Eine Reisereportage à la bonheur! Sager reist mit seinem Kameramann mit dem Zug von Deutschland nach Vietnam und macht Station(en) in all den Ländern, durch die er kommt. Beim Knüpfen von Kontakten hilft Sager seine langjährige Korrespondententätigkeit, unter anderem in Russland. Und so sind seine Begegnungen nie oberflächlich, seine Fragen immer gut gestellt, da er um die Probleme des jeweiligen Landes weiß. Das Buch ist sicher kein Reiseführer für Menschen, die ihren nächsten Spaß-Urlaub planen. Alle Länder, durch die Sager fährt, waren einmal oder sind immer noch kommunistisch, ihre Bewohner haben zum allergrößten Teil mit immensen Problemen zu kämpfen. Den Leser befällt unwillkürlich Melancholie und Mitgefühl angesichts einer langen Geschichte von Unterdrückung und Gewalt, welche die dafür Verantwortlichen den einfachen Menschen angetan haben und immer noch antun. Außer Polen (und Ostdeutschland) hat sich keines der Länder wirklich vom Würgegriff von Willkür und Korruption einer ewig sich ähnelnden Nomenklatura befreit. Für Vietnam gibt es vielleicht Anzeichen der Hoffnung. Doch zumindest Fünklein davon gibt es selbst im vielleicht sklavischsten Land Europas, Weißrussland, wenn man liest, mit wie viel Energie und Selbstaufopferung unermüdliche Journalisten und Demokraten eine unzensierte Zeitung gegen alle Widerstände produzieren und verteilen.
Das Buch macht traurig, ohne je auf "betroffen" zu machen, es macht offen für die Vorteile, die wir Bürger eines demokratischen Landes trotz all seiner Fehler eigentlich genießen, es macht wach und mitfühlend für die Menschen in weniger begünstigten Ländern. Und das alles ist in einem wunderbaren Stil, in einer fast poetischen Sprache geschrieben. Sager ist Fernsehjournalist, doch er kann jederzeit auch als Buchautor bestehen. Im Idealfall sollte das auf jeden guten Reporter zutreffen. Doch als von der schalen TV-Realität so oft Enttäuschte kann man es kaum fassen, wie gut dieser Mann ist! Sager-haft!