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Ein Hemd, eine Hose, ein Paar Socken, Regen- und Fleecejacke, Rasierzeug, Karten und ein Schlafsack. Mehr ist es nicht, was Wolfgang Büscher auf seinem 82-tägigen Fußmarsch von Berlin nach Moskau in seinem Rucksack trägt -- und natürlich jede Menge Notizhefte, auf die er all die dramatischen und skurrilen Erfahrungen mit dem "wilden Osten" und seinen Bewohnern niederschreibt.
Das Buch ist natürlich kein gewöhnlicher Reiseführer. Keine einzige Landkarte findet sich hier, nicht einmal ein bescheidener Übersichtsplan über die 2.500 zurückgelegten Kilometer. Auch auf Bilder wurde komplett verzichtet. Es zählt nur das Wort. Und das ist wahrlich die Stärke von Büscher, der normalerweise das Ressort Reportagen bei der Welt leitet und 2002 mit dem angesehenen Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet wurde.
Dass er diesen Preis zu Recht verliehen bekam, beweist er in Berlin-Moskau mit einem äußerst anregenden und feinfühligen Sprachstil, der selbst kriegerischen Grausamkeiten poetische Tupfer verpasst. Der Spiegel jedenfalls zeigt sich begeistert: "Die Niederschrift seiner Reiseerfahrungen gehört zum Besten, was in den letzten Jahren in deutscher Sprache erschienen ist", meldet das Nachrichtenmagazin!
Diese Begeisterung liegt auch daran, dass die Mauer der Unwissenheit immer noch nicht abgerissen ist: Zu wenig ist gemeinhin über Polen, Weißrussland und Russland bekannt -- und auch deshalb verfolgt man so gespannt, wie Büscher die fremden Orte und Menschen erkundet: Schmugglerinnen lernt man kennen, mit denen er die weißrussische Grenze überquert, einen sibirischen Yogi oder einen Russen, mit dem er in die verbotene Zone von Tschernobyl fährt.
Bei seinem Trip begegnet der Autor auch den Geistern der Vergangenheit. Schließlich beschreitet er fast exakt dieselbe Route, die sowohl Napoleon als auch Hitlers Heeresgruppe Mitte eingeschlagen hatten. Auch sein Großvater, den Büscher nie sah, musste im Zweiten Weltkrieg hier entlang marschiert sein. Und so bekommt der Reisebericht mitunter eine sehr persönliche und emotionale Note, wenn sich der Autor vorstellt, "gerade über ihn zu gehen, ohne dass er es merkt. Einfach durch ihn hindurchzugehen wie der Wind". Ein ungewöhnlicher Bestseller! --Christian Haas
Pressestimmen
Buchnotiz zu : Die Zeit, 10.04.2003
Als "großartige Reportage" feiert Ulrich Stock Wolfgang Büschers "Berlin - Moskau" und sieht den Autor "exakt in der Mitte" stehen zwischen den beiden Klassikern der modernen deutschen Reiseliteratur: Michael Holzach herzenswarmes "Deutschland umsonst" und Werner Herzogs expressives "Vom Gehen im Eis". Büscher wahre "die feine Balance zwischen Beobachtung und Reflektion; werden die Gedanken schwer, geht er einfach weiter, durch sie hindurch", notiert Stock. Am Ende der Lektüre, die "das Erhabene [nicht] vom Banalen" trenne, sei man "beglückt von der Erzählung", frage sich aber als Leser, warum seit 1989 noch niemand diese Reise unternommen hat. Der gemeinsame gesellschaftliche Blick "geht nach Westen", philosophiert der Rezensent und Büscher offenbare sich automatisch "als Sonderling", indem er die "elektrische Welt" hinter sich lässt und zu Fuß nach Osten aufbricht. Stock ruft ein Hoch auf den "literarischen Journalismus" aus, der durchaus noch Stärken gegenüber anderen Medien besitze, denn "Berlin-Moskau" als Film scheint ihm undenkbar, weil Büscher "irgendwo auf der nichtelektrischen Seite der Welt der Strom ausgegangen wäre."
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Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 29.04.2003
Höchsten Respekt zollt Rezensent Roland Mischke dem Journalisten Wolfgang Büscher für sein Unternehmen, zu Fuß von Berlin nach Moskau zu reisen. Dieser "Bericht einer ganz persönlichen Osteroberung", befindet Mischke, hat nicht nur höchste Preise verdient, sondern gehört auch in den Deutschunterricht. Büscher durchquert - mit Zwei-Hosen-zwei-Hemden im Rucksack - zunächst Polen, das ihm noch "zu wenig Osten" ist, das "ungeheuer müde" Weißrussland mit seiner radioaktiv-verstrahlten Todeszone um Tschernobyl, er folgt den Routen der napoleonischen Heere und der Heeresgruppe Mitte und begreift, wie Mischke darstellt, dass "zwischen den Völkern nichts vorbei, nichts vergessen ist". Den Rezensenten haben schließlich nicht nur die ungeheuerlichen Erlebnisse des Autors auf seinem 2500-kilometerlangen Fußmarsch gefangengenommen, sondern auch die geschickt komponierte Dramaturgie des Buches.
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