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Berlin... Endstation [Gebundene Ausgabe]

Edgar Hilsenrath
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 244 Seiten
  • Verlag: Dittrich, Berlin; Auflage: 1. (1. September 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3937717080
  • ISBN-13: 978-3937717081
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,4 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Edgar Hilsenrath
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Edgar Hilsenrath lebt in bescheidenen Verhältnissen. Er macht sich, obschon nicht arm, nicht viel aus Luxus. Allerdings ist der Schriftsteller, der in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden ist, nicht immer bescheiden. Er weiß genau, welchen Wert seine Bücher für die deutsche Literatur haben. Und sagt es auch. Langsam immerhin begreift die Literaturwelt und stimmt ihm zu. Bis vor wenigen Jahren, vor der Ankündigung einer Werkausgabe, war das anders. Seine großen Romane Nacht. Das Märchen vom letzten Gedankenund Jossel Wassermanns Heimkehrsind längst internationale Erfolge, sein satirischer Roman Der Nazi & der Friseur garantiert ihm seit rund 30 Jahren Weltruhm. Dennoch hatte es Hilsenrath lange schwer in Deutschland, er galt als schwieriger Typ, wurde von den Literaturlobbyisten der Gruppe 47 ignoriert und wegen seiner detaillierten Darstellung des rauen Ghettoalltags und der unverklemmten Schilderung von sexueller Gier von den Moralwächtern geschnitten. Diese werden in seinem jetzt im Rahmen der Werkausgabe erstmals erschienenen Roman Berlin. Endstation wieder Stellen finden, die ihnen ganz und gar nicht behagen. Es geht in dem Buch um den Juden und Holocaust-Überlebenden Joseph Leschinsky, genannt Lesche, der kurz vor dem Mauerfall das Exil in den Vereinigten Staaten verlässt, um in Berlin, im deutschen Sprachraum, dem Raum seiner Lieblingssprache, zu leben. Lesche ist ein eher erfolgloser Dichter, der es immerhin zu einiger Anerkennung bringt, einige Frauenherzen bricht, altersgeil und mürrisch die Umbruchszeit in Berlin erlebt, einen Schlaganfall erleidet und schließlich das Opfer von Neonazis wird. Hilsenrath selbst weiß, dass dieser Roman nicht sein bestes Buch ist. Allerdings hat das Buch beeindruckende Stellen, die den unbeirrt Lesenden reichlich entlohnen. Etwa jene, in denen Lesches Ängste im Land der Täter und der Täterkinder beschrieben werden. Und das mit Humor: 'Ich habe unlängst in einer jüdischen Zeitung gelesen', sagte er dann, 'dass die Deutschen in der Hauptstadt ein Holocaustmahnmal errichten wollen. Was halten Sie davon?' 'Das ist ein schlechter Witz', sagte Singer. 'Wozu brauchen die Deutschen ein Mahnmal? Ganz Deutschland ist ein Holocaustmahnmal.' 'Ganz Deutschland?' 'Ja. Ganz Deutschland.' Ebenso eindrucksvoll wie verstörend ist das Kapitel, in dem Lesches Mordfantasien beschrieben werden - er will Fritz Tischler, der ihn einst als Hitlerjunge gequält hat, töten, malt sich mehrmals detailliert den Mord aus, um dann, mit dem Dolch im Gewande, auf einen alten Mann zu treffen, der aufrichtig bereut, dass er als Pubertierender ein begeisterter Nazi war. An diesen Stellen liest man Weltliteratur. Es liegt nahe, Berlin. Endstationals autobiographisch zu deuten, denn es wimmelt nur so von autobiographischen Stellen. Doch die zeitgleich unter dem Titel Ich bin nicht Ranekerschienene Annäherung von Hilsenraths ehemaligem Verleger, Herausgeber und Freund Helmut Braun macht deutlich, dass diese Lesart eine falsche ist. Hilsenrath hat stets aus seiner Erfahrung geschöpft. Doch hat er hier etwas dazu erfunden, dort etwas weggelassen, wie jeder andere Dichter auch. Dass Braun, der sich als langjähriger Freund offensichtlich zu einer gewissen onkelhaften Betulichkeit gezwungen sah, bislang unbekannte biographische Fakten offen legt, bleibt sein Verdienst. Zudem argumentiert er gekonnt gegen die notorische Gutwilligkeit, mit der Hilsenraths drastische Schilderungen hierzulande heute rezipiert werden. Gerade das macht diese Annäherung zu einem guten Buch. (Berliner Zeitung)

