Pressestimmen
»Seit der Schriftsteller und Professor für Dramaturgie Dževad Karahasan 1993 widerstrebend aus dem belagerten Sarajewo floh, reist er mit jedem seiner Bücher dorthin zurück. Die bosnische Heimatstadt lebt in seiner Prosa weiter. ... Karahasan vermählt das Fragmentarische, die Vielstimmigkeit und Polyperspektivik der westlichen Moderne mit den ausgreifenden Erzähltraditionen des Orients, insbesondere der sufischen Mystik.« (Frankfurter Rundschau )
»Immer wieder neu durchlaufen Karahasans Figuren in den vier Erzählungen Pilgerwege durch die Länder und die Jahrhunderte. Und immer wieder neu geraten sie nach Sarajevo und an einen toten Punkt. Die Zeit schnurrt zusammen wie ein alter Luftballon; die Luft ist raus. ›Das Intermezzo der für das zwanzigste Jahrhundert charakteristischen bürgerlichen Demokratie endete am 6. April 1992 in Sarajevo. An diesem Tag wurden auf der Vrbanjabrücke Suada Dilberovic und Olga Sucic ermordet. Sie demonstrierten gegen einen Krieg, der offiziell mit ihrer Ermordung begann.‹« (Frankfurter Allgemeine Zeitung )
»Immer wieder neu durchlaufen Karahasans Figuren in den vier Erzählungen Pilgerwege durch die Länder und die Jahrhunderte. Und immer wieder neu geraten sie nach Sarajevo und an einen toten Punkt. Die Zeit schnurrt zusammen wie ein alter Luftballon; die Luft ist raus. ›Das Intermezzo der für das zwanzigste Jahrhundert charakteristischen bürgerlichen Demokratie endete am 6. April 1992 in Sarajevo. An diesem Tag wurden auf der Vrbanjabrücke Suada Dilberovic und Olga Sucic ermordet. Sie demonstrierten gegen einen Krieg, der offiziell mit ihrer Ermordung begann.‹« (Frankfurter Allgemeine Zeitung )
Kurzbeschreibung
Zwanzig Minuten Fußweg sind es von der Lateinerbrücke, an der mit dem Attentat auf das Habsburger Thronfolgerpaar das »kurze 20. Jahrhundert« begann, bis zur Vrbanjabrücke, an der es 1992 mit der Ermordung zweier Studentinnen endete. Nüchtern und unspekulativ hellt Dževad Karahasan die Dunkelheit auf, die über diesem Weg und den Menschen liegt, die ihn gegangen sind. Karahasan folgt den Spuren, die das 20. Jahrhundert in seiner Heimatstadt Sarajevo und in Bosnien hinterlassen hat. Anatomie der Traurigkeit handelt von dem Sohn eines italienischen Partisanen und einer jugoslawischen Kommunistin, der im Exil sein Leben rekapituliert. In Prinzip Gabriel führen Recherchen den Erzähler nach Theresienstadt. Er entdeckt, daß dort auch Gavrilo Princip, der Attentäter von Sarajevo, inhaftiert war. Die Briefe aus dem Jahre 1993 berichten von einem Studenten, der seinen Dozenten mit den Briefen eines in Sarajevo Umgekommenen konfrontiert. Immer wieder verknüpft dieser Berichterstatter aus einer dunklen Welt scheinbar unzusammenhängende Ereignisse. In einer Prosa, die Authentisches und Fiktives geschickt ineinander verwebt, wird so die »spiralförmige Struktur der Zeit« sichtbar.
Über den Autor
Dževad Karahasan, 1953 in Duvno/Jugoslawien geboren, Erzähler, Dramatiker und Essayist. Die Belagerung Sarajevos war Thema seines in zehn Sprachen übersetzten Tagebuchs der Aussiedlung und seiner letzten Romane Schahrijars Ring und Sara und Serafina. Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Er lebt in Graz und Sarajevo.
Dževad Karahasan erhielt 2003 den Buchpreis zur Europäischen Verständigung.