Bernd Rosemeyer war ohne Zweifel einer der berühmtesten und strahlendsten Sportler im Deutschland der 1930er Jahre. Von 1935 bis 1938 gehörte er als erfolgreichstes Mitglied dem Fahrerkader der Auto-Union an. Am 28. Januar 1938 verunglückte er bei einer Rekordfahrt auf der Autobahn zwischen Frankfurt/ Main und Darmstadt tödlich. Dieses von dem Automobilhistoriker Peter Kirchberg herausgegebene Buch beleuchtet den Menschen Rosemeyer unter verschiedenen sehr bemerkenswerten Aspekten. Kirchberg selbst schildert die Hintergründe und Umstände der tragisch verlaufenen Rekordfahrt und setzt sich sachlich mit den möglichen Ursachen des Unfalls auseinander. Er gibt zahlreiche Dokumente aus dem Archiv der Auto-Union wieder. Martin Schröder - ebenfalls Automobil-Historiker und Kurator des neuen Automuseums "Prototyp" in Hamburg - hat nach gründlichen und mich überzeugenden Recherchen eine eigene These zum Hergang des Unfalls aufgestellt, die sich mit mehreren Beobachtungen von Zeitzeugen in Einklang bringen lässt. Der Sohn Rosemeyers vermittelt einen persönlichen, einfühlsamen und ebenfalls lesenswerten Blick auf seinen großartigen Vater und die unvergessene Elly Beinhorn. Jürgen Pönisch hat einen mit zahlreichen Details versehenen Lebenslauf Bernd Rosemeyers aufgezeichnet, der den großen Rennfahrer auch in seinem gesellschaftlichen und politischen Umfeld zeigt. Diesem interessanten Thema widmet sich der renommierte Autor Eberhard Reuß mit seinem erhellenden Beitrag "Der unpolitische politische Bernd Rosemeyer". Dabei kratzt Reuß sicher an der Legende Rosemeyer, ohne die überragende Stellung des Rennfahrers an sich in Zweifel zu ziehen. In die gleiche Richtung zielt der Artikel von Uwe Day, der gerade diese Legendenbildung nachzeichnet und zu erklären versucht. In dem am Anfang des Buchs stehenden Beitrag würdigt Peter Kirchberg das automobilsportliche Engagement der Auto-Union im "Dritten Reich", wobei er eine Vielzahl überaus interessanter Fakten zusammengetragen hat, die den für diese Zeit unglaublichen Einsatz an Menschen, Geld und Material sowohl bei der Auto-Union als auch bei Mercedes-Benz belegen. Kirchberg verdeutlicht damit den enormen Stellenwert, der dem Automobilsport in dieser Zeit aus vielfältigen Gründen zukam. Der Herausgeber gibt die Tatsachen wieder und überlässt es dem Leser, die eigenen Rückschlüsse zu ziehen. Bei der Präsentation dieses auch hervorragend und reichhaltig illustrierten Buchs im Hamburger Museum "Prototyp" im November 2008 führte Peter Kirchberg mit Blick auf die Zeitumstände des Motorsports der 1930er Jahre nachhaltig und treffend aus: "Geschichte ist unteilbar. Wir können uns nicht nur die uns zusagenden Tatsachen heraussuchen und die unangenehmen Seiten außer Betracht lassen." Dieser Grundsatz rückt dieses in jeder Hinsicht lohnende Buch in den richtigen Zusammenhang, gilt allerdings nicht nur - wenn auch besonders -für die Zeit des "Dritten Reichs".