Kaum ein Werk des frühen 19. Jahrhundert ist prädestinierter als Demonstrationsobjekt für das derzeit höchstentwickelte Klangformat auf dem Schallplattenmarkt als Berlioz' Episoden aus dem Leben eines Künstlers. Noch immer unerhört sind seine Mixturphantasie und bis dato ungewohnte Spieltechniken. Die Mehrkanalaufnahme bei höchster Auflösung, Dynamik und Störungsfreiheit zaubert aus den Episoden noch Abbilder einzelner Klangmomente, die man sonst nur aus der Partitur erlesen kann oder hören, wenn man die Position des Dirigenten einnimmt.
Järvi setzt ganz auf Detailarbeit und kann sich auf vorzügliche Instrumentalisten stützen. Geradezu beängstigend wird es für den Hörer, wenn die Glocken im fünften Satz das Ende dieser Opiumfieberträume einläuten, so plastisch stehen sie im Raum. Trotzdem hat man im ersten Satz noch den Eindruck, es könnte hie und da noch ein bißchen stärker Gas gegeben werden. Das mag aber am gewöhnungsbedürftigen Detailreichtum liegen. Merkwürdigerweise gelingen die rhythmisch und metrisch vertrackten Stellen besser als die scheinbar unkomplizierten, da bleibt manchmal die Präzision auf der Strecke. Aber spätestens nach der Ballszene ist man staunend gebannt und am Schluß dieser Platte fix und fertig! Da versöhnt als Zugabe die intim zelebrierte Romeo-und Julia-Musik und macht schon wieder Lust auf den Anfang...
Diese SACD ist ihr Geld wert!