Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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24 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Liebesgeschichten in geheimnisvoller Vielfalt, 14. März 2008
Thomas Pletzinger Bestattung eines Hundes
Kiepenheuer& Witsch ISBN 3462039687
Daniel Mandelkern, der Held der Geschichte, bekommt den Auftrag, ein Interview und Porträt des Kinderbuchautors
Dirk Svensson zu verfassen. Sinnigerweise ist Daniels Frau, die gleichzeitig seine Feuilletonchefin ist, seine Auftraggeberin. Er fährt zu Svensson in dessen Haus am Luganer See.
Eine sorgfältige aufgefächerte und fein gegliederte Geschichte beginnt.
Das Interview wird ständig aufgeschoben. Svensson entpuppt sich als skurriler Eigenbrötler. Bei ihm in seinem Haus am See sind sein dreibeiniger Hund Lua und seine Freundin, es könnte auch seine Frau sein, die schöne Finnin Tuuli mit ihrem kleinen Sohn und Kiki, eine Amerikanerin.
Die Frage nach der Vaterschaft von Sami, dem Sohn von Tuuli, ist so rätselhaft wie die Beziehungen der Protagonisten untereinander.
Mandelkern hat parallel zu seinen Eindrücken am See innerlich mit seiner Ehe zu tun. Elisabeth ist sechs Jahre älter als er, sehr dominant und fordernd und will unbedingt ein Kind von ihm. Er hat im Streit mit ihr die gemeinsame Wohnung in Hamburg verlassen.
Wechselnd zwischen seinem angeknacksten Innenleben und seinem ungeliebten Auftrag, denn er ist von Beruf Ethnologe und hat nur zufällig den Job als Journalist angenommen, erkennt Daniel eine verzwickte Dreiecksliebesgeschichte zwischen Svensson, Tuuli und dem fernen Felix. Was hat es mit ihm auf sich?
Daniels Studium der Ethnologie hat ihm die Fähigkeit zur teilnehmenden Beobachtung vermittelt. Mit dieser Beobachtungsgabe nähert er sich Svensson, dem man aber nicht nahe kommen kann.
Mandelkern entdeckt im Gästezimmer des Hauses ein Manuskript von Svensson, Astroland. Mit Hilfe dieser Geschichte fühlt er sich in das fremde Leben ein.
Svensson hat im Amerika und Brasilien gelebt. Mandelkern fasziniert das Leben von Svensson so sehr, dass er das seine langsam mit dem anderen vermischt.
Beide Lebensgeschichten überlappen sich ganz vorsichtig. Mandelkern lernt sich selber immer besser verstehen und kann zuletzt seine eigene Liebe, sein Leben und seinen Zustand sorgfältiger einordnen.
Die Erzählung ist im Stil eines wissenschaftlichen Werkes verfasst. Einschübe in Klammern, Anmerkungen und Überschriften versuchen, eine Ordnung in die Dinge zu bringen. Die Parallelität aller Lebensgeschichten fließen unmerklich ineinander. So erlebt der Leser Geschichten, von denen er fasziniert ist, die aber gelegentlich kaum auseinander zu halten sind. Der dreibeinige Hund bietet eine Schablone der Vermittlung: er ist Hund und zugleich eine Art menschlicher Ansprechpartner.
In diesem Buch sind Liebesgeschichten immer prototypisch und lassen sich nicht reduzieren auf einzelne.
Am Ende klärt sich einiges und Mandelkern besinnt sich auf sich selber und seine eigenen Perspektiven.
Pletzinger hat mit seinem Debütroman mehrere ungewöhnlich fein beobachtete Liebesgeschichten zu Papier gebracht.
Der Stil seiner Erzählung, in der er Orte, Handlungen und Lebensentwürfe immer wieder abwandelt, nimmt den Leser tief hinein in sein Phantasiegebilde.
New York mit dem 9/11 wird nicht ausgelassen.
Die Frage nach der eigenen Identität stellt sich Mandelkern wie nebenbei. Mit Fleiß, Nachdenken und Reflexion ist Pletzinger einer Antwort auf diese Frage nahe gekommen. Sein gelungenes Romandebüt zeigt das Ergebnis.
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21 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Was für ein rasanter, packender Roman!, 10. Juli 2008
Die vielen positiven Kritiken haben ednlich mal wieder Recht. Mit "Bestattung eines Hundes" ist dem Autor ein kleines Meisterwerk gelungen - spannend, drastisch, weise und wahr von der ersten bis zur letzten Seite! Die Charaktere der Protagonisten sind toll gezeichnet, die Reflektionen, Beobachtungen und Erkenntnisse berühren, man bekommt reichlich Stoff zum Nachdenken.
Zugegeben, teilweise wirkt der Plot etwas "überfrachtet", es steckt viel Inhalt in der Story. Es ist kaum zu glauben, dass so viel Liebe und Tod, Action und Poesie, Spannung und Interessantes zwischen zwei Buchdeckel passt. Passt aber, dieses Buch ist ein Lesevergnügen von der ersten Seite an.
Fazit: Unbedingt lesen, das Buch sollte auf jeden Fall noch in Ihr Urlaubsgepäck!
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7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
*, 18. April 2008
Bestattung eines Hundes ist endlich mal ein Roman von heute mit Kopf und Herz.
Der Journalist, Daniel Mandelkern, fährt im Auftrag seiner Frau und Chefin an den Luganer See, um ein Portrait über den geheimnisvollen und erfolgreichen Kinderbuchautor Svensson zu machen. Mandelkern, der seine Dissertation in Ethnologie abgebrochen hat, zweifelt an seiner Arbeit und an seiner Ehe. Während des Aufenthalts in Svenssons Haus findet er dessen unfertige Autobiographie. Mandelkern erkennt beim Lesen einen Teil von sich selbst in Svensson wieder, und versteht durch das Schreiben über sich und seine Zeit dort, was er zu tun hat.
Das Erkennen beim Lesen und Schreiben spiegelt sich auch im Aufbau des Romans wieder: Mandelkerns Aufzeichnungen sind chronologisch geordnet man sieht ihm als Leser beim Beobachten, Erinnern, Ordnen und Reflektieren zu , dazwischen stehen die Geschichten Svenssons, aus denen der sonst verschwiegene, mysteriöse Gastgeber hervortritt, und die Mandelkern in seine Reflexionen einbezieht. (Einen Teil des Aufbaus habe ich verschwiegen, sonst wäre zu viel verraten.)
Die Zögerlichkeit in Mandelkerns Tonfall wandelt sich über den Roman hinweg in Entschlossenheit. Gegenwart und Vergangenheit werden miteinander verflochten, bis ein Bild aus ihnen entsteht, von dem sich Mandelkern lossagen kann. Pletzinger zeigt schonungslos diesen labberigen Journalisten und gescheiterten Akademiker und stellt gleichzeitig nachvollziehbar und mühelos seine Verwandlung dar. 3 Sterne dafür.
In Svenssons Geschichten gelingt es ihm in einem ganz anderen Ton, der schneller, rhythmischer und komischer ist als der Mandelkerns, auf dieselbe unverstellte, offene Art vom 11. September oder der Arbeit mit Favela-Bewohnern in Brasilien zu erzählen. Er hält sich dabei immer an die Wahrnehmung seiner Figuren und versucht nicht das große Ganze mit großen Worten zu bannen. Auch dafür 3 Sterne.
Das ist jetzt ein Stern zu viel. Deshalb steht der 6te in der Überschrift.
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