Mit "Helden wie wir", "Herr Lehmann" oder "Good Bye Lenin!" gibt es einige gute "Wendefilme", die an der Oberfläche kratzen und in denen mit einem komödienhaften Plot Einzelschicksale verfolgt werden. Mit "Berlin Is In Germany" wurde das Genre dieser geschichtlich für unsere Generation so wichtigen Zeit jedoch keineswegs unnötig gestreckt. Vielmehr wurde es um eine realitätsnahe Geschichte bereichert, in der gesellschaftliche Kritik nicht jedoch ausschließlich an der DDR-Vergangenheit geübt wird.
Auch hier geht es um ein Einzelschicksal, auch hier gibt es urkomische Situationen. Erwähnt seien nur die Telefonzelle als Job- und Bewerbungscenter oder der Helfer in der Not, sprich: der Game-Boy im Knast.
Martin Schulz, zu DDR-Zeiten wegen Mord verurteilt und zwei Monate vor'm Mauerfall weggesperrt, wird nach mehr als einem Jahrzehnt, nach Umwandlung seines Urteils in Todschlag, aus der Brandenburger Justizvollzugsanstalt entlassen. Der laut Urteil "zu Tode geprügelte" HGL-er erlitt in Wirklichkeit jedoch nur einen Unfall, resultierend aus einem Schubser von Schulz. Dass das Urteil seinerzeit als politisch motiviert galt, kann keineswegs darüber hinwegtäuschen, dass auch heute gilt, wer am falschen Ort zur falschen Zeit ist, hat eben die Ar***karte gezogen. Besonders schön kommt dieser Bezug im Dialog mit dem Bremer Kriminalbeamten zur Geltung, den Schulz lange für einen von "denen" hält.
Nicht nur die Wende hat er verpasst. Auch seine Frau, die zu Schulz' Haftantritt durch ihn schwanger wurde, hat ihr Leben neu geordnet und einen süddeutschen Karrieristen zur Komplettierung ihrer Familie an ihre Seite gestellt.
Aber da gibt es ja noch gute alte Freunde und unterschiedliche moralische Auffassungen über den "geeigneten" Umgang, die mal gesellschaftskonform einleuchtend klingen, aber im nächsten Moment wie chemisch behandelte Euroscheine zerbröseln.
Mit seinen kleinen Facetten (ich denke auch speziell an den Seitenhieb auf das Image des Anhangs eines Berliner Fußball-Clubs in Zusammenhang mit rechtsradikalen und ausländerfeindlichen Äußerungen) und den vielen Berliner Schauplätzen (meistens im ehemaligen Osten der Stadt) erkläre ich diesen Streifen für mich zu einem kleinen Filmjuwel und somit zum Vater des Genre, auch wenn einige Söhne älter sind.