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Die Geschichte des Zweiten Weltkriegs gilt als erforscht. Doch es zeigt sich, dass wir trotz allem über die Grausamkeit dieses Krieges noch längst nicht alles wissen: Wer fortan die Rote Armee noch für ihren Beitrag zur Befreiung Europas von den Nationalsozialisten feiern will, wird sich die Grausamkeiten dieser Armee auf ihrem Weg nach und in Berlin vorhalten lassen müssen, von der Beevor hier berichtet -- vor allem die endlosen, schier unvorstellbaren Vergewaltigungsexzesse entfesselter Rotarmisten-Horden, über deren Ausmaß und Erbarmungslosigkeit man sich kaum ein Bild machen kann.
Einen wichtigen Beitrag leistet Beevor nicht nur, weil er die bestialischen Grausamkeiten gegen die Zivilbevölkerung offen legt, sondern auch, weil es ihm gelingt, ein gestochen scharfes Gesamtbild der letzten Tage des Dritten Reiches zu zeichnen. Darin wird uns noch einmal dessen absurde Grässlichkeit in schärfsten Konturen vorgeführt: "Wie das NS-Regime sein Ende fand, darin offenbaren sich noch einmal mit aller Klarheit sein Unvermögen, sein schwer wiegender Realitätsverlust und seine ganze Unmenschlichkeit", beschließt Beevor den Band, der auf der ganzen Linie überzeugt.
Als Kritiker ist man gut beraten, die Vokabel vom "Standardwerk" nicht allzu leichtfertig zu vergeben. Bei Beevors Berlin 1945 jedoch darf man dies getrost tun, denn es wird gewiss ein solches werden. Dass die Lektüre dieses gut geschriebenen Buches Vergnügen bereitet, kann freilich ganz und gar nicht behauptet werden. Doch als erbauliche Lektüre wurde es auch nicht geschrieben. --Andreas Vierecke
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Götterdämmerung,
Von
Rezension bezieht sich auf: Berlin 1945. Das Ende (Taschenbuch)
Beevor nimmt den Leser mit in die letzten Wochen und Monate des 2. Weltkriegs in Europa, in die surreale Welt des Krieges im Osten, von den sowjetischen Offensiven im Januar 1945 bis zum Ende in Berlin. Er tut dies unglaublich dicht, mit großem Detailreichtum und in einer sehr fesselnden Schreibweise. Die militärischen Abläufe werden hier ebenso bedacht wie die zivile Katastrophe, die über die über Ostpreußen und die anderen deutschen Ostgebiete hereinbrach. Dabei kommen beide Seiten, die Deutsche und die Sowjetische, zu ihrem Recht. Nichts wird beschönigt, keiner wird geschont. Das ist populär geschriebene Zeitgeschichte auf höchstem Niveau, und der Autor zeigt sich nach seinem hervorragenden Werk über Stalingrad wieder einmal auf der Höhe seines Schaffens.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Als die apokalyptischen Reiter Deutschland erreichten.......,
Von
Rezension bezieht sich auf: Berlin 1945. Das Ende (Taschenbuch)
Der Titel "Berlin 1945" passt meines Erachtens nicht so richtig zu den Inhalten des Buches. In diesem wird von den sowjetischen Offensiven im Januar 45 erzählt, welche zunächst Ostpreußen trafen, dann Polen befreite, die Sowjets an den Oderbruch führten und schließlich in die Schlacht um Berlin mündeten. Auch die alliierte Seite erfährt Beachtung, die Hauptprotagonisten sind jedoch die Russen und Deutschen. Das Grauen, das sich mit dem Vormarsch der Sowjets verband wird eindringlich geschildert und auch Ursachenforschung betrieben. Warum waren die Sowjets zu solchen barbarischen Auswüchsen fähig? Warum richtete sich der Haß gegen die schutzlose Bevölkerung? Warum z.B. mußten nicht nur dt. Frauen so leiden, sondern auch Fremdarbeiterinnen, polnische Frauen, sowjet. Kriegsverschleppte und Zwangsarbeiterinnen? Das Buch erklärt dies durch die Gräueltaten der Wehrmacht in den besetzten Gebieten und der Bestialität des Krieges.Der militärische Zusammenbruch der Deutschen wird exakt aufgearbeitet und dessen Ursachen erklärt. Ebenso wird geklärt, warum die Sowjets bis zuletzt, selbst bei haushoher zahlenmäßiger Überlegenheit noch soch starke Verluste erleiden mußten. Wenn ein/e LeserIn nur dieses Buch zum Thema Zusammenbruch des dritten Reiches 1945 lesen würde, wäre er/sie umfassend informiert. Ich habe schon mehrere Bücher zum Thema gelesen, wobei der eine oder andere Aspekt aber dennoch neu war. Der Schwachpunkt meiner Ausgabe war jedoch, dass die Kapitel 17 und 18 ("Des Führers letzter Geburstag" und "Abflug der Goldfasane" bei der Bindung verlorenging und stattdessen ein Teil des Kapitels 16 (Seelow und die Spree") wiederholt wurde. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
