Der schwarze Peter, dem wir das gleichnamige Kartenspiel verdanken, und der Liedermacher Mannefriedrich waren zu ihrer Zeit bekannte Räuber. 1811 töteten sie bei einem Postkutschenüberfall nahe Hemsbach im Odenwald einen Schweizer Kaufmann, 1812 wurden sie mit anderen, darunter ihrem Hauptmann Hölzerlips, in Heidelberg mit dem Schwert hingerichtet. Der vielfach ausgezeichnete Autor Michail Krausnick (u. a. Deutscher Jugendliteraturpreis, Louise Zimmermann-Preis, Wildweibchenpreis) hat die Geschichte aus alten Berichten und Gerichtsprotokollen zusammengestellt und sehr spannend erzählt. Dabei wird auch die schwierige Situation eines großen Teils der Bevölkerung in der Napoleonischen Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts deutlich. »Gauner« und »herumschweifendes Gesindel« galten als rechtlos, für ihre Ergreifung waren Kopfprämien ausgesetzt und das betraf bis zu einem Drittel der Bevölkerung! Der Heidelberger Stadtdirektor Dr. Pfister nutzte den Hemsbacher Raub für eine Kampagne gegen das Fahrende Volk, der Prozess und die Hinrichtung wurden publizistisch weidlich ausgeschlachtet. Krausnick schildert die Hintergründe und auch die Beziehungen der Betroffenen ausführlich; die schwierigen Verhältnisse werden verständlich und durchaus ergreifend dargestellt, ohne dass der Autor auf die Tränendrüse drückt. Die Beschreibung des Raubes, seiner Aufklärung und der Ergreifung der Täter sind spannend wie ein Krimi.
Das Buch von Krausnick, erstmals 1978 bei Rowohlt und 2000 noch einmal bei Beltz und Gelberg als Taschenbuch erschienen, ist ein Bestseller und viele tausend Mal verkauft, gerne wird es auch in Schulen eingesetzt, und der Autor konnte auf der Basis der Geschichte u. a. ein Theaterstück und mehr als einen Fernsehfilm machen. Daher ist es erfreulich, dass das Buch nun wieder erhältlich ist: in der »Reihe Rhein-Neckar-Brücke« der Regionalgruppe Rhein-Neckar des VS (Verband deutscher Schriftsteller), schön gestaltet und erstmals gebunden. Der Autor nutzte die Gelegenheit, das schon vorher mit einem umfangreichen Anhang versehene Werk, in dem es u. a. ein Gaunerlexikon und ein Rotwelsch-Glossar gibt, um weitere Bilder, Stiche und vor allem die Lieder des Mannefriedrich zu ergänzen. Allen, die sich für das Leben der Menschen Anfang des 19. Jahrhunderts in Deutschland interessieren, für Sozialgeschichte. die Situation des Fahrenden Volkes und der armen Leute oder einfach auch nur für gute Räuberpistolen, kann ich dieses Buch empfehlen!