Schuler zeigt einleuchtend und leicht nachvollziehbar die Gründung und den Aufbau der Bertelsmann Stiftung seit 1977, ihre Prinzipien und ihre frühe Nähe zu den Bundespräsidenten oder später zu den Bundeskanzlern. Reinhard Mohn wollte mit dieser Stiftung die Politik und damit das Land reformieren. Das heißt eindeutig, dass die Stiftung Einfluss nehmen will. Einfluss auf Personen, die Politik in Gesetze gießen. Ein schöner Nebeneffekt war, dass durch die Stiftung die Familie Mohn die Kontrolle über die Bertelsmann AG behalten konnte, ohne Erbschaftssteuern bezahlen zu müssen. So viel zum Gemeinnutz der Stiftung.
Thomas Schuler betont immer wieder den Widerspruch zwischen der angeblichen Gemeinnützigkeit und den vom Unternehmen Bertelsmann AG bestimmten Interessen. Sei es die Einflussnahme auf Mediengestaltung oder die vorbereitenden Arbeiten für die Arbeitsmarktreform, sei es die Hochschulreform oder die Versuche zur Privatisierung der öffentlichen Verwaltung. Immer wieder liefert die Stiftung die Studien, aus denen Bertelsmann Vorteile zu ziehen versucht. Schuler zeigt dabei die personellen Verflechtungen innerhalb der Stiftung(en) und der AG, die wichtigen Beziehungen zu Entscheidungsträgern, die permanente Vermengung von Interessen.
Der Erfolg und der Einfluss der Stiftung beruht auf persönlichen Beziehungen. Schuler nennt Namen, schildert Treffen, beleuchtet Projekte der Stiftung und deren Ergebnisse, zeigt anschaulich und leicht nachvollziehbar Abläufe und Einflussnahmen. Er kontrastiert Verlautbarungen der Stiftung mit der Wirklichkeit. Beständig weist er auf den Konflikt zwischen dem Sinn des Doppelstiftungsmodells und der vorgeblichen Gemeinnützigkeit der Bertelsmannstiftung sowie der gerade in letzter Zeit zunehmenden Macht von Liz Mohn hin. Dabei wirkt Schuler sehr überzeugend und integer.