In Berlinoir fand ein Führungswechsel statt, nachdem der vorherige Regierende, Nicholas Szerbenmund, während eines Anschlags verstarb. Der neue Regent Mardocles, hat auch so gleich seine erste Feuerprobe zu bestehen: ein brutaler Serienmörder treibt in der Stadt sein Unwesen und lässt die regierenden Vampire schwach aussehen.
Eine Hetzjagd beginnt, deren Ziel vor den Menschen wieder Stärke und Macht zu demonstrieren. Derweil haben auch die Rebellen Verluste zu verzeichnen, nachdem ihr Anführer, Vater Zebaoth, verstorben und sein Nachfolger Niall (Hauptprotagonist des ersten Bandes) sich, frustriert von den Ereignissen aus "Scherbenmund" , von ihnen abwendet. Doch wollen die Freiheitskämpfer sich nicht beugen und planen bereits ihre nächsten Schritte, um die Vampire endlich zu stürzen.
"Mord!" ist wesentlich textlastiger als der Vorgängerband, was bedeutet dass in nahezu jedem Abschnitt gesprochen oder zumindest erzählt wird. Dadurch verliert die Geschichte erheblich an Tempo und anstatt auf den Titel gebenden Mordfall, wird sich eher auf kleinere Szenen in den Haushalten der Menschen konzentriert, was die Lesegeschwindigkeit noch mehr drosselt.
Allerdings wird dadurch auch der Hintergrund mehr vertieft, so wird zum Beispiel geklärt, wie die Außenwelt (der Rest der Bundesrepublik Deutschland in diesem Fall) auf den Stadtstaat reagiert, wie es an den Grenzen zugeht und wie unterschiedlich die Meinungen über das Regime in der Stadt sind. "Mord!" wird dadurch also mehr zum Porträt einer Gesellschaft, anstatt ein reiner Krimi zu sein und selbst die Morde sind am Ende nur ein kleines Teil, dieses Gesellschaftsporträts, welches die Grauzonen im ersten Band nur noch weiter umgreifen lässt.
Betrachtet man "Mord!" jedoch nicht von dieser Seite, ist der Band eher schwach, da es der Mordserie an Intensität und Tempo mangelt, die der Comic dringend benötigen würde, um wirklich spannend zu sein. Über allen Zweifeln erhaben sind jedoch wieder die Zeichnung Reinhard Kleists, die weiterhin Berlinoir zu einer farbenprächtigen Kulisse, in deren Schatten finstere Geschehnisse ihren Lauf nehmen.
Am Ende hat man immer noch einen recht unterhaltsamen, wieder in sich abgeschlossenen, Mittelteil einer Trilogie, die im dritten Band "Narbenstadt" endlich ihren Abschluss finden wird.