Was willst du in Deutschland, Lesche? ch will zu meiner Geliebten.Lesche, sei kein Narr, du bist ein alter Mann, eine Geliebte, die ist was für einen jungen. Ich bin 58, sagte Lesche, das ist nicht alt.Lesche, willst du dich zum Gespött der Leute machen? Sicher ist sie jung und schön, hat Ansprüche, und du willst als Lustgreis hinter ihr hertappern. Lustgreis? Du spinnst wohl? Spaß beiseite, sagte Betti. Wer ist diese Geliebte?Du hast recht. Sie ist schön, aber nicht jung. Ich habe mich in sie verliebt, als ich neun war, damals in Polen. Ich wurde von ihr getrennt, aber ich bin ihr treu geblieben, ein Leben lang. Lesche, bist du sicher, dass sie noch lebt? Ja, ich bin sicher.Wer ist diese Geliebte? Ich bin verliebt in die deutsche Sprache. Das ist ein Auszug aus Edgar Hilsenraths Roman Berlin … Endstation, erscheinen wird das Buch voraussichtlich im Mai. Dass überhaupt noch ein Roman von Hilsenrath erscheinen würde, stand nicht zu hoffen. Der Piper Verlag, zuvor Hilsenraths Verlagshaus, hatte vor einigen Jahren den Besitzer gewechselt, und die neuen Besitzer, so erzählt Hilsenrath, gaben ihm die Rechte an seinen Werken zurück. Die Verkäufe waren wohl nicht mehr so. Hilsenrath lebt in Berlin-Steglitz, in einer Wohnung, die er 1976 bezogen hat, ein Jahr nachdem er nach Berlin übergesiedelt war. Berlin ist die Endstationeines langen, zumeist unfreiwilligen Reisens. Geboren wird Edgar Hilsenrath in Leipzig, in Halle (Saale) geht er zur Schule. Ich war das einzige jüdische Kind in der Klasse, und das war im nationalsozialistischen Deutschland kein Vergnügen. Im Sommer 1938 emigriert die Mutter mit Edgar und seinem Bruder nach Siret, Rumänien, dort leben die Großeltern. 1941 wird die Familie deportiert. Am 14. Oktober wurden wir abtransportiert. Die Züge rollten nach Osten. Man brachte uns ins jüdische Ghetto der ukrainischen Ruinenstadt Moghilev-Podolsk am Dnjestr. Viele der Deportierten wurden erschossen. Im Ghetto herrschten Hunger und Typhus. Die meisten hatten kein Dach über dem Kopf, kein Spaß im russischen Winter. Wie das große Sterben aussieht und wie man in solch einem Ghetto überlebt, das habe ich in meinem Buch ,Nacht' beschrieben, ohne Beschönigung, so wie es wirklich war, schreibt Hilsenrath in den Siebzigerjahren. Die Familie wird 1944 von der Roten Armee befreit, Edgar geht zu Fuß zurück nach Siret, findet die Stadt zerstört und geht nach Bukarest. Kurz darauf reiste ich mit einem gefälschten Pass nach Palästina, auf dem Landweg über Bulgarien, Türkei, Syrien und Libanon. Für mich war der Krieg zu Ende. In Palästina erfährt er, dass sich seine Eltern in Frankreich gefunden haben, er reist hin, geht von dort aus in die USA, die Eltern folgen. 1975 dann zieht Hilsenrath nach Berlin. Im Gepäck hat er seinen Roman Nacht, der 1964, nachdem er 13 Jahre an ihm geschrieben hat, im Kindler Verlag erscheint, in einer Kleinstauflage. Das Buch erscheint allerdings mit Erfolg in den USA, so auch der nächste Roman Der Nazi & der Friseur, der ein Welterfolg wird. Das Buch, wie alle Texte Hilsenraths auf Deutsch geschrieben, findet jedoch keinen Verleger in Deutschland. Texte, in denen die Obszönität im Ghetto thematisiert wird, sind ebenso wenig gern gesehen wie eine Satire auf die deutschen Täter. Erst der Kleinverleger Helmut Braun, heute Herausgeber seiner Werke, nimmt sich des Autors an und verschafft Hilsenrath auch hierzulande einen Erfolg. Später, nach einigen Wirren und einigen Romanen, landet Hilsenrath beim Piper V (Jörg Sundermeier, taz)

