Die Gestaltung von Gärten ist schon immer auch eine Domäne von Frauen gewesen, in ihren grünen Reichen spiegeln sich ihre Persönlichkeit, ihre Geisteshaltung und ihre pflanzlichen Vorlieben wider. Die Planung einer Gartenanlage ist jedoch nicht nur eine historische Erscheinung, auch heute legen Frauen Gärten an. In dem Bildband "Besondere Frauen und ihre Gärten" stellt die Journalistin Eva Kohlrusch zeitgenössische Frauen und ihre Gartenprojekte vor.
In dem Vorwort, das in Anspielung auf einen Essay von Virginia Woolf "Einen Garten für sich allein" tituliert ist, spannt Autorin Eva Kohlrusch einen rasanten, kulturgeschichtlichen Bogen der weiblichen Gartenkunst von der Vertreibung aus dem Paradies bis zur Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Schwerpunkt des Textes liegt dabei auf der fortlaufenden Unterdrückung der Frau auch im Bereich der Gartenkultur. Das Fazit des kruden Textes ist, dass Frauen immer schon Gärten gestaltet haben, dafür aber nie so richtig Anerkennung ernten konnten.
Das reich bebilderte Gartenbuch "Besondere Frauen und ihre Gärten" enthält 23 Kapitel, die jeweils einer Frau und ihrem Garten gewidmet sind. Jedem Kapitel ist eine große Fotografie aus dem Garten und ein Porträt vorangestellt. Das Porträt zeigt die jeweilige Gärtnerin in ihrem Garten, eine Bildunterschrift nennt Namen und kurze Anmerkungen zur Person. Diese einfühlsamen Fotografien mit den informativen Unterschriften stellen die Frauen aufs sympathischste vor, so dass der Leser auch auf Damen, die er nicht kennt, sofort neugierig wird.
Vorgestellt werden unter anderem Schriftstellerinnen (Charlotte Link, Ulla Hahn), Journalistinnen (Patricia Riekel und die Autorin selbst), Prominente (Ruth Maria Kubitschek, Loki Schmidt, Carolin Reiber) sowie weniger bekannte Lehrerinnen, eine Köchin und Nachfahren adeliger Familien. Jedes Kapitel enthält eine Doppelseite Text, in dem die Gärtnerin von der Entstehung ihres grünen Reiches erzählt, darstellt, wie sich ihre Persönlichkeit in ihrem Garten spiegelt, oder was ihr die Arbeit zwischen Büschen, Blumen und Unkraut bedeutet. Der Leser lernt so die vorgestellte Frau näher kennen, findet aber auch interessante, amüsante oder tief schürfende Gedanken zum Leben mit und in einem Garten.
Die Porträtsammlung "Besondere Frauen und ihre Gärten" ist eine Liebeserklärung an die sehr persönliche Gartenkunst der vorgestellten Damen. Zum Abschluss jeden Kapitels nennt die jeweilige Gärtnerin ihre Lieblingspflanzen und berichtet von persönlichen Garten- und Pflanzerfahrungen. Warum Eva Kohlrusch diese Erfahrungen in umständlichen Nebensätzen statt in klaren Hauptsätzen wiedergibt, bleibt jedoch unklar.
Der Bildband "Besondere Frauen und ihre Gärten" wird zum besonderen Vergnügen durch die vielen hervorragenden Farbfotografien von Gary Rogers. Dem Neuseeländer gelingt es nicht nur, wunderbare Porträts zu gestalten, auch seine Aufnahmen der Gärten sind einfühlsam und beeindruckend. Die teilweise blattgroßen Fotografien zeigen Großaufnahmen der Gartenanlagen, aber auch kleine interessante Details, gewähren interessante Einblicke und öffnen sich zu wunderbaren Durchblicken. In den farbenfrohen und stimmungsvollen Bildern spiegelt sich die Begeisterung des Fotografen für die Gärten und ihre Gestalterinnen wider. Gary Rogers gelingt es, sowohl die Damen als auch ihre Gärten in ein zauberhaftes Licht zu rücken.
"Besondere Frauen und ihre Gärten" ist ein Buch voller Anregungen für Gartenliebhaber und ungewöhnlicher Porträts interessanter zeitgenössischer Gärtnerinnen!
(c) Maren Gierth von Literaturtipp.com