein einjähriges Training in Kriminologie und eignete sich Kenntnisse in Gerichtsmedizin und forensischer Psychologie an. Um der Kriminalliteratur verbunden zu bleiben, war er anschließend als Buchhändler tätig, nebenher arbeitete er an seinem ersten Roman. »Das Pentagramm« war auf Anhieb ein solcher Erfolg in Frankreich, dass Maxime Chattam sich mittlerweile ausschließlich dem Schreiben widmen kann. Er lebt in Poissy.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Edgecombe, 2. Januar 2007
Der eintönig graue Himmel filterte das Licht wie ein durchscheinendes Netz, durch das nur ein trüber Schimmer die Erde erhellte.
Tausende von Soldaten warteten in ihren Zelten. Eine Kippe oder einen Zahnstocher im Mundwinkel, spielten sie Karten oder Würfel, andere hockten um Holzkisten herum und unterhielten sich.
Einige Regimenter hatten sich schon eingeschifft und lebten an Bord der Kriegsschiffe, die an den zu Lagerplätzen umfunktionierten Kais festgemacht hatten.
Das Warten zermürbte sie.
Das Warten auf das Signal.
Es würde zunächst eine Art von Gerücht sein, das, ausgehend vom Kommandoposten oder von der Offiziersmesse, innerhalb weniger Minuten die Männer erreichte, die hier eng zusammengedrängt dem Aufbruch entgegenfieberten.
Dann müssten sie sich aufstellen. Aufbruch gen Süden in eine triste Zukunft, in der es nur zwei Möglichkeiten gäbe: den Angriff überleben oder umkommen.
Das Generalitätsgebäude aus rotem Backstein mit weißem Kranzgesims beherrschte den Hafen.
Lieutenant Craig Frewin stand im zweiten Stock am Fenster und blickte auf das Lager der Soldaten, aus dem Gelächter, Schnarchen und Flüche zu ihm drangen, angeordnet rund um Holzhütten, aus denen zu jeder Tageszeit der Rauch von den Öfen aufstieg.
Frewin, ein stattlicher Mann mit breiten Schultern, hatte die Arme hinter dem Rücken verschränkt, das Uniformhemd spannte sich über dem muskulösen Oberkörper. Der Enddreißiger mit dem aschblonden Haar und dem Bartansatz hatte ein kantiges Gesicht, das durch die schmale Nase und die vollen Lippen jedoch weicher wirkte, sodass er einen gewissen Charme ausstrahlte. Der melancholische Ausdruck seiner haselnussbraunen Augen machte die Erscheinung noch markanter. Er lauschte den Worten von Generalmajor Colin Toddwarth.
"Craig, wir beide kennen uns schon seit einer geraumen Weile, also lass uns aufrichtig sein: Ich weiß, dass es dir nicht gefällt, aber wir haben keine andere Wahl. Die Militärpolizei verfügt nicht über ausreichend Leute, um die aktuelle Aufteilung beizubehalten. Jeder von deinen Männern wird für einen Zug abkommandiert, wenn es zu wenige sind, auch für eine ganze Kompanie."
Mit dem für ihn typischen Phlegma und in einem mehr als bedächtigen Tonfall erwiderte Frewin:
"Auf die verschiedenen Züge aufgeteilt, sind wir ineffizient, Colin. Das ist reiner Wahnsinn. Wir sind Ermittler, keine Kämpfer."
Colin Toddwarth lachte auf und erklärte, indem er jedes Wort betonte:
"Das ist mir durchaus bewusst. Aber . die Zeiten haben sich geändert. Einmal am Kriegsschauplatz angelangt, seid ihr für den Zusammenhalt der Gruppen verantwortlich, und das wird keine leichte Aufgabe sein. Uns erwartet die Hölle. Viele werden zu desertieren versuchen. Eure Arbeit ist es, sie daran zu hindern. Ihr habt mit äußerster Strenge vorzugehen, der Befehl ist eindeutig. Euer Status als Militärpolizei hat natürlich Vorrang, aber trotzdem handelt ihr in Absprache mit den Kommandanten."
"Dafür habe ich mich nicht bei der MP verpflichtet", gab Frewin in unverändert ruhigem Ton zu bedenken. "Nicht, um den Wachhund zu spielen."
