Obwohl er bereits 2004 mit seinem Solo-Album "Finkenauer" debütierte, wurde Pascal Finkenauer erst 2006 einem großen Publikum bekannt als er für Fettes Brot auf deren Hit-Single "An Tagen Wie Diesen" den Refrain sang. Mit diesem Gutschein im Gepäck startet der 30jährige Rheinländer nun erneut durch und reüssiert mit dem Album "Beste Welt,", auf dem er zwölf eigene Songs präsentiert.
Das Komma hinter dem Titel gehört dazu und verdeutlicht, dass es weiter geht. Kein Platz für ein definitives Frage- oder Ausrufungszeichen. Das entspricht auch dem musikalischen Werdegang des Künstlers, denn Pascal spielte schon als Jugendlicher LoFi-orientierten Punk, experimentierte viel, brach immer wieder aus und auf. Das macht er in gewisser Weise bis heute, wenn auch auf deutlich höherem Niveau. Dazu sieht er auch noch fantastisch aus und singt ergreifend schön.
Finkenauer macht den Song wieder zum Lied, das ehrlich, klug und poetisch Melodie und Text verbindet, auch surreale Momente nicht scheut und die diffuse Grenze der Popmusik gerne mal verlässt. Da singt einer, der viel nachdenkt und das auch kompromisslos von seinem Publikum verlangt. "Beste Welt," ist ein Album, das sich erst im Hörer entfaltet und komplettiert. Nach dem ersten Durchlauf war ich stark verunsichert, fand keinen roten Faden, kein Konzept. Der Gesang wirkte oft so gehetzt, holprig und aufgesetzt, dass ich mich schwer darauf konzentrieren konnte, die Texte kaum wahrnahm. Doch Finkenauers Kunst besteht genau darin, Dunkelheit hell werden zu lassen und wenn man ihm folgt, leuchtet es warm in Herz und Kopf.
Unter den zwölf Musiktiteln gibt es unterschiedliche Stilrichtungen wie das wuchtige "Hand In Hand", das jazzig instrumentierte "Brunnen" oder das zwischen eingängig und zerfranst wechselnde "Manchmal Zwischen Den Gebäuden", welches auch die erste Single-Auskopplung ist. Des weiteren bietet Pascal Finkenauer Bossa Nova ("Ratata" und "Schöne Neue Welt"), Hip-Hop-Punk der 80er ("Hab Ich Dir Schon Erzählt?" und "Mittendrin") und Soul ("Du Bist Hier"). Die größten Momente sind die leisen: "Geschrien" ist eine intensive Klavierballade mit Streichern und "Scherben" ist ein wunderbarer trauriger Chanson mit gebrochener Stimme. Die Texte sind tiefgehende Gedichte - philosophisch, lyrisch, oftmals chiffriert – und eine geistige Herausforderung. Türen sind da, um geöffnet zu werden …