Das Leben von Berthold Beitz benötigt eigentlich mehr Raum als eine einzelne Biographie. Auch deshalb ist es beachtenswert, dass diese Biographie die wesentlichen Punkte sensibel herausarbeitet und eine hervorragende Lebensbeschreibung abbildet.
Joachim Käppner hat dieses Buch aus der Sicht eines Biographen mit geschichtswissenschaftlichem Hintergrund geschrieben. Sicherlich bewertet und sieht ein Volkswirt das Leben von Berthold Beitz anders als ein Historiker, ein Kruppianer anders als ein Banker der Deutschen Bank, aber Käppner versteht es den unterschiedlichen Blickwinkeln genügend Raum zu lassen. Dieses Leben eines mächtigen Industriemanagers ist so gelungen auf 668 Seiten dargestellt, das man einfach dem Werk Lob zollen muss.
Das Leben von Berthold Beitz beginnt natürlich früher als seine Tätigkeit während des 2.Weltkriegs im Generalgourvernement in Polen, aber damit nimmt sein Leben eine Dimension an, die sich heute nur noch erahnen lässt. Beitz Handeln, seine Menschlichkeit stellt Käppner dar, ohne dabei in eine Beitz Euphorie zu verfallen. Obwohl die Gefahr, darin zu verfallen, sicherlich gegeben ist, wenn man die Beschreibung dieses Lebensabschnittes von Berthold Beitz liest. Käppner verfällt darin nicht und das ist eine besondere Stärke eines guten Biographen.
Beitz Leben ist eines der Geschichte, das nahezu untrennbar mit dem Namen und dem Unternehmen Krupp und damit der deutschen Nachkriegsgeschichte verbunden ist. Es führt durch das deutsche Wirtschaftswunder, die neue Ostpolitik und die Stahlkrisen bis in die Geschichte der letzten Jahre. Und genau das stellt der promovierte Historiker Käppner sachlich und spannend dar. Begegnungen und Konflikte - wie mit dem einst mächtigsten Banker der Republik Hermann Josef Abs genauso wie mit Arndt von Bohlen und Hallbach. Über das bekannte Leben von Berthold Beitz hinaus gelingt es jedoch immer wieder, klar auf die Frage einzugehen, was diese Biographie interessant macht. Es ist die Person Beitz, sein Leben und seine Handlungen. Und es ist die Prägung eines Abschnitts der Geschichte.
Wenn es etwas gibt, was ich kritikwürdig finde, dann hätte ich mir von Beitz und Käppner eine noch stärkere Erklärung dafür gewünscht, wie Beitz aus den Verhandlungen aus der Nazi-Zeit geprägt wurde für kommende Entscheidungen in seinem Leben. Denn eine solche Biographie: Als Mensch zu handeln, wenn sich einem die hässliche Fratze einer der schlimmsten Diktaturen offenbart, hat sehr geprägt. Aber das ist mehr eine Randnotiz an einem sehr gelungenen Buch.
Wenn man diese Biographie liest, dann ärgert man sich Seite um Seite über die unwiderlegbare Tatsache, dass dieses Buch irgendwann zwangsläufig sein Ende finden muss. Joachim Käppner und Berthold Beitz ist ein Werk gelungen, das weit mehr ist als das Leben eines deutschen Stahl-Managers. Es ist die hervorragend gelungene Darstellung eines wichtigen Stücks deutscher Geschichte.
Ich kann mich nur dem letzten Absatz in Helmuts Schmidt Vorwort anschließen: Man verbeugt sich vor der Lebensleistung von Berthold Beitz und freut sich, dass Käppner diese Biographie vorgelegt hat.