22 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Berlin 1945. Das Ende,
Rezension bezieht sich auf: Berlin 1945. Das Ende (Gebundene Ausgabe)
Das Jahr 2002 könnte rückwärtig betrachtet einen Wendepunkt in der Neueren Deutschen Geschichtsschreibung markieren. Gleich drei Bücher befassen sich mit Abschnitten des Zweiten Weltkrieges, die sich nicht für die Kriegsgegner, sondern für die deutsche Bevölkerung als Katastrophen darstellten. Dabei sind die Autoren über jeglichen Verdacht erhaben, Leid in irgendeiner Weise aufrechnen zu wollen. Vielmehr wird in deskriptiver Weise das Tausendfache Leid der einfachen Bevölkerung geschildert. Es hat den Anschein, daß der Prozeß der Historisierung des Dritten Reiches gegenüber der alleinigen Aufarbeitung langsam aber sicher in den Vordergrund tritt.Neben Günter Grass' „Krebsgang" und Jörg Friedrichs „Der Brand" ist Antony Beevors „Berlin 1945. Das Ende" eines dieser Bücher. In sehr eindringlicher und flüssiger Weise beschreibt der ehemalige britische Offizier und Sandhurst-Absolvent den Untergang des Tausendjährigen Reiches vom Überschreiten der ehemaligen Reichsgrenzen durch die Rote Armee bis zur Siegesparade in Moskau am 24. Juni 1945. Beevors Ausführungen stützen sich auf eine hohe Bandbreite an noch unveröffentlichten Quellen, ermöglicht vor allem durch die mittlerweile zustandegekommene Öffnung russischer Archive, aber auch auf zahlreichen Augenzeugenberichte, Tagebücher und Briefe, die ein erschreckend lebendiges Bild zeichnen. Die Perspektive verläuft parallel zwischen dem Führerbunker der Reichskanzlei, den Oberkommandierenden der Wehrmacht und der Roten Armee, den einfachen Soldaten auf beiden Seiten und endet bei den Erlebnissen und Empfindungen der Zivilbevölkerung zwischen Nemmersdorf und Charlottenburg, ohne dabei unübersichtlich zu werden. Umso mehr werden dabei die Auswirkungen der Befehle von oberster Stelle bei den Ausführenden und schuldlos beteiligten ganz unten mehr als deutlich. Gerade die Endphase des Krieges enthüllte auf beiden Seiten das wahre menschliche Gesicht. Nazifunktionäre, die gänzlich erschöpfte und kriegsmüde Soldaten noch in letzter Sekunde beim leisesten Verdacht der Desertion hinrichten lassen, selbst jedoch in aller Eile ihre geraubten Reichtümer zusammenraffen und sich wie räudige Diebe davonstehlen, sobald am entfernten Horizont die roten Sterne der sowjetischen Panzer auftauchen. Berliner, die auch dann noch nach Lebensmitteln anstehen, als die ersten sowjetischen Granaten einschlagen und in der Schlange einfach aufgehen, wenn einer von Splittern tödlich getroffen zu Boden sinkt. Frauen, die nicht nur mehrfach vergewaltigt werden, sondern nach Kriegsende neben dem eigenen Leid auch das ihrer Männer mit verarbeiten müssen und sich oftmals als das stärkere Geschlecht erweisen. Sowjetsoldaten, die mordend, sengend, brandschatzend und vergewaltigend durch ehemals deutsche Landschaften ziehen und in ihrem Wahn vor keiner Frau haltmachen, ebenso aber auch Mitleid angesichts vollkommen hilfloser Kindern zeigen: „Sie weinen hier genauso wie bei uns." Der Versuch der verqueren Sowjetpropaganda, die eben noch durch die Haßtiraden eines Ilja Ehrenburg angestachelten Soldaten in einer 180°-Wendung dazu zu bringen, den Deutschen das Bild vom sowjetischen Soldaten als einem Befreier nahezubringen und nicht zuletzt die Absurdität, die in deutsche Kriegsgefangenschaft geratenen Soldaten der Roten Armee des Vaterlandsverrats anzuklagen und in sibirischen Gulags verschwinden zu lassen. Die sowjetische Führung hatte immer auch einen besondern Sinn für Ereignisse mit Symbolcharakter. So wurde die Kapitulation Berlins vom ehemaligen Verteidiger Stalingrads, General Tschuikow, entgegengenommen. Damals hatte er gesagt: „So wird Berlin eines Tages auch einmal aussehen." Und er behielt Recht. Beevor, in Deutschland vor allem durch seinen 1998 (dt. 1999) erschienen Bestseller „Stalingrad" bekannt geworden, ist Tschuikow auf den Spuren des Sieges gefolgt und ebenso erfolgreich in Berlin angekommen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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