Bertha von Suttner, heute den meisten nur noch dem Namen nach bekannt (evtl. auch noch von der österreichischen Zwei-Euro-Münze), war Anfang des 20. Jahrhunderts eine der weltweit bekanntesten Frauen - verdienstvoll, mutig, und deswegen entweder geliebt oder verleumdet.
Brigitte Hamann zeichnet hier B. v. Suttners mitunter recht abenteuerliches Leben nach, das alles andere als geradlinig verlaufen war: Die Jugend der Comtesse Kinsky im kaiserlichen Wien und der gesellschaftliche Abstieg der Familie, die Begegnung mit Alfred Nobel, den sie später zur Stiftung des Friedensnobelpreises anregen sollte, die Jahre im Kaukasus, das Eintreten für Frauenrechte und die Entwicklung zur weltberühmten Pazifistin, schließlich ihr unermüdliches Engagement für den Frieden, den sie, klarsichtig wie nur wenige andere ihrer Zeitgenossen, in großer Gefahr sah - sie war die erste Frau, der der Friedensnobelpreis verliehen wurde.
Brigitte Hamann wäre nicht Brigitte Hamann, wenn diese Biographie nicht weit über das hinausginge, was man gewöhnlich von Biographien erwartet: Sie geht ausführlich auf historische und gesellschaftliche Hintergründe ein, und viele der benutzten Quellen wurden erstmalig ausgewertet. Vermutlich sind Fakten, die nicht in diesem Buch enthalten sind, auch nicht der Rede wert...
Diese über 500 Seiten starke Biographie ist fesselnd geschrieben, unter Verwendung vieler einprägsamer Zitate. Gleichzeitig wahrt Hamann freundliche Distanz zu ihrem Thema und stellt Bertha von Suttner nicht als Heilige dar, sondern als eine engagierte Frau, die manchmal in den Widersprüchen ihrer Zeit gefangen war - die aber viel öfter diese Widersprüche, ja die ganze Epoche durchschaute.
Man wünscht der gegenwärtigen Weltpolitik viele Bertha von Suttners. Und diesem Buch viele, viele Leser.