"Tut mir leid, die Entscheidung liegt nicht bei mir. Ich habe hingegen dafür gesorgt, dass du und deine Männer Zügen zugeteilt werdet, die nicht in der vordersten Front kämpfen. Wenn ihr kommt, ist das Schlimmste bereits vorbei ."
"Kurz, alles ist schon beschlossene Sache", bemerkte Frewin kühl.
Der Generalmajor strich sich über den Schnurrbart, ehe er antwortete:
"Du bist der Kompanie Drake zugeteilt, welchem Zug, das steht noch nicht fest. Ihr werdet euch auf dem Zerstörer Swordfish einschiffen."
Frewin wandte sich endlich zu seinem Vorgesetzten um.
"Gestattest du mir zumindest, meine Männer selbst davon in Kenntnis zu setzen?"
Toddwarth zögerte kurz, ehe er seine Zustimmung durch ein Blinzeln kundtat. Er betrachtete sein hochgewachsenes Gegenüber mit einer Mischung aus väterlicher Zuneigung und Faszination. Frewin war der Einzige, der ein solch großes Interesse an Ermittlungen hatte. Die meisten Männer der Militärpolizei liebten ihre Funktion wegen der damit verbundenen Machtstellung. Von solchen Missionen hielt Frewin sich fern; er zog die Ermittlungsarbeit, so düster sie auch sein mochte, vor und war stets bereit, eine Leiche zu untersuchen oder einen Täter zu jagen. Mit den für ihn typischen Methoden. Er war der einzige Militärpolizist, der Urlaub nahm, um psychologische Kolloquien zu besuchen. Irgendwann hatte Toddwarth begriffen, dass er die Konfrontation mit dem gewaltsamen Tod liebte. Nicht so, wie er im Krieg vorkam - den fand er nach eigener Aussage obszön -, sondern den geheimnisvollen, intimen Tod im Schatten. Toddwarth hatte ihn nach dem Grund für diese Anziehungskraft gefragt. Die Antwort würde er nie vergessen: Weil in dem subtilen Moment, da ein Mensch beschließt, einen anderen zu töten, das ganze Leben da ist - konzentriert.
Sobald innerhalb der Armee ein Verbrechen begangen wurde, kam Frewin schweigend, mit glänzenden Augen und forschendem Blick herbeigeeilt.
Dann empfand Toddwarth gegenüber seinem Lieutenant ein eigenartiges Gefühl, etwas wie Furcht. Die vielschichtige Persönlichkeit in dem äußerst kräftigen Körper hatte etwas Beunruhigendes.
Auf der Schwelle wandte sich Frewin um und fragte:
"Für wann ist es geplant?"
"Das wird der Generalstab entscheiden. Im Moment ist das Meer zu unruhig. Aber . der Aufbruch steht unmittelbar bevor, mehr kann ich dir nicht sagen."
Craig Frewin bahnte sich einen Weg zwischen den Gruppen von wartenden Soldaten hindurch, die nicht mehr wussten, wie sie die Zeit totschlagen sollten. Er kam zu seinem Zelt, das von den Zelten seines Teams umgeben war. Der junge Matters mit dem narbigen Gesicht - Überreste einer entstellenden Akne - und den zu lang scheinenden Gliedmaßen saß auf einem Klapphocker und las in einem Comicheft. Er war Frewins aufmerksamer und ergebener Sergeant. Clauwitz und Forrell, zwei sommersprossige Rotschöpfe, die man die "Zwillinge" nannte, wozu allerdings nur ihre Haarfarbe verleitete, unterhielten sich vor einem Stapel mit Frauenfotos, die sie aus anrüchigen Magazinen ausgeschnitten hatten.
Als sein Vorgesetzter an ihm vorbeikam, hob Kevin Matters den Blick und wartete, dass dieser ihn ansprach. Frewin aber tat nichts dergleichen, sondern verschwand in seinem Zelt und ließ hinter sich die Plane herunterfallen. Er musste nachdenken, Abstand gewinnen, um die Neuigkeit zu verdauen. Nie unter dem Einfluss des Zorns mit seinen Männern sprechen, diese Regel hatte er sich auferlegt.
Fahles Licht drang durch den Stoff, zu schwach, um richtig sehen zu können.
Der eintönig graue Himmel filterte das Licht wie ein durchscheinendes Netz, durch das nur ein trüber Schimmer die Erde erhellte.
