Gekauft hatte ich mir das hier vorliegende Buch "Bernhard Wicki - Mein Leben mit einem Filmgenie" aus einer gewissen Neugier heraus. Ich kannte Bernhard Wicki hauptsächlich aus Filmen wie "Die Zürcher Verlobung" usw. u. hatte auch die berühmt-berüchtigte Dreiecksbeziehung zwischen Bernhard Wicki, Agnes Fink u. Elisabeth Endriss in der einschlägigen Presse verfolgt.
Nun interessierte mich zugegebener Maßen einmal etwas aus dem "Nähkästchen" zu erfahren. Ich hatte mich damals schon gefragt, wie eine junge Frau wie Elisabeth Endriss sich so etwas antat. Schließlich weiß man ja, das häufig sehr viel Kummer aus solchen Konstrukten entsteht für die Beteiligten, am meisten eigentlich aber immer für die sogenannte "Geliebte". Insofern wollte ich wissen wie Frau Endriss das aus heutiger Sicht bewertete.
Zu Anfang des Buches hatte ich auch erst stark den Verdacht, das Buch könnte mir zu persönlich werden, da ich dort manchmal auch Sentenzen las, die ich jetzt für zu privat gehalten hätte, aber das änderte sich mit der Zeit dahingehend, daß die Erzähltechnik von Frau Endriss es mit sich brachte, daß sie nicht stringent erzählte, sondern immer wieder Rückblenden machte, die zum Teil in Bernhard Wicki's Kindheit gingen, dazwischen aber auch immer wieder Berichte von seinen diversen Filmprojekten u. ihren dazugehörigen Anekdoten oder Schwierigkeiten u. dazwischen dann wieder Eindrücke aus der zum Teil schwierigen persönlichen Beziehung der drei Protagonisten, wobei man ganz klar sagen muß, daß es in der Hauptsache schon um Bernhard Wicki u. Elisabeth Endriss geht.
Wer hier eine leichte Unterhaltung erwartet, der wird sicher enttäuscht sein, denn durch den nicht immer leichten Lebensweg Bernhard Wicki's u. auch die Schicksalsschläge aus den Leben von Elisabeth Endriss u. Agnes Fink entsteht genügend Tiefgang der mit seichter Unterhaltung nicht das Leiseste zu tun hat.
Wenn man Bernhard Wicki, so wie ich, hauptsächlich aus leichteren Filmen à la "Zürcher Verlobung" kennt, wird man staunen, was für ein "Kaliber/Schwergewicht" Bernhard Wicki aus filmischer Sicht war. Er hatte unter anderem sogar eine Hollywood Karriere von der andere nur träumen können. Er arbeitete nicht nur als Schauspieler vor der Kamera, sondern vorallendingen auch lange als Regisseur hinter der Kamera. Den meisten dürfte der Film "Die Brücke" ja noch ein Begriff sein, dies ist aber nur ein Film von vielen, vielen anderen. Elisabeth Endriss zeichnet mit ihren Erzählungen u. Rückblenden ein feinfühliges Porträt eines nicht immer einfachen Menschen, der es gewohnt war zu machen was er für richtig hielt, notfalls auch gegen Widerstände. Und sie berichtet freimütig über ihre Gefühle diese Partnerschaft betreffend, was man ihr hoch anrechnen muß, nicht jeder hätte sich das getraut öffentlich zu erzählen. Man erfährt sehr viel über Bernhard Wicki, wie er die Welt sah u. bekommt so einen ganz anderen Blick auf ihn, was sehr interessant ist. Die sonstigen Medien zeichnen in aller Regel ja gerne recht eindimensionale Bilder von Künstlern, was natürlich einfacher ist u. weniger Arbeit macht, klar. Darum finde ich dieses Buch auch so interessant.
Man merkt das es Elisabeth Endriss eine Herzensangelgenheit war ihren "Berni" einmal so zu zeigen wie er wirklich war u. das hat sie sehr gut hinbekommen, man kann sich jetzt genau vorstellen, was für ein Mensch Bernhard Wicki in etwa gewesen sein muß.
Sicher für viele seiner Fans ein wichtiges Buch !!!
Ich kann dieses Buch jedenfalls nur wärmstens weiterempfehlen, ich fand die Lektüre sehr interessant u. unterhaltsam auf intelligente Art.
Chapeau !!!