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Ein hochinteressantes Gebiet, relevante Thematik, ein erfahrener Experte mit viel Detailwissen.
Aber die Sache hat einen bzw. einen Dutzend Haken:
Dr. Müller kann nicht schreiben.
Schwadronieren kann er, sich in kriminellen Satzkonstrukten verlieren und die deutsche Sprache mit Füßen treten.
Seine rethorischen Folterwerkzeuge sind überlange, inhaltsleere Sätze, ungewollt komische Metaphern und nervtötende Repetition von Binsenweisheiten.
Zu allem Überfluß verliert er permanent den roten Faden, da er sich partout nicht festlegen will, ob er einen Krimi, Gesellschaftskritik oder einfach nur über sich selbst schreiben will. Letzteres scheint ihn am meisten zu faszinieren. Zum Verdruß des Lesers, denn es soll doch hier von der 'Bestie Mensch' die Rede sein. Bestie hin, Bestie her, Dr. Müller läßt sich nur ungern aus dem Rampenlicht drängen - die Eitelkeit 'dringt [...] aus allen Poren' (eins der vielen Zitate, die gebetsmühlenhaft wiederholt werden).
Aber was scheren uns die Mängel in der Form, wenn der Inhalt stimmt:
Leider auch Fehlanzeige - der gesamte Informationsgehalt dieses mageren Machwerks paßt auf eine dreiseitige Broschüre (A5).
Das wurmt und erstaunt mich auch am meisten: Man merkt, wie sehr sich Dr. Müller gequält hat, diese 200 Seiten mit Inhalt zu füllen.
Vielleicht liegt das daran, daß er tunlichst vermeiden wollte, potentiellen Bösewichtern Tips zu liefern
- Zitat aus der Online-Ausgabe der Falter Stadtzeitung Wien: "Ich sage immer nur, was ich tue. Nie, wie ich es tue."
Das ist höchst begrüßenswert, aber um ein Buch zu schreiben, muß man immer noch genug Wichtiges und Interessantes zu sagen haben - und das hat er nicht.
Siehe hierzu die unsägliche shaggy dog story vom vermeintlich vergifteten Tee, mit der er mindestens 15 Seiten ausfüllt.
Dementsprechend ist dieses Buch, besonders im Hinblick auf den reißerischen Titel und der professionellen Marketing-Kampagne, eine Mogelpackung sondergleichen.
Das ist auch das Traurige, die anfangs angesprochene Tragödie: Man hat sich so viel versprochen von der Thematik und von der Persönlichkeit Thomas Müller. Umso mehr enttäuscht oder besser getäuscht fühlt man sich hinterher.
Zum Abschluß etwas Versöhnlich-Konstruktives. Dr. Müller hat sich als Kriminalpsychologe einen soliden Ruf erworben, der ihn allerdings bald wieder in Versuchung führen könnte, ein zweites Buch zu verfassen. Ich hoffe sehr, daß er es nicht wieder selbst schreibt. Schuster bleib bei deinen Leisten. Zweitens: Wie er mindestens 4 Mal sagt, muß man 'vergleichen' können. Richtig, aber dafür braucht man mehr als nur ein paar vage Beispiele. Viel mehr detaillierte Fallbeschreibungen sind vonnöten, von denen man dann Verhaltens- und Bedürfnismuster ableiten kann. Drittens: Keinen Roman schreiben. Kurz(weilig) und bündig, und auf der Realität basierend, sollte der Stil im Sachbuch sein.
Letzten Endes will der Leser zumindest in diese 'Erfahrungswelten, die wir nicht betreten können' reinschauen und dann ansatzweise verstehen können, wieso es dort so düster ist. Ich würde mich freuen, wenn das im zweiten Buch gelingen würde.
Abwarten und Tee trinken...
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