Tausende von Soldaten warteten in ihren Zelten. Eine Kippe oder einen Zahnstocher im Mundwinkel, spielten sie Karten oder Würfel, andere hockten um Holzkisten herum und unterhielten sich.
Einige Regimenter hatten sich schon eingeschifft und lebten an Bord der Kriegsschiffe, die an den zu Lagerplätzen umfunktionierten Kais festgemacht hatten.
Das Warten zermürbte sie.
Das Warten auf das Signal.
Es würde zunächst eine Art von Gerücht sein, das, ausgehend vom Kommandoposten oder von der Offiziersmesse, innerhalb weniger Minuten die Männer erreichte, die hier eng zusammengedrängt dem Aufbruch entgegenfieberten.
Dann müssten sie sich aufstellen. Aufbruch gen Süden in eine triste Zukunft, in der es nur zwei Möglichkeiten gäbe: den Angriff überleben oder umkommen.
Das Generalitätsgebäude aus rotem Backstein mit weißem Kranzgesims beherrschte den Hafen.
Lieutenant Craig Frewin stand im zweiten Stock am Fenster und blickte auf das Lager der Soldaten, aus dem Gelächter, Schnarchen und Flüche zu ihm drangen, angeordnet rund um Holzhütten, aus denen zu jeder Tageszeit der Rauch von den Öfen aufstieg.
Frewin, ein stattlicher Mann mit breiten Schultern, hatte die Arme hinter dem Rücken verschränkt, das Uniformhemd spannte sich über dem muskulösen Oberkörper. Der Enddreißiger mit dem aschblonden Haar und dem Bartansatz hatte ein kantiges Gesicht, das durch die schmale Nase und die vollen Lippen jedoch weicher wirkte, sodass er einen gewissen Charme ausstrahlte. Der melancholische Ausdruck seiner haselnussbraunen Augen machte die Erscheinung noch markanter. Er lauschte den Worten von Generalmajor Colin Toddwarth.
"Craig, wir beide kennen uns schon seit einer geraumen Weile, also lass uns aufrichtig sein: Ich weiß, dass es dir nicht gefällt, aber wir haben keine andere Wahl. Die Militärpolizei verfügt nicht über ausreichend Leute, um die aktuelle Aufteilung beizubehalten. Jeder von deinen Männern wird für einen Zug abkommandiert, wenn es zu wenige sind, auch für eine ganze Kompanie."
Mit dem für ihn typischen Phlegma und in einem mehr als bedächtigen Tonfall erwiderte Frewin:
"Auf die verschiedenen Züge aufgeteilt, sind wir ineffizient, Colin. Das ist reiner Wahnsinn. Wir sind Ermittler, keine Kämpfer."
Colin Toddwarth lachte auf und erklärte, indem er jedes Wort betonte:
"Das ist mir durchaus bewusst. Aber . die Zeiten haben sich geändert. Einmal am Kriegsschauplatz angelangt, seid ihr für den Zusammenhalt der Gruppen verantwortlich, und das wird keine leichte Aufgabe sein. Uns erwartet die Hölle. Viele werden zu desertieren versuchen. Eure Arbeit ist es, sie daran zu hindern. Ihr habt mit äußerster Strenge vorzugehen, der Befehl ist eindeutig. Euer Status als Militärpolizei hat natürlich Vorrang, aber trotzdem handelt ihr in Absprache mit den Kommandanten."
"Dafür habe ich mich nicht bei der MP verpflichtet", gab Frewin in unverändert ruhigem Ton zu bedenken. "Nicht, um den Wachhund zu spielen."
"Tut mir leid, die Entscheidung liegt nicht bei mir. Ich habe hingegen dafür gesorgt, dass du und deine Männer Zügen zugeteilt werdet, die nicht in der vordersten Front kämpfen. Wenn ihr kommt, ist das Schlimmste bereits vorbei ."
"Kurz, alles ist schon beschlossene Sache", bemerkte Frewin kühl.
Der Generalmajor strich sich über den Schnurrbart, ehe er antwortete:
"Du bist der Kompanie Drake zugeteilt, welchem Zug, das steht noch nicht fest. Ihr werdet euch auf dem Zerstörer Swordfish einschiffen."
