"Nobody plays Dylan like Dylan" - so bewarb vor vielen Jahren eine Plattenhülle ihren Inhalt. Spätestens nach dem Hören der hier zu besprechenden CD weiß man es besser: Nobody plays Dylan like the Byrds...
Die Byrds, die 1965 mit ihrer ersten Single, einer Coverversion von "Mr. Tambourine Man", gleich einen Nummer Eins-Hit landeten, zählen zu den ganz großen amerikanischen Rockmusikern der sechziger Jahre wie die Doors, Jimi Hendrix, Jefferson Airplane oder eben Bob Dylan. Ihr elektrifizierter Folkrock - mehrstimmige Vokalharmonien, unterlegt von dem glockenähnlichen Klang von Roger McGuinns zwölfsaitiger Rickenbackergitarre - wirkte stilbildend auch auf andere Künstler der Westküste wie z.B. Buffalo Springfield, Crosby, Stills, Nash & Young (mit Ex-Byrd David Crosby), The Eagles oder Jackson Browne. Während "Mr. Tambourine Man" mit seinem berühmten Rickenbacker-Intro die Ära des Folkrock einleitete, wandten sich die Byrds nach ständigen Personalwechseln, bei denen McGuinn die einzige Konstante blieb, Ende der sechziger Jahre verstärkt Country- und Bluegrassklängen zu.
Obwohl sie mit Eigenkompositionen wie "I'll Feel A Whole Lot Better" - inzwischen auch ein Tom-Petty-Standard -, "5D (Fifth Dimension)", dem drogengeschwängerten "Eight Miles High", der UFO-Gläubigkeitsveralberung "Mr. Spaceman" oder dem - in "DSDS"-Zeiten aktueller denn je - sarkastischen Seitenhieb auf Retortenmusiker namens "So You Want To Be A Rock'N' Roll Star" schon frühzeitig ihr Songschreibertalent eindrucksvoll unter Beweis stellten, wurden sie mindestens ebenso für ihre stilsicheren und eigenständigen Interpretationen der Lieder anderer Autoren gerühmt. Ihre Version von Pete Seegers "Turn! Turn! Turn! (To Everything There Is A Season)" bescherte den Byrds ihren zweiten Nummer Eins-Hit; "Goin' Back" und das durch den Film "Easy Rider" berühmt gewordene "Wasn't Born To Follow" stammen aus der Feder von Carole King und ihrem damaligen Ehemann Gary Goffin und zählen zum Besten, was sie jemals eingespielt haben.
Beständiger Begleiter in sämtlichen Phasen ihrer Bandgeschichte, ob Folkrock ("Chimes Of Freedom", "The Times They Are A-Changin'") oder Country ("You Ain't Goin' Nowhere"), waren jedoch Titel von Bob Dylan, die sie gewöhnlich um Klasssen besser darboten als der Meister selbst. Mein persönlicher Favorit ist dabei "My Back Pages", Dylans Abgesang auf seine Jahre als Protestler. Der mehrstimmig vorgetragene Refrain ("Ah but I was so much older then/ I'm younger than that now...") sowie McGuinns Rickenbackersolo sorgen für Gänsehaut pur.
"The Very Best Of" ist ein sehr geschmacksicher zusammengestellter Sampler mit hervorragendem Klangbild, der sein Geld doppelt und dreifach wert ist. Ich hätte zwar eher "Just A Season", "Bugler" oder die beiden wunderbar melancholischen Stücke "She Has A Way" und "She Don't Care About Time" aus der Feder des viel zu früh verstorbenen Gene Clarke an Stelle des musikalisch wie textlich banalen "Jesus Is A Just Alright" ausgewählt, aber dafür demonstriert Letzteres besonders eindrucksvoll, dass sich die Byrds 1973 nicht zuletzt aufgrund schwindender Kreativität aufgelöst haben.
Mit der Musik der Byrds verhält es sich so: Wer sie entdeckt, wird sie für immer lieben. Und diese Platte ist ein idealer Einstieg dafür!