Kurzbeschreibung

Eigentlich heiße ich Joseph Leschinsky, aber da manche Leute Leschinsky zu lang fanden, nannten sie mich Lesche. An Lesche habe ich mich gewöhnt, und dieser Name ist mir geblieben und ersetzt sogar meinen Vornamen, einfach so: Lesche. »Und Sie wollen in Deutschland bleiben?« »Ich habe die Schnauze voll von Amerika.« Singer spielte mit seinen Kreuzworträtseln, und seine Finger fuhren fast zärtlich über das Papier. »Sie werden als Jude nicht lange in Deutschland leben können«, sagte er dann. »Ich habe mir die Sache gründlich überlegt«, sagte Lesche. »Ich bin deutscher Schriftsteller und brauche die deutsche Sprache. Ich muß sie hören, immer und überall. Außerdem ist Deutschland heute ein demokratisches Land. Der Hitlerspuk ist längst vorüber, und inzwischen ist eine neue Generation herangewachsen.« »Der Holocaust wird Sie überall in Deutschland verfolgen. Jedes Haus, jede Straße wird Sie daran erinnern. Und die alten Leute. Es gibt kein Entrinnen. Glauben Sie's mir.« »Man muß es auf einen Versuch ankommen lassen.« Lesche schlürfte den wäßrigen Kaffee. »Ich habe unlängst in einer jüdischen Zeitung gelesen«, sagte er dann, »daß die Deutschen in der Hauptstadt ein Holocaustmahnmal errichten wollen. Was halten Sie davon?« »Das ist ein schlechter Witz«, sagte Singer. »Wozu brauchen die Deutschen ein Mahnmal? Ganz Deutschland ist ein Holocaustmahnmal.« »Ganz Deutschland?« »Ja. Ganz Deutschland.«

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4.0 von 5 Sternen Die Permanenz der Diaspora, 4. September 2009
Von 
Gerhard Mersmann "GM" (Mannheim) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Berlin... Endstation (Gebundene Ausgabe)
Der deutsche Jude Edgar Hilsenrath hat im Jahr 2006 einen weiteren Roman veröffentlicht, der das Thema seines Lebens in den Mittelpunkt stellt: Den Holocaust und das Elend des Exils. Mit dem Roman Endstation Berlin greift Hilsenrath in das unerschöpfliche Erfahrungsreservoir des Exilierten, den es über Frankreich in die USA trieb und von wo er Jahrzehnte später nach Deutschland zurückging. Nicht ungewöhnlich, aber selten, nicht halsbrecherisch, aber couragiert. Die von Hilsenraths biographischer Substanz getränkte fiktive Figur Joseph Leschinsky, genannt Lesche, erfährt es kurz vor seiner geplanten Rückkehr nach Deutschland von einem jüdischen Kollegen im Emigrantencafé in der 86. Straße. In Deutschland, so bedeutet ihm dieser, brauchst du nach keinem Holocaust-Denkmal zu suchen, Deutschland ist ein einziges Holocaust-Denkmal, überall.

Lesche lässt sich nicht abhalten, er ist Schriftsteller, er braucht die deutsche Sprache, ihn treibt es über London und München nach Berlin, wo er sich niederlässt und sogar Fuß fasst. Romane, die die amerikanischen Verlage nicht drucken wollten, finden hier in kleinen Häusern ihre Resonanz, der findige, lebensbejahende Lesche, der dennoch seine Albträume und sein Trauma nie los wird, erwirbt sich in kurzer Zeit eine bescheidene Existenz. Als jüdischer Schriftsteller gewinnt er aber immer mehr das Gefühl, dass alle ihm zeigen wollen, nein, wir sind nicht so, wie du denkst, wir waren das nicht, oder wir haben aus der Geschichte gelernt. Lesche entdeckt das Thema des Holocaust gegen die Armenier im Jahr 1915 für sich, er recherchiert, inspiriert durch den berühmten Roman Franz Werfels, der schon vor dem industriellen Vernichtungszug gegen die deutschen Juden das Thema zu einer großen Metapher für die systematische Entwertung der Existenz und das Fanal einer Gegenwehr gegen deren Siegeszug machte.

Vor Lesches Haustür tauchen die ersten Nazi-Parolen gegen ihn auf, den jüdischen Schriftsteller, der sich nie wieder verstecken will. Lesche fliegt in die USA, nach San Francisco, um Material zu dem Armenierthema zu recherchieren, macht auf dem Rückweg einen Stopover in New York, wo er noch mal Gelegenheitsjobs wahrnimmt, um nicht zu vergessen, wie das war, besucht alte Freunde und kehrt nach Berlin zurück. Dort plant er den großen Armenierroman, arbeitet für eine Reportage über die Obdachlosen in Berlin, verliebt sich in eine junge Armenierin und macht den Eindruck, als gelänge ihm die Rückkehr. Doch kurz aufeinander folgende Schlaganfälle werfen ihn aus der Bahn und als er, rekonvaleszent, mit dem Rollstuhl durch sein Viertel fährt, lauern ihm Jungnazis auf und zertrümmern ihm mit einem Baseballschläger den Schädel.

