Seit über 20 Jahren beschäftige ich mich aus alpiner Notwendigkeit heraus mit dem Thema Wetter, speziell im Gebirge. Dieses Buch gehört eindeutig zu den entbehrlichsten Werken zu diesem Thema.
Auf dem hinteren Einband findet sich in der Kurzbeschreibung der Satz: „Dieses Buch vermittelt grundlegendes Wissen über das Wetter im Gebirge." Selten habe ich ein Buch gesehen, bei dem verkündeter Anspruch und gedruckte Wirklichkeit so weit auseinander klaffen. Das grundlegende Wissen über das Wetter im Gebirge kann rasch zu einem echten Sicherheitskriterium werden. Wer sich nach den Ausführungen von Herrn Keidel richtet, kann rascher als ihm lieb ist im Regen stehen, und das nicht nur im übertragenen Sinn.
Hier hat jemand sein Wetterwissen niedergeschrieben, das über die Vorstellung einer Regenwolken als wassergefülltem Plastiksack kaum hinausgekommen ist. Zitat: „Mamma-Wolken ... können Platzregen verursachen, wenn sie aufplatzen" (Seite 66)
Ein paar weitere Beispiele (Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen):
Als „sichere Hilfsmittel" zur Erkennung einer Wetterverschlechterung in den kommenden Stunden werden auf Seite 20 Cirren angeführt, die „... aus Südwest bis Nordwest am Himmel ... aufziehen." Darüber, dass die beiden in einen Topf geworfenen Richtungen von gravierend unterschiedlicher Bedeutung für die Vorhersage der Wetterentwicklung sind kein Wort. Cirren sind alles andere als „sichere Hilfsmittel". Es gilt nach wie vor der Spruch: „Bei Cirren kannst du dich irren!"
Zum Thema Blitzschlag verliert sich Keidel auf Seite 31ff in „der Lehre von Reizzonen unterirdischer Wasserläufe und elektromagnetischer Erdkraftfelder" als Grundlage für den Einschlagsort eines Blitzes. Selbst wenn es stimmen sollte, was nützt es dem Berggeher der in der Regel keine Wünschelrute dabei hat?
Zur Bewegung von Drucksystemen schreibt Keidel auf Seite 55, dass „... die Zugrichtung von Zyklonen und Antizyklonen um West" liegt. Wenn Keidel hier die gleiche Richtungsregel wie bei Wind anwendet (dessen Richtung ist die woher er bläst) sollte er das dem unwissenden Leser sagen. Ansonsten gilt, dass Zyklone und Antizyklone (also Tief- und Hochdruckgebiete) immer aus westlicher Richtung kommen und in östliche Richtung ziehen.
Dass Ausführungen zur Entstehung von Regen, zur Hagelerwartung bei einem Gewitter, zum Verhalten bei einer Hubschrauber-Bergrettung und vielen anderen Dingen mit leichter Hand an der Realität vorbeigehen, sowie das zum gezielten Nachschlagen unbrauchbare Register runden das schlechte Bild ab.