Kurzbeschreibung
Das vorliegende Buch ist einem der spannendsten Kapitel der Wahrnehmungsgeschichte des 19. Jahrhunderts gewidmet. Von der Kunstgeschichte lange stiefmütterlich behandelt, ist das Panorama erst in den letzten Jahren in den Rang eines interdisziplinären Forschungsgegenstandes erhoben worden. Nach Stephan Oettermanns erster umfassender Bestandsaufnahme >Das Panorama. Die Geschichte eines Massenmediums< von 1980 und der Sehsucht'-Ausstellung 1993 in Bonn scheinen die Dimensionen des Themas abgesteckt. Entsprechend den Verläufen von Wissenschaftsentwicklung sind jetzt Detailuntersuchungen am konkreten Gegenstand gefragt. Mit diesem Buch wird erstmals den Berliner Panoramen eine eingehende Würdigung zuteil. Berlin erlebt seit 1880 einen Panorama-Boom, der plötzlich endet wie er begann. Mit insgesamt sechs Panorama-Rotunden, die letzte wird 1913 errichtet, hält die neue deutsche Hauptstadt im nationalen Maßstab die Spitze. Als besonders geschäftsfördernd erweisen sich dabei die kriegerischen Erfolge von 1870/71 und die kolonialen Eroberungszüge, deren Darstellung auf einem Leinwandformat von 15 mal 120 Metern für den Zulauf eines eines Massenpublikums sorgt. Rundgemälde wie das Sedan-Panorama am Alexanderplatz erzielen Besucherrekorde, die die Millionengrenze überschreiten. Neben der patriotischen Begeisterung, die in der Kaiserstadt besonders hohe Wellen schlägt, ist es die allgemeine Attraktionssucht der modernen Metropole, die den Erfolg des Panoramas garantiert. Man amüsiert sich bei der >Strafexpedition in Kamerun< ebenso gut wie beim >Triumphzug Konstantins< oder der >Ankunft eines Lloyddampfers in New York.< Das Ende der Berliner Panoramen ist mit dem Aufkommen der Kinematographie besiegelt. >Hat niemand mehr Lust, mit mir in ein Panorama zu gehen?<, fragt Max Brod 1913. Nur wenige Jahre später beginnt mit dem Abriß der letzten Panorama-Rotunde Berlins die Spur der >medialen Dinosaurier< zu verblassen...