Dieser zweite Band fasst gerade zu Beginn die wichtigsten Förder- und Therapiemassnahmen bei einer Lese-Rechtschreib-Störung (LRS) zusammen. Anschliessend wird belegt, dass intensives Training defizitär arbeitende Hirnareale neurobiologisch verändern kann. Es wird betont, dass immer direkt an den gestörten Leistungsbereichen gearbeitet werden muss. Fördermassnahmen, die nicht direkt an der Sprache oder am Lesen und Schreiben ansetzen, konnten nämlich bislang ihre Wirksamkeit nicht nachweisen. Schnelle Besserung versprechende Alternativmethoden wie Kinesiologie, sensorische Integration oder Hörtraining nach Tomatis werden zwar besprochen, aber als fragwürdig eingestuft.
Um eine LRS vorzubeugen und das sprachliche Arbeitsgedächtnis zu verbessern, wird vor allem eine Förderung der phonologischen Bewusstheit empfohlen. Eltern erhalten viele Hinweise, wie mit Vorlesen, Gedichten, Abzählversen, Zungenbrechern und Sprachspielen spätere Lernstörungen vermieden werden können. Für den Kindergartenbereich werden verschiedene Programme dazu vorgestellt.
Im Zentrum des Buches stehen die Hilfen für das sprachschwache Kind. Es wird betont, dass es nicht genügt, nur die Rechtschreibung zu fördern oder etwa zum „Lernen mit allen Sinnen“ aufzumuntern, was eher überfordert. Was die Schule bei LRS bieten kann, reicht von einer angepassten Didaktik, wo der visuelle Kanal bevorzugt wird, bis zur angepassten Leistungsüberprüfung und Notengebung. Für Eltern gibt es viele Tipps zur Leistungsmotivation, günstigen Lernstrategien oder wie die Hausaufgabensituation zu gestalten ist.
Basierend auf Forschungs- und Erfahrungswissen werden den Therapeuten die grundlegenden Therapiestrategien und praxiserprobtes Therapiematerial vorgestellt, einschliesslich PC-Programme, die motivierender sind als traditionelle Papier-Bleistift-Materialien. Mit den zahlreichen vorgestellten Übungen lassen sich das sprachliche Arbeitsgedächtnis, die auditive Wahrnehmung, das phonologische Bewusstsein, die Sprachwahrnehmung und –verarbeitung, das Textverständnis und sogar das Fremdsprachenlernen trainieren.
Ohne falschen Optimismus wird immer wieder unterstrichen, dass nur jahrelanges tägliches Üben an legastheniespezifischen Themen zu Verbesserungen führt. Mit verhaltenstherapeutischen Strategien kann die Motivation aber aufrechterhalten werden. Alles in allem, manchmal etwas redundant und wenig gebündelt, bietet das
Buch eine Fülle von Richtlinien, lernpsychologischen Tipps, Förderhinweisen und ist eine Fundgrube für Praxismaterialien und Therapieprogramme.