Der Reiseführer entstand mit Unterstützung der Berliner Morgenpost, und etwas polemisch möchte ich sagen: das merkt man in vieler Hinsicht, vor allem an der Häufung gastronomischer und Shopping-Tipps rund um Gendarmenmarkt, Kochstraße und Checkpoint Charlie - in konzentrischen Kreisen zum Springerhochhaus also. In dieser Gegend bleibt keine Sehenswürdigkeit ausgespart. Aber, mal weg von der Polemik.
Ich hatte diesen Reiseführer in einer Vorauflage vor ein paar Jahren schon mal in der Hand - vielleicht täusche ich mich ja, aber ich habe den Eindruck, die Einkaufsvorschläge in diesem Buch tendieren mehr und mehr in Richtung Luxus. Und wenn das auch bei vielen der vorgestellten Läden nicht auf den ersten Blick so ist, so hat stellt sich doch oft beim Betreten des mit viel Mühe gefundenen Ladens (Restaurants etc.) heraus, daß (unabhängig mal von der Frage nach dem Preis-Leistungsverhältnis) das Preisniveau jedenfalls "interessant" ist. Ich kann mir jedenfalls angesichts des durchschnittlichen Berliner Einkommensniveaus nicht vorstellen, daß der Durchschnittsberliner mit der Mehrzahl der Tips serienmäßig besonders viel anfangen kann.
Ich würde mir deshalb für die Neuauflage ein paar mehr alltagstaugliche Tips wünschen - und, nachdem es jetzt gerade die Saison ist - auch ein paar Jahreszeitenspecials (Weihnachtsmärkte, zum Beispiel, aber nicht nur den für Millionäre am Gendarmenmarkt...)
Ach ja: ganz so schlimm geht's bei der Nußbaumerin" (S. 73) dann doch nicht zu. Es handelt sich, für Berlin überraschend genug, um ein Zitherkonzert. Aber als Lacher war es gut...