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Ob Berlin je wirklich Metropole, Weltstadt war, darüber mögen die Meinungen auseinandergehen. In den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts aber war Berlin ganz zweifellos eines der herausragenden kulturellen Zentren Europas und erlebte in der bildenden Kunst, dem Theater, der Musik und der Literatur eine Blüte, wie danach nie mehr. Grundlegend verändert wurde das Gesicht der Stadt durch die Nationalsozialisten, die all das als undeutsch verdammten, was zuvor die Stadt zum Magneten nicht nur für Kulturschaffende gemacht hatte. Stattdessen wollten sie hier des Führers wahnwitzige Idee von der Welthauptstadt Germania verwirklichen. Schauerlich. All dem machten die Bomben der Alliierten ein ebenfalls schauerliches Ende. Und schauerlich schließlich auch, was hernach insbesondere im Osten der Stadt an architektonischen und kulturpolitischen Sünden -- von allem anderen einmal ganz zu schweigen -- aufgehäuft wurde.
Jedenfalls konnte man nirgends die Gegensätzlichkeit der beiden politischen und kulturellen Weltentwürfe besser und auf engerem Raum studieren als im geteilten Berlin, das spätestens seit dem Bau der Mauer 1961 und über deren Öffnung hinaus vor allem eines war: Symbol für die bipolare Welt des Kalten Krieges. Von all dem und allem anderen, was das Leben Berlins und das Leben in Berlin über die Jahrzehnte ausgemacht hat, berichtet Large ausgesprochen kenntnisreich und wagt auch einen vorsichtigen Blick in die Zukunft. Dort, so vermutet er, kann das wiedervereinigte Berlin vielleicht sogar wieder anknüpfen an seine Vergangenheit als Weltstadt, die es seiner Meinung nach in der Zwischenkriegszeit gewesen ist.
Large hat mit der Biografie von Städten ganz offensichtlich sein Genre gefunden, und mit Berlin ist ihm ein fulminantes Buch gelungen, das anschaulich mit der Geschichte der vielleicht heterogensten aller Metropolen zugleich die Geschichte Deutschlands erzählt. --Andreas Vierecke
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