WENN es schon eine Best-Of sein muss (die sich ein "richtiger" Fan in diesem Fall absolut sparen kann, da nicht ein einziger Song darauf enthalten ist, der nicht auf den regulären Alben zu finden ist), dann sollte es für eine Band wie Fear Factory durchaus ein 100-PROZENTIG durchdachtes Release sein. Und das ist diese CD keineswegs.
Beginnend mit dem Cover. Kennt irgendwer von euch dieses Poster bzw. Shirt "The History Of Fear Factory", wo alle 4 Versionen des FF-Logos (bis "Digimortal") nebeneinander stehen? SO ETWAS hätte es für das Cover getan! Wenn ich diese CD irgendwo im Laden gefunden hätte, hätte ich sie definitiv als inoffizielle Best-Of angesehen und somit nicht einmal gekauft!
Weiter gehts mit der Auswahl der Tracks. Dass es sich um magere 12 Tracks handelt, lässt einem Fan die Haare zu Berge stehen! Aber sicher doch! Da ist also eine Band, die eine ganze Stilrichtung geprägt, wenn nicht gar (mit-)gegründet hat, und da fassen wir deren 14-jährige Karriere doch einfach mal mit ZWÖLF mickrigen Tracks zusammen... da kann man nur resigniert den Kopf schütteln. Eine Doppel-CD wäre echt nicht zuviel verlangt gewesen.
Die ersten drei Tracks sind vom Debütalbum "Soul Of A New Machine" entnommen: "Martyr", "Scapegoat" und "Scumgrief". Meiner Meinung nach eine relativ gut getroffene Wahl, aber darüber lässt sich streiten.
Auch die darauf folgenden vier Tracks, die dem zweiten (revolutionären!) Album "Demanufacture" entnommen sind, sind eine gute Auswahl: "Demanufacture", "Self Bias Resistor", "Zero Signal" und das obergeniale "Replica". Dennoch würde ich jemandem, der Fear Factory nicht kennt, auch definitiv den Song "H-K (Hunter-Killer)" mit dazupacken! Ohne den ist man, was Fear Factory angeht, schlichtweg unwissend!
Anschließend gibt es noch 4 Songs aus dem (Konzept-)Album "Obsolete", und das sind: "Shock", "Edgecrusher", "Resurrection" und der Bonustrack "Cars" als Remix. Auch eine gute Auswahl. Aber wo um Himmels Willen ist "Descent"?? Ich möchte den Song durchaus als (entschuldigt den Ausdruck) Hitsingle betiteln! Und ohne "Securitron (Police State 2000)" wird wohl niemand so recht nachvollziehen können, was für eine einzigartige Atmosphäre die "Obsolete"-Konzept-Story verbreitet!
Dass von "Digimortal", dem von Fans ziemlich umstrittenen Werk (viele halten es für sehr kommerziell), lediglich EIN EINZIGER Track enthalten ist, ist einfach nur lächerlich! Dass es sich hierbei um "Linchpin" handelt, brauche ich glaube ich garnicht mehr erwähnen. Kein "Invisible Wounds (Dark Bodies)", obwohl es eine der genialsten Halbballaden ist, die es gibt! Kein "Digimortal", trotz des ohrwurmigen Charakters dieses Songs und leider leider leider auch kein "(Memory Imprints) Never End", welches die Spanne der "Digimortal"-Songs perfekt abgeschlossen hätte. Na, vielen Dank!
Doch der größte Patzer, den sich Fear Factory hier erlauben, ist definitiv der, dass sie KEINEN EINZIGEN Song von ihrem (von der Presse oft als "großes Comeback"-Album angepriesenen) Album "Archetype" verwenden! Zumindest "Slave Labor" und "Cyberwaste" hätten drauf geMUSST!! Ganz zu schweigen vom Titeltrack "Archetype", auch weil er lyrisch davon handelt, dass die Jungs wieder da sind und zwar besser denn je. Einfach nur albern, ehrlich!
Da "Transgression" mehr als nur einen derben Rückschritt darstellte, ist es nicht GANZ so schlimm, dass diese Best-Of keinen der Tracks enthält, schließlich heißt es ja "BEST"-Of. Allerdings hätte man zumindest dessen Opener "540000 Degrees Fahrenheit" mit draufpacken können, der Komplettheit Willen - UND weil der Song im Endeffekt ein ziemlicher Ohrwurm ist.
Um diesen Roman einer Rezension zusammenzufassen: was ein Orkan hätte werden können, stellte sich als ein Husten heraus. Was ein Denkmal hätte werden können, wurde zu einem irrelevanten Stück Plastik. Wieder einmal eine Best-Of, die niemand wirklich braucht. Einfach schade.