Für mich ist die "HarmoniLogie" die praktische Umsetzung dessen, was Suzanne Clothier in ihrem Buch
Es würde Knochen vom Himmel regnen: Würde das Gebet eines Hundes erhört... Über die Vertiefung unserer Beziehung zu Hunden eindrucksvoll, aber leider ohne Anleitung zur Nachahmung beschreibt. Anne Krüger gibt dem Satz Clothiers "Wir verbringen viel Zeit damit, einfach über die Länge der Leine an den Hund gebunden durch das Leben zu gehen, statt miteinander verbunden durch unsere Aufmerksamkeit" bemerkenswert praktische Inhalte.
Für alle, die in der Hundeerziehung orientierungslos zwischen den Methoden gestanden haben/stehen, ist diese Methode der goldene Mittelweg, die natürlichste Art überhaupt, seinen Hund zu erziehen. Sie verläuft gewaltfrei, weil sie die Kraft des Hundes nicht überwindet, und sie setzt auf direkte, ganz natürliche Kommunikation mit dem Hund, statt auf Konditionierung mit Spielzeug oder Leckerlis.
An dem Problem, dass mein Hund scheinbar grundlos manchmal in die Leine biss und anfing, zu knurren, zu bellen und nach mir zu schnappen, scheiterten alle Methoden, die ich bisher kennen gelernt hatte. Mein "Leinenstraffen" machte ihn noch aggressiver, das "tadelnde Ignorieren" interpretierte er offenbar als Bestätigung seines Verhaltens. Mit der "HarmoniLogie" habe ich meine Hilflosigkeit überwunden, indem ich ihm gewaltfrei zu verstehen geben konnte, dass ich dieses Verhalten nicht dulde. Mit Kommunikation kann man eben auch sagen, was nicht erlaubt ist. Dazu demonstriert man Gewaltbereitschaft, ohne gewalttätig zu werden. Allerdings sollte sich jeder, der demnächst mit Gerte spazieren geht, vorher die Seiten 135/136 kopieren, um argumentativ gerüstet zu sein für verbale Angriffe Fremder, die meist davon ausgehen, man schlage mit der Gerte den Hund.
Die "HarmoniLogie" erarbeitet als zentralen Bestandteil, dass der Hund dem Menschen zuhört und umgekehrt der Mensch die Signale des Hundes versteht. Auf dieser Basis entsteht ein Dialog, der alles weitere möglich macht und dem Hund die größtmögliche Freiheit bietet. Der Verzicht auf Gewalt und Krafteinsatz einerseits und auf Hilfsmittel, wie Leckerlis/Spielzeug andererseits öffnet die Tür zu einer innigen Beziehung zwischen Hund und Mensch, die emotional zutiefst anrührt.
Sehr interessant ist das Kapitel "Eine Beziehung wie keine", in dem uns Anne Krüger unsere Verantwortung dem Gesamtgebilde Natur gegenüber überaus unbequem bewusst macht. Wo viele Hundehalter zwischen Scheuklappen allein die Beziehung zum eigenen Haustier sehen, lesen wir immer öfter in der Zeitung, dass Schafe auf Straßen gehetzt, Schwäne und Rehe tot gebissen oder Kinder verletzt oder gar getötet werden.
Problematisch finde ich die praktische Umsetzung ihrer durchaus einleuchtenden Forderung, Welpen bis zu einem Alter von 4 bis 5 Monaten noch im Welpenverband zu belassen. Die Realität sieht leider noch anders aus. Schwierig ist es auch, die HarmoniLogie" in der gesamten Familie, in der der Hund lebt, umzusetzen, wenn die Hälfte der Familienmitglieder einer älteren Generation angehören und sich keineswegs bereit zeigen, sich mit dem neumodischen Zeugs" zu beschäftigen.
In dem praktischen Teil "das 1 x 1 der Hundeerziehung" stehen ausgerechnet die Anleitungen zur Achtsamkeit und zur Leinenführigkeit nicht an exponierter Stelle. Die einzelnen Schritte findet man verteilt auf verschiedene Kapitel. Gerade hier könnte die Autorin aber jeweils besser am Ampelprinzip entlangführen. So bleibt zum Beispiel unklar, was beim Üben der Leinenführigkeit nach einer Rotphase kommt; ein Herkommen unterbricht ja jedes Mal das Weitergehen. Außerdem sind die Schritte zur Leinenführigkeit und zum Herkommen nicht klar voneinander getrennt. Schwierig ist auch die Einordnung, wann ein Arrêt anzuwenden ist. Außerdem sind die Fragen offen geblieben: Das für den Hund bedrohliche Vorbeugen des Oberkörpers ist zum Abstreichen notwendig. Wie bringe ich beides unter einen Hut? Wie reagiere ich, wenn der Hund beim Abstreichen nicht sitzen bleibt, also sich hinlegt oder aufsteht?
Fazit: Die "HarmoniLogie" verdient es in jedem Fall, dass man sich dieses Buch als verantwortungsvoller Hundebesitzer kauft, um sich mit dieser Methode und den Ansichten von Anne Krüger auseinander zu setzen. Dazu ist es nötig, das Buch auch mehrmals zu lesen bzw. das ein oder andere noch einmal nachzuschlagen. Die Methode liefert ein Konzept für alle Lebenslagen des Mensch-Hund-Teams, und zwar ohne Hilfsmittel, die man als Halter ja oft auch koordinativ gar nicht händeln kann. Obwohl die Methode intuitiv einfach ist, ersetzt das Buch keinesfalls die Teilnahme an einem von Anne Krüger angebotenen Wochenendseminaren. Erst dort lernt man zusammen mit dem Hund und unter kompetenter individueller Anleitung die Basics, wie sich die Aufmerksamkeit des Hundes Schritt für Schritt herstellen lässt.