Frewin wandte sich endlich zu seinem Vorgesetzten um.
"Gestattest du mir zumindest, meine Männer selbst davon in Kenntnis zu setzen?"
Toddwarth zögerte kurz, ehe er seine Zustimmung durch ein Blinzeln kundtat. Er betrachtete sein hochgewachsenes Gegenüber mit einer Mischung aus väterlicher Zuneigung und Faszination. Frewin war der Einzige, der ein solch großes Interesse an Ermittlungen hatte. Die meisten Männer der Militärpolizei liebten ihre Funktion wegen der damit verbundenen Machtstellung. Von solchen Missionen hielt Frewin sich fern; er zog die Ermittlungsarbeit, so düster sie auch sein mochte, vor und war stets bereit, eine Leiche zu untersuchen oder einen Täter zu jagen. Mit den für ihn typischen Methoden. Er war der einzige Militärpolizist, der Urlaub nahm, um psychologische Kolloquien zu besuchen. Irgendwann hatte Toddwarth begriffen, dass er die Konfrontation mit dem gewaltsamen Tod liebte. Nicht so, wie er im Krieg vorkam - den fand er nach eigener Aussage obszön -, sondern den geheimnisvollen, intimen Tod im Schatten. Toddwarth hatte ihn nach dem Grund für diese Anziehungskraft gefragt. Die Antwort würde er nie vergessen: Weil in dem subtilen Moment, da ein Mensch beschließt, einen anderen zu töten, das ganze Leben da ist - konzentriert.
Sobald innerhalb der Armee ein Verbrechen begangen wurde, kam Frewin schweigend, mit glänzenden Augen und forschendem Blick herbeigeeilt.
Dann empfand Toddwarth gegenüber seinem Lieutenant ein eigenartiges Gefühl, etwas wie Furcht. Die vielschichtige Persönlichkeit in dem äußerst kräftigen Körper hatte etwas Beunruhigendes.
Auf der Schwelle wandte sich Frewin um und fragte:
"Für wann ist es geplant?"
"Das wird der Generalstab entscheiden. Im Moment ist das Meer zu unruhig. Aber . der Aufbruch steht unmittelbar bevor, mehr kann ich dir nicht sagen."
Craig Frewin bahnte sich einen Weg zwischen den Gruppen von wartenden Soldaten hindurch, die nicht mehr wussten, wie sie die Zeit totschlagen sollten. Er kam zu seinem Zelt, das von den Zelten seines Teams umgeben war. Der junge Matters mit dem narbigen Gesicht - Überreste einer entstellenden Akne - und den zu lang scheinenden Gliedmaßen saß auf einem Klapphocker und las in einem Comicheft. Er war Frewins aufmerksamer und ergebener Sergeant. Clauwitz und Forrell, zwei sommersprossige Rotschöpfe, die man die "Zwillinge" nannte, wozu allerdings nur ihre Haarfarbe verleitete, unterhielten sich vor einem Stapel mit Frauenfotos, die sie aus anrüchigen Magazinen ausgeschnitten hatten.
Als sein Vorgesetzter an ihm vorbeikam, hob Kevin Matters den Blick und wartete, dass dieser ihn ansprach. Frewin aber tat nichts dergleichen, sondern verschwand in seinem Zelt und ließ hinter sich die Plane herunterfallen. Er musste nachdenken, Abstand gewinnen, um die Neuigkeit zu verdauen. Nie unter dem Einfluss des Zorns mit seinen Männern sprechen, diese Regel hatte er sich auferlegt.
Fahles Licht drang durch den Stoff, zu schwach, um richtig sehen zu können.
Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Edgecombe, 2.Eine Kippe oder einen Zahnstocher im Mundwinkel, spielten sie Karten oder Würfel, andere hockten um Holzkisten herum und unterhielten sich.Einige Regimenter hatten sich schon eingeschifft und lebten an Bord der Kriegsschiffe, die an den zu Lagerplätzen umfunktionierten Kais festgemacht hatten.Das Warten zermürbte sie.Das Warten auf das Signal.Es würde zunächst eine Art von Gerücht sein, das, ausgehend vom Kommandoposten oder von der Offiziersmesse, innerhalb weniger Minuten die Männer erreichte, die hier eng zusammengedrängt dem Aufbruch entgegenfieberten.Dann müssten sie sich aufstellen. Aufbruch gen Süden in eine triste Zukunft, in der es nur zwei Möglichkeiten gäbe: den Angriff überleben oder umkommen.Das Generalitätsgebäude aus rotem Backstein mit weißem Kranzgesims beherrschte den Hafen.Lieutenant Craig Frewin stand im zweiten Stock am Fenster und blickte auf das Lager der Soldaten, aus dem Gelächter, Schnarchen und Flüche zu ihm drangen, angeordnet rund um Holzhütten, aus denen zu jeder Tageszeit der Rauch von den Öfen aufstieg.Frewin, ein stattlicher Mann mit breiten Schultern, hatte die Arme hinter dem Rücken verschränkt, das Uniformhemd spannte sich über dem muskulösen Oberkörper. Der Enddreißiger mit dem aschblonden Haar und dem Bartansatz hatte ein kantiges Gesicht, das durch die schmale Nase und die vollen Lippen jedoch weicher wirkte, sodass er einen gewissen Charme ausstrahlte. Der melancholische Ausdruck seiner haselnussbraunen Augen machte die Erscheinung noch markanter. Er lauschte den Worten von Generalmajor Colin Toddwarth.»Craig, wir beide kennen uns schon seit einer geraumen Weile, also lass uns aufrichtig sein: Ich weiß, dass es dir nicht gefällt, aber wir haben keine andere Wahl. Die Militärpolizei verfügt nicht über ausreichend Leute, um die aktuelle Aufteilung beizubehalten. Jeder von deinen Männern wird für einen Zug abkommandiert, wenn es zu wenige sind, auch für eine ganze Kompanie.«Mit dem für ihn typischen Phlegma und in einem mehr als bedächtigen Tonfall erwiderte Frewin:»Auf die verschiedenen Züge aufgeteilt, sind wir ineffizient, Colin. Das ist reiner Wahnsinn. Wir sind Ermittler, keine Kämpfer.«Colin Toddwarth lachte auf und erklärte, indem er jedes Wort betonte:»Das ist mir durchaus bewusst. Aber . die Zeiten haben sich geändert. Einmal am Kriegsschauplatz angelangt, seid ihr für den Zusammenhalt der Gruppen verantwortlich, und das wird keine leichte Aufgabe sein. Uns erwartet die Hölle. Viele werden zu desertieren versuchen. Eure Arbeit ist es, sie daran zu hindern. Ihr habt mit äußerster Strenge vorzugehen, der Befehl ist eindeutig. Euer Status als Militärpolizei hat natürlich Vorrang, aber trotzdem handelt ihr in Absprache mit den Kommandanten.«»Dafür habe ich mich nicht bei der MP verpflichtet«, gab Frewin in unverändert ruhigem Ton zu bedenken. »Nicht, um den Wachhund zu spielen.«»Tut mir leid, die Entscheidung liegt nicht bei mir. Ich habe hingegen dafür gesorgt, dass du und deine Männer Zügen zugeteilt werdet, die nicht in der vordersten Front kämpfen. Wenn ihr kommt, ist das Schlimmste bereits vorbei .«»Kurz, alles ist schon beschlossene Sache«, bemerkte Frewin kühl.Der Generalmajor strich sich über den Schnurrbart, ehe er antwortete:»Du bist der Kompanie Drake zugeteilt, welchem Zug, das steht noch nicht fest. Ihr werdet euch auf dem Zerstörer Swordfish einschiffen.«Frewin wandte sich endlich zu seinem Vorgesetzten um.»Gestattest du mir zumindest, meine Männer selbst davon in Kenntnis zu setzen?