Diese Adaption des
Bestsellers von A.S. Byatt hat ein gewaltiges Aufgebot von namhaften Schauspielern zu bieten. Allen voran Jennifer Ehle ("
Stolz und Vorurteil") als Christabel La Motte und Jeremy Northam ("
The Winslow Boy") als Randolph Henry Ash, die das heimliche Dichterliebespaar aus dem 19. Jahrhundert mimen und Gwyneth Paltrow ("
Emma") als Literaturwissenschaftlerin Maude Bailey und Aaron Eckhart ("
Rezept zum Verlieben") als Ash-Experte, die dem Geheimnis eben dieser bisher unentdeckten Affäre auf der Spur sind. Zwischen Leidenschaft und Vernunft wird die unstillbare Sehnsucht nach reinen Gefühlen und der Suche nach gemeinsamen Seelen offenbar. Die Verfilmung entwickelt dabei ihren ganz speziellen Zauber, auch wenn die literarischen Tiefen der Romanvorlage nicht vollends ausgeschöpft werden.
Die Literaturszene Londons feiert das 100jährige Jubiläum der Liebesgedichte des be-rühmten Lyriker, Randolph Henry Ash. Der eher unbedeutende, amerikanische Assistent von Professor Blackadder am Britschen Museum, Roland Michel, ist ein Experte für den Dichter. Sein neugieriges Interesse führt zu einer ungewöhnlichen Entdeckung in der London Libary, als er in einem Buch blättert, welches einst Ash gehörte. Er findet Briefentwürfe, die mit der flüssigen Schrift des Dichters geschrieben wurden und offensichtlich an eine Dame gerichtet sind. Eine Dame, die Ash kurz vor seinen Schreiben bei einer Teegesellschaft kennengelernt hatte. Wer könnte die Fremde sein, die den Lyriker so faszinierte und mit der er sich auf so wunderbare Weise über seine Ansichten austauschen konnte?
Verbotenerweise behält Roland die gefundenen Entwürfe, die er wenig später seinem Vermieter und Rechtsanwalt Euan (Tom Hollander "
Ein gutes Jahr") zeigt. Auch dieser ist von der Brisanz des Fundes überzeugt. Roland beschließt auf eigene Faust, Recherchen zu betreiben. Allerdings stößt er hier bald an seine Grenzen. Daher holt er sich einen Tipp bei seinem ehemaligen Studienkollegen, Fergus Wolff (wieder einmal umwerfend gutaussehend, Toby Stephens "
Charlotte Brontes "Jane Eyre" ), der den begehrten Forschungsposten bekommen hat, den auch Roland gerne gehabt hätte. Fergus verweist Roland an Maude Bailey in Lincoln, warnt ihn aber gleichzeitig vor der Männerfeindlichkeit der Dichterexpertin. Tatsächlich begegnet ihm Maude mehr als skeptisch, vor allem da sie überzeugt ist, dass Ash und LaMotte überhaupt nicht zusammen passten. LaMotte war ihrer Ansicht nach eine selbstbewusste Frau, die sich ein Leben mit ihrer Gefährtin, Blanche Glover (Lena Headey) erwählt hatte. Von dem unerschrockenen Eifer Rolands gerührt, wird sie jedoch neugierig und führt den Amerikaner sogar in das Haus, in dem LaMotte einst lebte. Ein Gedicht von LaMotte bringt Maude auf die Fährte eines Geheimverstecks. Roland und Maude sind völlig aus dem Häuschen als sie ein Fach mit alten Briefen von Ash und LaMotte aus dem Jahre 1859 finden. Was geschah in diesem Jahr wirklich? Und wie wird dieser Fund ihr Leben beeinflussen?
Die Handlung des Films wechselt von der Gegenwart immer wieder in die Vergangenheit. Doch der Wechsel ist fließend und sehr harmonisch. Der Zuschauer beobachtet zum Beispiel, wie sich Ash und LaMotte in ihrem Liebesnest umsehen und im nächsten Moment werden Roland und Maude von der Pensionswirtin in eben dieses Zimmer geführt. Dadurch wird die spannende Entdeckungsreise des Paares in der Gegenwart auf faszinierende Art und Weise mit der Vergangenheit verbunden. Die Aufnahmen der Landschaft um Yorkshire sind wunderschön und man kann sich gut vorstellen, dass die Gedanken und die Phantasie der Dichter regelrecht beflügelt wurden.
Der Briefwechsel zwischen den Dichtern des 19. Jahrhunderts, der einige Mythologien ziemlich komplex behandelt, wurde hier ziemlich vereinfacht dargestellt. Wer mehr über den Austausch der Geschlechter über die theologisch oder sexualpsychologischen Aspekte gewisser Mythologien erfahren möchte, wie ihn die Schriftstellerin Byatt beschrieben hat, erfahren möchte, kann natürlich auf das Lesen des Romans als Ergänzung zu diesem Thema nicht verzichten. Für andere, die mit dieser Materie an sich nicht so viel anfangen können, wird diese Vereinfachung im Film eher positiv auffallen.
Wer sich durch das Cover oder auch das Hauptmenü der DVD ein rauschendes Fest körperlicher Leidenschaften vorgestellt hat, wird überrascht sein. Die leidenschaftlichen Aspekte sind sehr dezent und die Betrachtungen über die Liebe sind meist nur akademischer bzw. theoretischer Natur. Das die Beziehungen der beiden Paare trotzdem sehr natürlich wirken, ist den gut gewählten Schauspielern zu verdanken. Man hat wirklich das Gefühl, dass hier die Chemie einfach stimmt. Hier hat das historische Paar eindeutig den schwierigeren Part, da es sich bei der Darstellung um eine komplizierte, verbotene Liebe handelt, die zudem noch von zwei sehr speziellen Charakteren geteilt wird. Jennifer Ehle bewirkt tatsächlich, dass die sperrige und manchmal sogar unsympathische Dichterin LaMotte, nicht nur das Mitgefühl der sensiblen Maude Bailey besitzt. Dies ist ihr wirklich hoch anzurechnen. Aaron Eckhardt macht mit seinen stets passenden und zum großen Teil sehr amüsanten Aussagen, über Vorurteile, Beziehungsprobleme oder Lebensansichten wirklich Laune. Eckhardt und Paltrow stellen die beziehungsscheuen Einzelgänger, deren Seelen sich in diesem außergewöhnlichen Abenteuer verbinden, sehr überzeugend dar. Es macht richtig Spaß die beiden Schauspielern bei ihrem sprachlichen Schlagabtausch zu beobachten und natürlich fühlt man auch die mit, wenn unausgesprochene Sehnsüchte offen zu tage treten.
Alle Buchliebhaber werden hoffentlich mit der Schlussszene des Filmes versöhnt werden, da sie genau dem Ende des Romans entspricht.
Fazit: Die Liebe war und ist zu allen Zeiten eine komplizierte Sache. Diesen Film jedoch kann man ohne unerwartete Nebenwirkungen genießen.