Ein Glücksfall für das Radio war, dass den verantwortlichen Filmproduzenten Max Ophüls Inszenierungen zu teuer wurden. Trotz großer Erfolge mit den Schnitzler-Stoffen, "Liebelei" und "Der Reigen", wurde er nach dem wenig erfolgreichen, aber extrem teuren Werk "Lola Montez", in der Branche kritisch beäugt. Ophüls machte aus der Not eine Tugend und aus dem Filmprojekt ein Hörspiel, das einen Meilenstein der Hörspielgeschichte markiert.
Das Medium "Hörspiel", das bis dato mehr vom Schauspiel geprägt war, bekommt hier erstmals den Einfluss des Filmgenres. Die Inszenierung baut sich entsprechend auf und mixt einen breiten Erzählanteil mit Dialogen sowie Geräuschen und Musik.
Der Einfluss ist deshalb so groß, da die Geschichte mehr die innere Auseinandersetzung der Protagonistin beschreibt, denn mit tatsächlichen Interaktionen der Figuren untereinander aufwartet. Insofern muss hier Gert Westphal viel beschreiben, sein Part nimmt den größten Raum ein. Berta Garlan wird von Käthe Gold gespielt, die die tragische Rolle sehr gut ausfüllt. Das große Ensemble dahinter splittert sich in viele Klein- und Nebenrollen. Heutzutage hätte man da wahrscheinlich auf den Großteil der Rollen verzichtet und dies beim Erzähler angesiedelt, damals konnte man sich das offenbar künstlerisch, finanziell und auch organisatorisch eher leisten.
Die Geschichte spannt einen großen emotionalen Bogen, den die Inszenierung auch im Hinblick auf den Einsatz der Musik, sehr gut trägt. Die Behäbigkeit der Provinz, in der Berta vegetiert wird durch eine Nachricht plötzlich mit Hoffnung und Vorfreude durchsetzt. Eine schwärmerische Hektik treibt die Protagonistin nach Wien. Dort steigert sich Freude bis hin zur Lust, danach beginnt der Abstieg. Verwirrung, Einsicht und die anschließende Enttäuschung lassen eine gebrochene Berta Garlan zurück.
Eine sehr empfehlenswerte Produktion, die zwar ihr Alter nicht ganz verleugnen kann, die aber für ein Hörspiel, dass vor mehr als einem halben Jahrhundert inszeniert wurde, erstaunlich modern klingt.