"I'm draggin the audience to hell with me!"
(Jerry Lee Lewis)
Nach seinem Rauswurf aus dem Priester-Kolleg, landete der Sänger und virtuose Pianist beim Plattenlabel Sun in Mephis/Tennesee mit der braven Nummer "Crazy Arms" einen lokalen Hit. Als er jedoch am 29. Juli 1957 mit seiner Version des von Roy Hall geschriebenen Countrysongs "Whole Lotta Shakin - Goin On" in der landesweit ausgestrahlten Steve Allen Show eine noch nie da gewesene Performance hinlegte, bei der er eine Metamorphose vom Countrysänger zum Rock'n'Roller vollführte, war er über Nacht zum Star geworden. Zu Beginn noch verhalten am Flügel sitzend, kickte er bald den Hocker nach hinten weg, schrie anzügliche Lyrics ins Mikrofon und tracktierte die Tastatur mit Händen und Füssen gleichermaßen. Fortan sollte dies dem 22jährigen den Nimbus des "Wild One" verleihen, der bei seinen Live-Konzerten das Auditorium regelmäßig in ein Purgatorium verwandelte, das mitunter in auch der Inbrandsetzung seines Klaviers (z. B. in der "Allen Freed's Big Beat Show", um dem nach ihm auftretenden Chuck Berry die Show zu stehlen) gipfeln konnte....
Als Elvis Presley 1958 seinen Militärdienst antritt, ist für den mittlerweile zum "Killer" avancierten Lewis die Krone des R'n'R zum Greifen nahe. Doch die Hochzeit mit seiner 13jährigen Cousine zweiten Grades, eine abgebrochene Englandtour, und erste Abstürze mit Tabletten und Alkohol bringen den Karriereknick. Die Medien titulieren ihn als Bigamisten und "Kinderräuber", seine Platten werden aus den Radioprogrammen genommen, so dass ihm nichts anderes übrig bleibt, als durch kleine Clubs zu tingeln.....
Auf der 50 Jahre nach "Crazy Arms" im Februar 2006 veröffentlichten AudioCD "The Best of the Sun Years" finden sich neben den vier größten Hits ("Whole Lotta Shakin' Goin' On", "Great Balls Of Fire", "High School Confidential" und "Breathless") 16 weitere starke Tracks des wildesten Pianisten aller Zeiten. Hierzu gehören das von ihm arrangierte Traditional "End of the Road" und mit "Lewis Boogie" sein persönliches Intro. Ebenso sind die Klassikern anderer Country-, R'n'B- und R'n'R-Musiker zu nennen, wie "What'd I Say" (Ray Charles), "Down The Line" (Roy Orbison), "You win again" (Hank Williams), "Sweet Little Sixteen" (Chuck Berry), denen er mit seinen Tastenhammerversionen einen völlig neuen Drive verleiht.
Die AudioCD bietet 48 emotional fesselnde Minuten mit dem im Jahre 1986 in die R'n'R Hall of Fame aufgenommen 71Jährigen, der noch heute auf seinen regelmäßigen Tourneen, eindrucksvoll vorführt, welche Töne er dem Piano entlocken kann und dessen Gesang sich durchaus mit dem des sogenannten King messen kann. Sehr empfehlenswert für alle Fans des Piano-R'n'R, und solchen die es werden wollen. 5 Amazonsterne.