Erstaunlich und beinahe unfassbar, dass dieses Thema vor Ise Bosch von niemandem bearbeitet wurde. Zumindest nicht so systematisch wie in diesem Buch. Lange Zeit intensiv in der Fundraiser-Szene tätig, nahm ich auch an etlichen Kongressen teil, ohne dass die Spenderseite jemals zu Wort kam. Sagt ja auch einiges über die Szene selbst aus. Und gerade weil sich im Sozial- und Weltverbesserungsbereich so viele, harmlos gesagt merkwürdige Gestalten aufhalten, braucht es dieses Buch. Denn große Beträge bleiben in der Schatulle, weil die Geber nicht wissen, wem und wie sie helfen sollen. Ise Bosch hat nur endlich den Leitfaden verfasst, der künftig der Maßstab für weitere Publikationen sein wird. Inhaltliche Erweiterungen sehe ich vor allem bei länderspezifischen Themen, auch wenn Ise Bosch sich bemüht, den Lesern außerhalb Deutschlands wenigsten mit Internetadressen spezifische Informationen zu vermitteln.
Die Autorin hat geerbt. Dafür kann sie so wenig wie diejenigen, die nichts erben. Aber sie kann mit ihrem Geld einen kleinen Beitrag für eine bessere Welt leisten, was offensichtlich auch ihr Ziel ist. Und sie geht richtigerweise davon aus, dass Spenden ein Job ist, der letztlich den gleichen Regeln unterliegt wie andere Jobs auch, die man gut erledigen will. Warum mache ich das? Was ist mir wichtig? Welche Vision verfolge ich? Wofür soll ich mich einsetzen? Wie hoch soll mein Einsatz sein? Welche Strategie ist die beste? Wie plane ich die Arbeit? Welche Unterstützungen gibt es? Worauf muss ich besonders achten? Alles Fragen, deren kluge Beantwortungen die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg erhöhen. Und weil viele Menschen nach Checklisten, Vorlagen und Arbeitsmittel dürsten, entwirft Ise Bosch Hilfsmittel, die man für systematischeres Spenden verwenden kann. Ise Bosch hat einen wohltuenden, klaren Stil. Verwirrend fand ich nur, dass der Beck Verlag die gleiche Agentur mit der Gestaltung des Covers beauftragte wie der Du Mont Verlag. Daher dachte ich im ersten Moment, ich hätte schon wieder ein Buch von James Buchan in der Hand. Zumal der englische Autor ebenfalls ein Buch über Geldangelegenheiten verfasste. "Unsere gefrorenen Begierden. Was das Geld will", ein Titel, den ich ebenfalls gerne weiterempfehle.
Mein Fazit: Wird dieses Buch richtig vermarktet, kann es zum Bestseller werden. Denn lesen sollten es nicht nur alle Spender, sondern auch alle Fundraiser und Geldempfänger. Je besser man weiss, was der Partner erwartet, desto besser kann man auf ihn eingehen.