Kleiner, dicker schwarzer Käfer, der zwar nicht so aussieht, aber trotzdem fliegen kann,...so oder ähnlich die Bedeutung des Namens - BESOURO...
Anders, als die anderen Kritiker interessiert mich nicht die 3D Version, oder dessen Konvertierung (so verstehe ich auch nicht die 1 Punkte BlueRay3D Bewertung, die in die DVD Version einfließt..Amazon?), sonder das "Gesamtkunstwerk" der Capoeira-Hommage:
Zur Story: Ende des 19ten Jahrhunderts sind in Brasilien die spanisch/portugisischen Besatzer tonangebend und die schwarze Bevölkerung wird als Sklaven und minderwertige "Hunde/Bastarde" gehalten um Bodenschätze oder wie hier Zuckerrohr zu erwirtschaften. Als Freizeitbeschäftigung und zur Steigerung des individuellen Selbstbewusstseins der Sklaven, wird die Kampfkunst Capoeira von den Sklaven erfunden, und als Tanz getarnt...BESOURO, das Ausnahmetalent prahlt lieber mit seiner Kampfkunst auf der Straße, als seiner eigentlichen Aufgabe nachzugehen, seinen alten Meister zu beschützen. Dieser wird bei einem Spaziergang von den Dorfsklaventreibern in einer Kneipe erschossen und Besouro kommt zu spät um ihn zu retten. Im Sterben prophezeit der Meister seinem Lieblingsschüler, dass nur Besouro sein Nachfolger sein kann, doch Besouro fühlt sich einfach noch nicht "reif" genug, die Sklaven in ihrem Kampf für mehr Freiheit- und der Akzeptanz ihrer "Tanzkultur"- anzuführen. So flieht er und trifft auf seinem Weg zur "Erleuchtung" 7 Götter, die ihm den richtigen Weg für seine "höhere Aufgabe" weisen...
Zwar wird dem geübten Martial Arts Fan kein Wing Tsung wie bei IP-Man oder Muai Thai wie bei Ong-Bak geboten, doch die südamerikanische Kampfform steht in Sachen Ästhetik und Akrobatik den fernöstlichen Verwandten in nichts nach, ist aus meiner Sicht sogar manchmal noch beeindruckender anzusehen, weil das aggresive Potential bei den "Kämpfen" eher spielerisch als plump umgesetzt wird...
Anders als bei den oben erwähnten M-A-Highlights der letzten Jahre, besticht Besouro vor allem durch seine mythischen Storyelementen. Die Begegnung mit den Naturgöttern, und auch die "Wesenswanderung" denen der Zuschauer im Film folgt, sind durch rassante, bis dahin in diesem Genre noch nie so gesehene Kamerafahrten fast optimal umgesetzt. Sei es die Frosch-, oder Besouro-Käfer "-Eye-View" - aus meiner Sicht ein absoluter Augenschmaus - wie der gesamte Film. Zwar ist die Story fast schon typisch "dünn", doch oben geschildertes gleicht diesen Negativpunkt tanzend aus...
Summa Summarum: Der einzige Martial-Arts Film, der den schmalen Grad zwischen fazinierenden Kampfszenen und mystischen Storyelementen, ohne dass er ins lächerliche abdriftet, schafft. Somit eine klare Empfehlung an Cineasten, die mal mehr wie 0815 Kampfkunst sehen wollen und Arthous-Kino nicht abgeneigt sind. 8 von 10 fliegende Caipis