Dieses exquisite Schelmenstück endet damit, dass Bernd, das chronisch depressive Kastenbrot (und in diesem Fall sogar Castingbrot), den Blues als einzig wahre musikalische Untermalung für sein Leben entdeckt. Und es beginnt damit, dass Bernd, statt seiner Lieblingsbeschäftigung "Rauhfasertapete-Anstarren" zu frönen, mit Chili, dem Schaf, in Ermangelung einer Alternative TV-Casting-Shows ansehen muss, über deren talentlose Teilnehmer er sich prompt echauffiert: das seien ausnahmslos Musik-Legastheniker "mit der Ausstrahlung eines singenden Kleiderbügels". Animiert von ebendiesen Shows, nötigen die Intelligenz-Allergiker Chili-Schaf und Briegel-Busch ihr bevorzugtes Opfer Bernd in einem unterirdischen, antiquierten Tonstudio samt drei gespenstischen Damen zur Sangeskunst, um damit scheich-reich zu werden. Die perfekte Exposition für eine Synthese aus Underground und Mozarts "Zauberflöte" also, könnte man meinen. Doch im Verlauf dieses vertonten Entwicklungsromans wird der kantige Protagonist entsetzt ausrufen: "Was soll das werden? Ein Gespensterchor als Backgroundchor, eine gecastete Berndi-Band mit einem Kastenbrot als Frontbrot - und das alles wahrscheinlich auch noch auf engstem Raum zusammengepfercht, rund um die Uhr videoüberwacht - und dann mal sehen, was passiert???" Woraufhin Chili und Briegel, wie immer in völliger Verkennung des l e i c h t ironischen Untertons, erwidern: "Hm, das ist eine gute Idee, Bernd." Gesagt, getan. Während des Castings für die Berndi-Band macht Busch seinem Image als "mad scientist" alle Ehre und erfindet einen Kamera-Roboter, der seinerseits in bewährter Roboter-Manier sogleich alle Teilnehmer überrollt mit den Worten: "Töten... muss alle töten...!". Beinahe wäre es ihm gelungen - ich bin vor Lachen fast erstickt!
Sogar Chili-Schaf, so enervierend es als Fraggle-Plagiat sonst sein mag, ist mit seiner Bohlen-Parodie diesmal sehr amüsant.
Federführend bei der musikalischen Gestaltung ist die Musikhochschule Hamburg, die nicht nur für den Gespensterchor, den "Animal"-ähnlichen Schlagzeuger und die Band verantwortlich zeichnet, sondern auch für das überzeugende Plädoyer gegen die hypertrophe Kommerzialisierung der schönsten menschlichen Erfindung im Universum: der Musik. Bernd-das-Brot stimmt mit seinem spontan gesungenen "Ich sage nein!" zu, - neben "Tanzt das Brot" zweifellos die beste jemals von einer Backware intonierte Hymne aller Zeiten.
Quadratisch, sarkastisch, blue: Bernd-das-Brot ist eines der abgefahrensten Phänomene der Neuzeit!