Endstation Berlin liest sich wie die letzte Sequenz des Bewusstseins vor dem Tode, die die verhafteten biographischen Stationen noch einmal Revue passieren lassen. In der burschikosen Finesse, dem humordurchtränkten, unvernichtbaren Lebenswillen des Joseph Leschinsky und seines Weges durch die Romanhandlung zeigt sich die Irreversibilität des bereits Geschehenen. Die Vernichtung, die unsägliche, führt zu keinem Happy End. Auch wenn man sich bei der Lektüre immer wünscht, Lesche möge noch viele Bücher schreiben und auch verkaufen, seine Schelmenstücke fortsetzen und das Glück einer späten Liebe genießen. Das Urteil steht bereits in den längst veröffentlichten Annalen: Brutales Ende, kein Trost!
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Ein jüdischer Schriftsteller findet zurück nach Deutschland., 21. Juli 2009
Rezension bezieht sich auf: Berlin ... Endstation: Roman (Taschenbuch)
Endstation: das ist die Stadt Berlin für den aus Amerika zurück gekehrten Schriftsteller Joseph Leschinsky, genannt Lesche.

In einem feuilletonistischen Parforceritt durch die siebziger und achtziger Jahre berichtet der erfolglose Schriftsteller Lesche, wie es ihm nach 36 Jahren Exil in den Staaten nun in Berlin gefällt. Er ist 58 Jahre alt aber kein bisschen alt geworden. Ein wenig Halbstarker, ein wenig Filou,--gerade die richtige Mischung, um in Deutschland und der westdeutschen Enklave Berlin Beobachtungen aufzuzeichnen und Erfahrungen zu sammeln.

Es gibt die Begegnungen mit Frauen, das Literatencafe und die Kneipe Zwiebelfisch; er findet Unterkünfte und lernt alte und neue Nazis kennen, und solche, die----angeblich--- nie etwas gewusst haben über die Gräuel der Nazis. In kleinen Episoden versteht Edgar Hilsenrath uns das Gedankengut der alten und die Ideen der neuen Nazis nahe zu bringen. Nette kleine Geschichten lockern die Erzählung auf, in denen teilweise originelle Begleiter und Begleiterinnen Lesches Alltag aufmuntern. Hilsenrath ist bemüht, seine feinen Impressionen zu einem geschlossenen Bericht zusammenzufügen.

Alles in allem liest sich die Geschichte wie eine amüsante Parodie mit ernstem Hintergrund auf Deutschland und seine Menschen. In einem Beitrag zur Anthologie "Woran ich glaube?"' fallen die Einsichten durchaus ernsthaft aus; denn wie soll man nach dem Holocaust noch an einen Gott glauben?

Eines ist sicher gelungen: Hilsenrath kann aus Ernst Komik zaubern, und seine Figuren sind Filous mit Fortune!

In diesem Buch hat er Gedanken zum Heute und Gestern zusammengefügt. Ein wenig Kreuzberg, ein wenig Bohème und mehr oder weniger erbauliche Begegnungen sind für die Endstation Berlin kurzweilig genug. Für einen zügigen und anhaltend fesselnden Roman wirkt die Geschichte zu gemächlich und wird ein wenig zerrissen dargeboten. Wenn Lesche später auch noch einige Abenteuer zu bestehen hat, ganz abgesehen von dem Ende,--- man sollte nicht zu viel erwarten. Man muss sich mit den Streiflichtern aus der geteilten und später wiedervereinigten Stadt Berlin und persönlichen Anmerkungen zur Einschätzung der Deutschen und ihrer Form der Vergangenheitsbewältigung zufrieden geben.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen zwiespältig, 24. Juni 2009
Von 
A. Bonelli (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Berlin ... Endstation: Roman (Taschenbuch)
Wie freute ich mich, als ich feststellte, dass ein neuer Roman von Hilsenrath veröffentlicht werden sollte. Selten erwartete ich eine Lieferung so sehnsuchtsvoll. Nun, sie hat mich eher enttäuscht als beglückt. Der Romanheld Lesche, typischer Zyniker, zieht von Amerika nach Berlin, im Gepäck Vorurteile, Angst und eine dumpfe Vorahnung. Ist froh, wieder in seinem Deutschland zu sein und kommt trotz Verliebtheit nicht richtig an. Ein sehr schöner Plot, leider schweift der Autor ab, verliert sich in den Schreibversuchen von Lesche, die zum Teil aufschlussreich, zum Teil aber einfach nur banal zu nennen sind.

Natürlich ist es schwierig, nach solchen Erfolgen ein ähnliches Meisterwerk erneut zu schaffen. Dennoch bekomme ich das Gefühl nicht los, dass die Seiten "befüllt" werden mussten und dass in diesem Fall eine Kurzgeschichte mehr Sinn gehabt hätte.

Drei Sterne für den Hilsenrath-typischen Zynismus, die immer wieder schön gemalten Szenenbilder und die unvergleichliche Art des Schreibens.
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