Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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38 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das Leben vor dem Untergang der Demokratie, 23. November 2003
Wer Comics für Leute machen will, die keine Comics lesen, hat es schwer. Aber „Steinerne Stadt", der erste Teil der „Berlin"-Trilogie, beweist: Jason Lutes erreicht sein selbst gewähltes Ziel erfolgreich. Deutschland im September 1928: Die junge Marthe Müller reist nach Berlin, um Kunst zu studieren und die kulturelle Vielfalt der Stadt zu erleben. Noch auf der Reise trifft sie den Journalisten Kurt Severing, der dort für die Zeitschrift „Weltbühne" schreibt. Nach der Ankunft trennen sich ihre Wege, doch nicht für lange. Marthe und Kurt sind die wichtigsten der zahlreichen Personen, die in „Berlin - Steinerne Stadt" Bedeutung haben. Der historische Comic-Roman ist ein Mosaik verschiedenster Milieus und persönlicher Schicksale. In präzisen Schwarzweiß-Zeichnungen erzählt Lutes von der sich anbahnenden Liebe zwischen Kurt und Marte, vom Überlebenskampf einer arbeitslosen Weberin, die ungewollt ins kommunistische Lager gerät. Der Leser begleitet den Polizisten Lemke, der auf den Straßen für Ruhe zwischen den radikalen Lagern sorgen muss, erlebt den Versuch des Fabrikanten Faber, angesichts der wirtschaftlichen Krise Haltung zu bewahren. Lutes scheint keine der wesentlichen Perspektiven zu vergessen, aus denen man die letzten Jahre der Demokratie vor der Geburt des Dritten Reichs sehen konnte. Ebenso wie er diese Lebensgeschichten verbindet, mischt er historische Fakten mit den ausgedachten Lebensläufen. Obwohl das drohende Ende der Weimarer Republik die Atmosphäre dominiert, bleibt Platz für das individuelle Glück. Dann ist die gefährliche Lage weit entfernt, eine Liebe tritt an ihre Stelle, die auch in den besten Zeiten nicht wunderbarer sein könnte. In diesen zeitlosen, persönlichen Momenten gewinnen die Beteiligten an Tiefe, werden ganz und gar realistisch. Leider fehlt sonst den Menschen in „Berlin - Steinerne Stadt" oft die Komplexität - dann repräsentieren sie zu vorbildlich ihre jeweilige Schicht oder politische Ausrichtung. Ein verzeihbarer Mangel angesichts der überragenden Gesamtleistung, die Jason Lutes mit dem ersten Band seiner Trilogie bietet.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
was vor "Maus" passierte, 16. April 2009
Berlin 1928/29. Einige Journalisten verleihen ihren Sorgen über den Zustand des Reichs in der "Weltbühne" Ausdruck, an der Kunsthochschule wehren sich die Studenten gegen geometrische Regeln oder setzen auf die Neue Sachlichkeit, auf den Bühnen der Nachtbars wird derbe Erotik geboten. Einige Bewohner Berlins sind noch mit den Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg beschäftigt. Überfälle auf Juden sind alltäglich. Und dann geht noch ein Gespenst um: Die Kommunisten gedenken der ermordeten Rosa Luxemburg und Karl Liebknechts, bauen Genossenschaften auf und ziehen mit Transparenten durch die Straßen. National orientierte Gruppen lassen ihre Aggressionen an ihnen aus. Die Polizei ist unentschieden und verwirrt.
Es passiert nicht viel Unerwartetes, aber der Stoff selbst wirft schon genug Spannung ab. In den Zeichnungen von Jason Lutes wird alles kleinteilig und in persönlichen Begegnungen erzählt. Es fehlt vielleicht etwas an Subjektivität, was den Figuren manchmal etwas Schablonenhaftes gibt, aber alles andere hätte sich wohl nicht mit dem Anliegen eines Rundum-Überblicks vertragen. Trotzdem: So ähnlich wie in dieser Geschichte könnte sich alles abgespielt haben. Manchmal vergisst man auch kurz, dass der weitere Verlauf der Geschichte, die im Comic erzählt wird, schon mehr oder weniger historisch vorgegeben ist, und sieht die Situation mit den Augen der Figuren: offen, unübersichtlich, dominiert von persönlichen Problemen des Alltags und dem Versuch, sich im politischen Durcheinander der 20er Jahre zu orientieren.
Wenn "Maus" Teil 3 und 4 ist, könnte "Berlin - Steinerne Stadt" Teil 1 sein.
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6 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Gut recherchiert, schöne Stadtskizzen, Story Geschmackssache, 14. Februar 2007
Beim Durchblättern fielen mir die schönen Zeichnungen von Berlin auf weshalb ich das Buch kaufte. Die Szenen scheinen gut recherchiert und schön dargestellt. Details des ehemaligen Berlins werden anschaulich illustriert. Einem Geschichtsmuffel wie mir fiel es dann doch an einigen Stellen schwer dem Verlauf der politischen Geschenisse so richtig zu folgen.
Trotz Millieu Schilderungen fehlte mir 'etwas' um mit den Protagonisten mitfühlen zu können. Manche Figuren fand ich auch nicht so einfach wiederzuerkennen. Sicher ist es auch Geschmakssache, ich schloß jedenfalls das Buch mit dem Eindruck: interessant mal gelesen zu haben, ich bereue den Kauf nicht werde mir aber keine weitern zulegen.
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