«Toddwarth zögerte kurz, ehe er seine Zustimmung durch ein Blinzeln kundtat. Er betrachtete sein hochgewachsenes Gegenüber mit einer Mischung aus väterlicher Zuneigung und Faszination. Frewin war der Einzige, der ein solch großes Interesse an Ermittlungen hatte. Die meisten Männer der Militärpolizei liebten ihre Funktion wegen der damit verbundenen Machtstellung. Von solchen Missionen hielt Frewin sich fern; er zog die Ermittlungsarbeit, so düster sie auch sein mochte, vor und war stets bereit, eine Leiche zu untersuchen oder einen Täter zu jagen. Mit den für ihn typischen Methoden. Er war der einzige Militärpolizist, der Urlaub nahm, um psychologische Kolloquien zu besuchen. Irgendwann hatte Toddwarth begriffen, dass er die Konfrontation mit dem gewaltsamen Tod liebte. Nicht so, wie er im Krieg vorkam - den fand er nach eigener Aussage obszön -, sondern den geheimnisvollen, intimen Tod im Schatten. Toddwarth hatte ihn nach dem Grund für diese Anziehungskraft gefragt. Die Antwort würde er nie vergessen: Weil in dem subtilen Moment, da ein Mensch beschließt, einen anderen zu töten, das ganze Leben da ist - konzentriert.Sobald innerhalb der Armee ein Verbrechen begangen wurde, kam Frewin schweigend, mit glänzenden Augen und forschendem Blick herbeigeeilt.Dann empfand Toddwarth gegenüber seinem Lieutenant ein eigenartiges Gefühl, etwas wie Furcht. Die vielschichtige Persönlichkeit in dem äußerst kräftigen Körper hatte etwas Beunruhigendes.Auf der Schwelle wandte sich Frewin um und fragte:»Für wann ist es geplant?«»Das wird der Generalstab entscheiden. Im Moment ist das Meer zu unruhig. Aber . der Aufbruch steht unmittelbar bevor, mehr kann ich dir nicht sagen.«Craig Frewin bahnte sich einen Weg zwischen den Gruppen von wartenden Soldaten hindurch, die nicht mehr wussten, wie sie die Zeit totschlagen sollten. Er kam zu seinem Zelt, das von den Zelten seines Teams umgeben war. Der junge Matters mit dem narbigen Gesicht - Überreste einer entstellenden Akne - und den zu lang scheinenden Gliedmaßen saß auf einem Klapphocker und las in einem Comicheft. Er war Frewins aufmerksamer und ergebener Sergeant. Clauwitz und Forrell, zwei sommersprossige Rotschöpfe, die man die »Zwillinge« nannte, wozu allerdings nur ihre Haarfarbe verleitete, unterhielten sich vor einem Stapel mit Frauenfotos, die sie aus anrüchigen Magazinen ausgeschnitten hatten.Als sein Vorgesetzter an ihm vorbeikam, hob Kevin Matters den Blick und wartete, dass dieser ihn ansprach. Frewin aber tat nichts dergleichen, sondern verschwand in seinem Zelt und ließ hinter sich die Plane herunterfallen. Er musste nachdenken, Abstand gewinnen, um die Neuigkeit zu verdauen. Nie unter dem Einfluss des Zorns mit seinen Männern sprechen, diese Regel hatte er sich auferlegt.Fahles Licht drang durch den Stoff, zu schwach, um richtig sehen zu können. Frewin zündete die Petroleumlampe an und ließ sich auf einem improvisierten Stuhl vor einer Kiste nieder, die ihm als Schreibtisch diente. Er griff nach einem Stift und einem Notizblock und begann zu kritzeln: Meine geliebte Patty, ich kehre zurück zu Dir... Er stützte den Kopf in die Hand und nahm sich Zeit, bis sich der Strom von Worten, die sich in seinem Gehirn überschlugen, beruhigt hatte. Er strich den ersten Satz durch und zerknüllte das Blatt, um ein neues zu nehmen. Und diesmal schrieb er in einem Zug:Meine Geliebte,erinnerst Du Dich an die Uhr, die im Haus Deiner Mutter in unserem Zimmer hing? An das Pendel, das beharrlich die Stunden der Schlaflosigkeit zählte, von denen Du so oft gesprochen hast? Die Geräusche des Lebens im Lager hallen mit derselben besessenen Verbissenheit in meinen Ohren wider. Fast wie Furcht. Alle hier machen sich eifrig zu schaffen, den Magen vor Angst zusammengekrampft.Wir warten auf das Signal zum Aufbruch - hin zu einem Land, wo sich der schwindelerregendste Handel abspielt, den die Menschheit je erfunden hat: der mit unserer Existenz. Leben vernichten, um das eigene zu retten. Um anderen unsere Freiheit aufzuzwingen. Wir sind verflucht, mein Liebling. Das Übel, das wir tun, ist so groß, dass ich mich frage, ob sich dieser Fluch nicht auf die folgenden Generationen auswirken wird.